Jahr, Twitter-Übernahme

Ein Jahr nach Twitter-Übernahme: X mit starkem Wertverlust

31.10.2023 - 04:10:48

Dass der Twitter-Kauf fĂŒr Elon Musk finanziell ein schlechtes GeschĂ€ft war, ist schon lange klar. Doch nun gibt es Medienberichten zufolge eine konkrete Zahl fĂŒr den Wertverfall.

Elon Musks Online-Plattform X ist laut Medienberichten nach eigener EinschĂ€tzung weniger als halb so viel wert wie der Tech-MilliardĂ€r dafĂŒr noch unter dem Namen Twitter bezahlt hat. Bei einer Zuteilung von Aktien an Mitarbeiter sei X insgesamt mit 19 Milliarden Dollar bewertet worden, schrieben unter anderem das Magazin «Fortune» und der Finanzdienst Bloomberg.

Musk hatte Ende Oktober 2022 rund 44 Milliarden Dollar fĂŒr Twitter bezahlt. Er bezahlte dabei einen krĂ€ftigen Aufschlag auf den Börsenwert: Über die HĂ€lfte mehr als der Preis, zu dem er im Januar heimlich die ersten Aktien kaufte, sowie 38 Prozent mehr als vor Bekanntwerden seiner Investition Anfang April. Inzwischen benannte er den Dienst in X um und will auf dieser Basis eine App mit mehr Funktionen bis hin zu Finanzdienstleistungen aufbauen.

Keine Überraschung - Alles möglich

Der drastische Wertverlust kommt nicht ĂŒberraschend. Schon Ende MĂ€rz zitierten die «New York Times» und das «Wall Street Journal» aus einer E-Mail Musks in die Belegschaft, in der er den Wert von Twitter bei 20 Milliarden Dollar sah. Zugleich sagte er dort demnach aber auch voraus, dass mit dem Wandel zur «App fĂŒr alles» irgendwann auch ein Sprung auf 250 Milliarden drin sei.

Anlass fĂŒr die Mail war die AnkĂŒndigung eines Aktienprogramms fĂŒr Mitarbeiter. Die damalige Botschaft: Die jetzigen Aktien könnten noch wertvoll werden, wenn man sie nicht gleich nach Ende der Haltefrist verscherbelt. Wenn der Firmenwert jetzt immer noch bei 19 Milliarden liegt, haben Musks Neuerungen keinen positiven Einfluss auf das GeschĂ€ft gehabt.

RĂŒckgang der Werbeerlöse

Der Plattform macht seit der Übernahme ein erheblicher RĂŒckgang der Werbeerlöse zu schaffen, die stets die tragende SĂ€ule des Twitter-GeschĂ€fts waren. Musk sagte mehrfach, dass sie nur noch etwa halb so hoch seien, wie einst bei Twitter. Zahlreiche Unternehmen meiden X als Werbeplattform, weil sie ein negatives Umfeld fĂŒr ihre Marken befĂŒrchten. Musk versucht verstĂ€rkt, die LĂŒcke mit Abo-Einnahmen aufzufĂŒllen.

Dabei wurde erst eingeschrĂ€nkt, wie viele BeitrĂ€ge Gratis-Nutzer pro Tag sehen können. Inzwischen wird mit weitreichenderen BeschrĂ€nkungen experimentiert. So können in Neuseeland und auf den Philippinen neue Nutzer des Dienstes erst mit einer GebĂŒhr von einem US-Dollar pro Jahr BeitrĂ€ge veröffentlichen sowie Posts anderer zitieren oder weiterverbreiten. Kostenlos kann man X nur passiv nutzen: BeitrĂ€ge lesen, Videos ansehen, anderen Nutzern folgen.

Das Abo-Modell

Beim Premium-Abo gibt es nun seit kurzem drei Stufen zwischen 3,57 und 19,04 Euro in Deutschland. Ob sich der Abo-Fokus finanziell lohnt, ist offen. Nach SchĂ€tzungen dĂŒrfte das ursprĂŒngliche Abonnement fĂŒr 8 Dollar bzw. 9,52 Euro in Deutschland hochgerechnet jĂ€hrliche Einnahmen um die 120 Millionen Dollar bringen. Zum Vergleich: Twitter nahm in seinem letzten vollen Jahr als unabhĂ€ngiges Unternehmen 4,5 Milliarden Dollar mit Werbung und weitere 572 Millionen mit Datenlizenzen und anderen Erlösen ein.

Die Übernahme beschwerte Twitter und X auch eine weitere Weise. Musk nahm fĂŒr den Kauf Kredite von rund 13 Milliarden Dollar auf - die jetzt auf X lasten und fĂŒr die SchĂ€tzungen zufolge rund 1,2 Milliarden Dollar Zinsen pro Jahr fĂ€llig werden.

@ dpa.de