ROUNDUP, Energie

Energie drĂŒckt Inflation auf niedrigsten Wert seit 2021

11.10.2024 - 12:03:52

Das Statistische Bundesamt hat seine vorlĂ€ufige SchĂ€tzung bestĂ€tigt: Im September ist der Anstieg der Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von 1,6 Prozent so schwach ausgefallen wie seit ĂŒber drei Jahren nicht mehr.

Vor allem die starken PreisrĂŒckgĂ€nge bei der Energie haben dafĂŒr gesorgt, wie die Bundesbehörde am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Analysten hatten die BestĂ€tigung der ersten SchĂ€tzung im Schnitt erwartet. Die Zeit der starken Preiserhöhungen auf Waren und Dienstleistungen scheint damit zunĂ€chst einmal vorbei. Eine geringere Teuerung war zuletzt im Februar 2021 mit 1,5 Prozent beobachtet worden.

Das Abebben der Inflation ist grundsĂ€tzlich eine gute Nachricht fĂŒr die schwache deutsche Wirtschaft und die Verbraucher, die wegen der Energiekrise und gestiegener Lebensmittelpreise langfristig an Kaufkraft verloren haben. Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) hat mit dem Argument der sinkenden Inflation im September den Leitzins zum zweiten Mal im laufenden Jahr gesenkt. Kredite fĂŒr Investitionen und Konsumausgaben sollen sich dadurch verbilligen. Auf der anderen Seite sinken die Zinsen fĂŒr Guthaben.

Forderung nach weiterer Zinssenkung

In der kommenden Woche (17. Oktober) berĂ€t der EZB-Rat bei einer auswĂ€rtigen Sitzung in Slowenien ĂŒber die weitere Zinspolitik. Die Ökonomin Silke Tober vom Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung hĂ€lt weitere Zinssenkungen fĂŒr notwendig. Die geldpolitische Restriktion schwĂ€che die Wirtschaft und verhindere erforderliche Investitionen. Bei einer sich abschwĂ€chenden Lohndynamik sei in den kommenden Monaten und auch im kommenden Jahr im Euroraum mit Inflationsraten nahe an der Zwei-Prozent-Marke zu rechnen. Bei diesem Wert sieht die EZB ihr Ziel der PreisstabilitĂ€t erfĂŒllt.

Energie ist deutlich gĂŒnstiger geworden

Energieprodukte waren im September im Schnitt 7,6 Prozent gĂŒnstiger als ein Jahr zuvor. Dazu gehören unter anderem Kraftstoffe, Heizöl oder Holz. Auch Strom und Erdgas waren gĂŒnstiger zu haben als vor einem Jahr. Bei den Nahrungsmitteln beobachteten die Statistiker eine Preissteigerung von 1,6 Prozent. Einzelne Produkte wie Olivenöl (+29,6 Prozent) oder Butter (29,3 Prozent) legten auch deutlich höhere PreissprĂŒnge hin. Die sogenannte Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel ist auf 2,7 Prozent zurĂŒckgegangen. Sehr viel teurer als vor einem Jahr waren Dienstleistungen mit einem Plus von 3,8 Prozent. Hier spiegeln sich die vergleichsweise hohen TarifabschlĂŒsse fĂŒr viele Berufsgruppen.

Ökonomen erwarten, dass die Inflation in Deutschland zunĂ€chst unter der Marke von zwei Prozent bleibt, aber zum Jahresende wieder anzieht. Der private Konsum ist auch eine wichtige Hoffnung fĂŒr die deutsche Wirtschaft, die weiterhin in einer Rezession steckt. Am Mittwoch hatte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose ins Negative gesenkt. Sie rechnet nun fĂŒr das laufende Jahr mit einem RĂŒckgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent.

@ dpa.de