Ifo, Kurzarbeit

Ifo empfiehlt kĂŒrzere Kurzarbeit

16.04.2025 - 11:21:21 | dpa.de

Das MĂŒnchner Ifo-Institut sieht die seit Jahresbeginn geltende lĂ€ngere Bezugsdauer fĂŒr Kurzarbeitergeld kritisch.

Die Politik sollte erwĂ€gen, die maximale Dauer zu reduzieren, sagt Ifo-Experte Volker Meier. Derzeit sind es 24 Monate. Eine Reduktion wĂŒrde nach Meiers Worten den Strukturwandel voranbringen und helfen, den FachkrĂ€ftemangel zu reduzieren. Bei einer lĂ€ngeren Bezugsdauer empfiehlt er zudem, das Kurzarbeitergeld mit einer Weiterqualifizierung der betroffenen Arbeitnehmer zu verbinden.

Hintergrund der Empfehlung ist, dass das lÀngere Kurzarbeitergeld nach EinschÀtzung der Experten Mitarbeiter in betroffenen Branchen davon abhÀlt, sich umzuorientieren. "Höhere Leistungen und lÀngere Fristen hemmen die Betroffenen auf der Suche nach neuer BeschÀftigung", sagt Meier. Angesichts des steigenden FachkrÀftemangels habe dieses Argument an Bedeutung gewonnen.

Die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes wurde zum Jahresbeginn von 12 auf 24 Monate verlĂ€ngert. Die Erhöhung lĂ€uft allerdings bereits zum Jahresende wieder aus und gilt laut Arbeitsagentur nur fĂŒr Betriebe, die sich bereits in Kurzarbeit befinden.

Das kĂŒrzere Kurzarbeitergeld und die VerknĂŒpfung mit Qualifizierung sind zwei von zehn Punkten, die Meier in einer KurzeinschĂ€tzung im Auftrag der IHK MĂŒnchen und Oberbayern als Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation nennt. Weitere sind unter anderem eine Absenkung oder verzögerte Erhöhung des BĂŒrgergeldes, Änderungen beim Ehegattensplitting oder Reformen bei der Rente zur VerlĂ€ngerung der Lebensarbeitszeit.

Es gibt auch Nachteile

Meier und sein Mitautor Leander Andres nennen dabei allerdings auch potenzielle Nachteile der Änderungen: Bei einer KĂŒrzung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes ist das beispielsweise, "dass bei einer etwaigen Erholung der Branche gut ausgebildete ArbeitskrĂ€fte nicht mehr zur VerfĂŒgung stehen", wie es in der Expertise heißt. Letztlich komme es darauf an, ob man von einem schnellen Ende der Krise in den betroffenen Branchen ausgehe oder nicht.

Im Januar - aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor - wurde laut Arbeitsagentur fĂŒr 240.000 BeschĂ€ftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld bezahlt. Das waren 51.000 mehr als ein Jahr davor.

Manfred GĂ¶ĂŸl, IHK-Chef fĂŒr MĂŒnchen und Oberbayern, fordert angesichts der VorschlĂ€ge: "Unser Steuer- und Sozialsystem muss endlich wieder konsequent ErwerbstĂ€tigkeit belohnen." Dabei kommt es auf jeden BeschĂ€ftigungsanreiz an, sagt er: "Ob fĂŒr kĂŒrzere Arbeitslosigkeit, den Einstieg in die ErwerbstĂ€tigkeit, ein bis zwei Wochenstunden mehr bei TeilzeitbeschĂ€ftigten oder eine lĂ€ngere Lebensarbeitszeit."

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