Behörde, Frust

Behörde registriert so viel Frust ĂŒber die Post wie noch nie

21.07.2025 - 05:15:43

Das Paket kommt verspĂ€tet, der Brief landet im falschen Briefkasten oder er bleibt verschwunden. So etwas ist Ă€rgerlich. Manchmal ist der Ärger so groß, dass sich Verbraucher an eine Behörde wenden.

  • Mehrere Milliarden solcher Sendungen werden in Deutschland jedes Jahr zugestellt, bei manchen geht etwas schief. (Archivbild) - Foto: Wolf von Dewitz/dpa

    Wolf von Dewitz/dpa

  • Manch Verbraucher ist unzufrieden mit dem Gelben Riesen. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa

    Oliver Berg/dpa

  • Auch diese Briefe sollen doch bitte im richtigen Briefkasten landen. - Foto: Thomas Banneyer/dpa

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Mehrere Milliarden solcher Sendungen werden in Deutschland jedes Jahr zugestellt, bei manchen geht etwas schief. (Archivbild) - Foto: Wolf von Dewitz/dpaManch Verbraucher ist unzufrieden mit dem Gelben Riesen. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpaAuch diese Briefe sollen doch bitte im richtigen Briefkasten landen. - Foto: Thomas Banneyer/dpa

Die Beschwerden ĂŒber die Post und ihre Wettbewerber haben den nĂ€chsten Höchstwert erreicht. Wie die Bundesnetzagentur auf Anfrage mitteilte, gingen bei ihr im ersten Halbjahr 22.981 Beschwerden zu Postdienstleistungen ein und damit 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum - damals war der bisherige Halbjahres-Höchstwert erreicht worden. 89 Prozent der Kritik richtet sich gegen den MarktfĂŒhrer Deutsche Post/DHL.

FrĂŒher waren es viel weniger Beschwerden gewesen. Sollte sich das bisherige Beschwerdetempo fortsetzen, könnte in diesem Jahr der bisherige Jahreshöchstwert von 44.406 aus dem Jahr 2024 gerissen werden.

Tagelanges Warten auf dringendes Einschreiben

Es geht um verspĂ€tete, falsch abgegebene oder beschĂ€digte Sendungen, ob Briefe oder Pakete. Beispielhaft fĂŒr eine Dienstleistung, die zu mĂ€chtig Frust gefĂŒhrt hat, ist der Fall einer Seniorin aus Berlin, die in ihrer Ferienwohnung auf einer Nordsee-Insel Urlaub gemacht hat. Ihr Handy hatte sie in Berlin vergessen, eine Bekannte schickte es ihr per Einschreiben nach. Der Post zufolge kommt ein Einschreiben «in der Regel am nĂ€chsten Werktag» an. 

Im Falle besagter Seniorin kam das Einschreiben nach ihrer Aussage aber erst nach sechs Werktagen an - sie musste also viel lĂ€nger auf ihr Handy verzichten als gedacht. Das MerkwĂŒrdige: Über die Sendungsverfolgung konnte sie sehen, dass ihr Handy schnell von Berlin auf die Nordsee-Insel transportiert worden war, dort aber tagelang liegenblieb. 

Als der Zusteller endlich kam, fand er ihre Wohnung nicht und wollte schon wieder wegfahren - nur zufĂ€llig sah die Frau ihn und lief ihm nach. Der Postbote sei wohl nicht wirklich ortskundig gewesen, die Adresse sei eindeutig und andere Postboten hĂ€tten in der Vergangenheit keine Probleme gehabt, sagt die 82-JĂ€hrige verĂ€rgert. Auf die Frage, warum sie so lange auf das Einschreiben habe warten mĂŒssen, sei ihr gesagt worden, dass die Post vor Ort viel weniger Zustellpersonal habe als frĂŒher.

Solche Beispiele sind zunĂ€chst zwar nur EinzelfĂ€lle, die auch individuelle Besonderheiten enthalten können. Die Summe der FĂ€lle ergibt allerdings ein ernĂŒchterndes Bild. Lange hielten sich die Post-Beschwerdezahlen auf eher niedrigem Niveau, bevor es im Sommer 2022 deutlich nach oben ging und das Unternehmen das Thema zunĂ€chst kleinredete. Schließlich rĂ€umte es lokale Probleme ein und begrĂŒndete diese mit Personalproblemen.

Wie die Post auf den Beschwerde-Höchstwert reagiert

Als Reaktion auf die Halbjahreszahlen sagt ein Post-Sprecher, dass jede Beschwerde eine zu viel sei und dass sein Unternehmen tÀglich an QualitÀtsverbesserungen arbeite. Er weist zudem darauf hin, dass der Anteil der Beschwerden an den Milliarden an zugestellten Sendungen gering sei. Der Bonner Konzern stellte im vergangenen Jahr in Deutschland 12,2 Milliarden Briefe und 1,8 Milliarden Pakete zu.

Der Firmensprecher rĂ€umt aber ein, dass es im ersten Halbjahr phasenweise EinschrĂ€nkungen in den betrieblichen AblĂ€ufen gegeben habe, etwa die Warnstreiks zu Jahresbeginn und Folgen der Hitzewelle im Juni, als das Arbeitspensum reduziert werden musste. Dies habe an einzelnen Standorten zu RĂŒckstĂ€nden und Verzögerungen gefĂŒhrt. 

Des Weiteren fĂŒhrt der Post-Sprecher die Beschwerde-Entwicklung auf Änderungen des Postgesetzes zurĂŒck, die zum Jahresbeginn in Kraft getreten sind. Seither hat das Unternehmen bei der Beförderung von Briefen viel weniger Zeitdruck als frĂŒher: Mussten vorher die allermeisten Briefe schon nach ein bis zwei Werktagen angekommen sein, so greift so eine Pflicht inzwischen erst am dritten Werktag - die durchschnittliche Wartezeit auf Briefe steigt also. Dadurch kann die Post Kosten senken und ihr Zustellsystem umstellen. Der Logistiker befördert im Digitalzeitalter immer weniger Briefe, wodurch das klassische BriefgeschĂ€ft unter Druck gerĂ€t.

Inzwischen bĂŒndelt die Post ihre Sendungsmengen: Soll etwa ein EmpfĂ€nger am Dienstag und Mittwoch je einen Brief bekommen, so wird der Dienstagsbrief nun zurĂŒckgehalten und erst am Mittwoch zusammen mit dem zweiten Brief zugestellt. Dadurch spart sich der BrieftrĂ€ger einmal den Weg zum Briefkasten. FĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bedeutet das allerdings auch, dass sie im Schnitt hĂ€ufiger in einen leeren Briefkasten schauen als frĂŒher - und zwar nicht nur wegen des Internet-Zeitalters, in dem E-Mails und Chat-Nachrichten die klassischen Briefe verdrĂ€ngen, sondern eben auch wegen der Postgesetz-Reform. 

Auf die Folgen der GesetzesĂ€nderungen weist auch der Post-Sprecher in seiner Reaktion auf die Beschwerdezahlen hin. «Die Postversorgung heute ist eine andere als in den Jahren davor: Zum Jahreswechsel haben sich die Brieflaufzeiten gemĂ€ĂŸ Postgesetz verlĂ€ngert.» Man stelle fest, dass die Änderungen nicht allen Briefkunden bekannt seien und sich daher Kunden mit Fragen an das Unternehmen wendeten. 

Kritische Reaktion aus der Politik

Separat zu den kritischen Wortmeldungen bei der Bundesnetzagentur können sich Verbraucherinnen und Verbraucher auch direkt bei der Post melden. Im vergangenen Jahr waren es circa 420.000 Beschwerden. 

In der Politik behĂ€lt man das Thema im Blick. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff sagt, dass die Tendenz bei den Beschwerden ernstzunehmen sei. Roloff hat die Postgesetz-Reform mitverhandelt. «Die neuen Regeln bei der Postzustellung mĂŒssen sich tatsĂ€chlich erst einspielen, allerdings hat die Post durch den Gesetzgeber mehr Spielraum und FlexibilitĂ€t bekommen, was sich eigentlich in mehr ZuverlĂ€ssigkeit auswirken sollte», meint der Sozialdemokrat. «Das ist die klare Erwartung auch an die Personalplanung der Post.»

@ dpa.de