Katars Regierungschef hĂ€lt Vernichtung der Hamas fĂŒr kaum möglich
27.11.2023 - 06:50:44"Man wird die Hamas nicht so einfach vernichten können. Ob wir mit ihr ĂŒbereinstimmen oder nicht, sie ist Teil der Gesellschaft in Gaza und auch im Westjordanland", sagte der katarische MinisterprĂ€sident und AuĂenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag). Katar habe die Beziehung zur Hamas aufgebaut, "um Ruhe und StabilitĂ€t in der Region zu bewahren". Wenn sein Land dann sehe, dass ein Krieg ausbricht, dann wĂŒrden diese KommunikationskanĂ€le - wie bereits in der Vergangenheit - genutzt.
Mit Blick auf die israelische Regierung sagte Al Thani, man mĂŒsse sich nicht mögen. Er könne nicht mit einer Politik einverstanden sein, die sich weigere, das Recht des palĂ€stinensischen Volkes auf einen eigenen Staat auch nur in Betracht zu ziehen und im Westjordanland "kriminelle Landnahme von Siedlern" schĂŒtze. "Aber am Ende haben wir eine Arbeitsbeziehung. Wir haben Kontakte, arbeiten mit ihnen zum Wohl der PalĂ€stinenser. Und Israel weiĂ, wie effektiv diese Arbeitsbeziehung ist." Al Thani fĂŒgte hinzu, Israel habe Katar "in den vergangenen Jahren immer wieder um Hilfe dabei gebeten, Ruhe in Gaza und der Region sicherzustellen". "Wir liefern. Wir retten Leben. Wir haben schwierige Verhandlungen gefĂŒhrt."
Auf die Frage, ob Katar Sympathien fĂŒr die Hamas hege, antwortete Al Thani: "Wir sympathisieren mit der palĂ€stinensischen Bevölkerung und der palĂ€stinensischen Sache. Wir haben Sympathie fĂŒr die Menschen, die seit Jahrzehnten leiden. Und wir werden alles tun, was dem palĂ€stinensischen Volk hilft. Unsere UnterstĂŒtzung gilt nicht politischen Parteien oder politischen Ideologien."
Al Thani tadelt EuropÀer
Al Thani tadelte EuropĂ€er, die Israel fĂŒr seine KriegsfĂŒhrung in Gaza nicht stark genug kritisierten. "Es scheinen unterschiedliche MaĂstĂ€be fĂŒr die Verpflichtungen durch das humanitĂ€re Völkerrecht zu gelten. Es tut mir leid, das sagen zu mĂŒssen, aber darĂŒber herrscht hier groĂe EnttĂ€uschung", sagte er und appellierte an die Staaten der Region, eine Lösung fĂŒr den Konflikt voranzubringen. "Es ist an der Zeit, dass wir als Region unsere Pflicht tun - und dass Israel seine Pflicht erfĂŒllt, um einen Frieden zu ermöglichen."
Eine VerlĂ€ngerung der am Dienstag auslaufenden Feuerpause hĂ€lt Al Thani fĂŒr möglich. Mit der Einigung zwischen Israel und der Hamas ĂŒber die Freilassung von Geiseln aus dem Gazastreifen und der Kampfpause sei es "zumindest gelungen, eine positive Dynamik zu erzeugen". Er hoffe, jetzt darauf aufbauen zu können. "Jetzt, wo Geiseln freigelassen werden und es Pausen bei den KĂ€mpfen gibt, gelingt es uns vielleicht, eine Lösung zu finden."

