Deutsche Inflation steigt - Lebensmittel und Dienstleistungen teurer
28.11.2024 - 14:24:44Mit 2,2 Prozent ĂŒberschritt die jĂ€hrliche Inflationsrate erstmals seit Juli wieder die Zwei-Prozent-Marke. Das hat das Statistische Bundesamt anhand vorlĂ€ufiger Daten errechnet. Preistreiber bleiben Lebensmittel und Dienstleistungen. Von Oktober auf November sanken die Verbraucherpreise unterdessen um 0,2 Prozent.
Der AufwĂ€rtstrend bei der jĂ€hrlichen Teuerungsrate wird nach EinschĂ€tzung von Volkswirten in den nĂ€chsten Monaten anhalten. Die gute Nachricht fĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher: Die Inflation dĂŒrfte dennoch auf vergleichsweise moderatem Niveau bleiben.
AufwÀrtstrend - aber keine Teuerungswelle
Mit einer Teuerungswelle wie im Jahr 2022 rechnet derzeit keiner der Experten. Seinerzeit hatte sich Energie infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine sprunghaft verteuert, in der Folge war die Inflationsrate hierzulande bis auf fast neun Prozent geklettert.
Von solchen Werten ist die Teuerung in Deutschland aktuell weit entfernt, auch wenn sich der Trend umgekehrt hat: Im September hatte die jĂ€hrliche Inflationsrate in Europas gröĂter Volkswirtschaft mit 1,6 Prozent den tiefsten Stand seit Februar 2021 erreicht. Einen Monat spĂ€ter trieben ĂŒberdurchschnittliche Preissteigerungen bei Dienstleistungen und Nahrungsmitteln die Rate auf 2,0 Prozent.
Preistreiber Lebensmittel und Dienstleistungen
Inflationstreiber waren auch im November 2024 die Preise fĂŒr Lebensmittel und Dienstleistungen. FĂŒr Nahrungsmittel mussten Verbraucher 1,8 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Damit schwĂ€chte sich hier der Preisauftrieb etwas ab. Ăberdurchschnittlich teurer wurde eine fĂŒr alle PlĂ€tzchenbĂ€ckerinnen und -bĂ€cker in der Adventszeit wichtige Zutat: Butter kostete teilweise ĂŒber 40 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie statistische LandesĂ€mter berichteten. Dienstleistungen wie GaststĂ€ttenbesuche, Pauschalreisen oder Autoreparatur verteuerten sich im November wie schon im Vormonat um 4,0 Prozent.
Energie billiger
GĂŒnstiger als ein Jahr zuvor waren Tanken und Heizen: Insgesamt verbilligte sich Energie gegenĂŒber November 2023 um 3,7 Prozent. Im Oktober lagen die Preise fĂŒr diese Produkte allerdings sogar um 5,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, im September waren es 7,6 Prozent. Somit dĂ€mpfte die Preisentwicklung bei Energie die Inflationsrate weniger stark als in den Monaten zuvor.
Ohne die schwankungsanfĂ€lligen Preise fĂŒr Energie und Nahrungsmittel errechneten die Wiesbadener Statistiker fĂŒr November eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. Diese Kerninflation bildet die grundlegende Teuerung ab und stellt den Inflationstrend nach Meinung vieler Ăkonomen besser dar als die Gesamtrate.
VorĂŒbergehend höhere Inflationsraten
Nach EinschĂ€tzung der Bundesbank mĂŒssen sich die Menschen in Deutschland bis ins neue Jahr hinein vorĂŒbergehend auf etwas höhere Inflationsraten einstellen. 2023 waren zum Jahresende sowohl die Energiepreise als auch die Preise fĂŒr Reisen deutlich gesunken - diese dĂ€mpfenden Basiseffekte entfallen nun.
"Zu Beginn des neuen Jahres wirken zudem Sondereffekte preiserhöhend", erlĂ€utert die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Dazu zĂ€hlten die Preisanhebung beim Deutschlandticket und wohl auch krĂ€ftige Anhebungen der Tarife fĂŒr private Krankenversicherungen. Zudem werde das deutliche Lohnwachstum aus dem Jahr 2024 die Teuerung bei Dienstleistungen hoch halten. Höhere Teuerungsraten schmĂ€lern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich dann fĂŒr einen Euro weniger leisten können.
Wie reagiert die EZB?
Obwohl die Inflationsraten auch im Euroraum zuletzt wieder etwas angezogen haben, dĂŒrfte die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) nach Ăberzeugung vieler Volkswirte Mitte Dezember die Leitzinsen im Euroraum weiter senken - und auch in den Monaten danach. Niedrigere Zinsen helfen der schwĂ€chelnden Konjunktur: Firmen und Privatleute kommen tendenziell gĂŒnstiger an frisches Geld, um zu investieren und zu konsumieren. Hauptziel der EZB sind stabile Preise und somit eine stabile WĂ€hrung im Euroraum. Das sieht die Notenbank erreicht, wenn die Teuerung mittelfristig bei 2,0 Prozent liegt.

