Schuhe, Insolvenz

Pleiten, Konsumflaute und Rabattspirale: Modebranche in Not

10.02.2026 - 11:01:05

Dass Kunden so sparsam konsumieren, bringt vor allem stationÀre ModehÀndler in Schwierigkeiten. Der Branchenverband bezeichnet die Lage als «dramatisch».

  • Ob RĂ€umungsverkauf oder Rabattaktionen: Viele HĂ€ndler umwerben die Kunden mit reduzierten Preisen. - Foto: Sven Hoppe/dpa

    Sven Hoppe/dpa

  • Die Shoppingportale Temu und Shein sind bei vielen Verbrauchern in Deutschland beliebt. - Foto: Oliver Berg/dpa

    Oliver Berg/dpa

Ob RĂ€umungsverkauf oder Rabattaktionen: Viele HĂ€ndler umwerben die Kunden mit reduzierten Preisen. - Foto: Sven Hoppe/dpaDie Shoppingportale Temu und Shein sind bei vielen Verbrauchern in Deutschland beliebt. - Foto: Oliver Berg/dpa

Das kalte Januarwetter in Deutschland hat nicht jeden gestört. Viele Menschen kauften Jacken, Schals und MĂŒtzen. Das stimmte zumindest einige ModehĂ€ndler versöhnlich. Über die Probleme der Branche kann dies jedoch nicht hinwegtĂ€uschen. Sparsame Kunden, hohe Kosten, BĂŒrokratie und die zunehmende Konkurrenz durch asiatische HĂ€ndler: Die Liste ist lang. 

Der Handelsverband Textil Schuhe und Lederwaren (BTE) zieht eine negative Bilanz fĂŒr 2025 - und blickt kaum zuversichtlich nach vorn. Besonders angespannt ist die Lage im stationĂ€ren GeschĂ€ft. Wie aus einer Verbandsumfrage hervorgeht, landete im vergangenen Jahr jeder zweite BekleidungshĂ€ndler operativ in den roten Zahlen. 

BTE-PrÀsident Mark Rauschen nennt die Entwicklung «dramatisch». Es bestehe die Gefahr, dass bestehende stationÀre Handels- und Versorgungsstrukturen vollends wegbrechen. «Der Exitus unserer Branchen muss gestoppt werden.» Er spricht von einem «Horrorszenario». 

Onlineanteil von ĂŒber 40 Prozent 

StationĂ€re GeschĂ€fte, WarenhĂ€user, Lebensmittel- und OnlinehĂ€ndler setzten 2025 mit Bekleidung hierzulande laut BTE gut 57,1 Milliarden Euro um. Nominal entspricht das einem Zuwachs von rund einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Preisbereinigt ergibt sich jedoch ein Minus von etwa zwei Prozent. Noch stĂ€rker fiel der RĂŒckgang im Schuhhandel aus, der knapp 11,5 Milliarden Euro umsetzte. 

Deutlich besser als stationÀr lief es zuletzt im OnlinegeschÀft. Der Verkauf von Mode und Accessoires hat sich stark ins Internet verlagert. Mehr als 40 Prozent der UmsÀtze entfallen bereits auf den Onlinehandel. Keine andere Branche erzielt im Netz höhere UmsÀtze. 

Zu den Treibern zĂ€hlen OnlinehĂ€ndler wie Temu und Shein. Der BTE schĂ€tzt, dass der Branche in Deutschland durch die asiatischen Portale im vergangenen Jahr etwa drei Milliarden Euro Umsatz entgangen sind. Die Anbieter sind umstritten. Handelsvertreter und VerbraucherschĂŒtzer kritisieren unter anderem geringe ProduktqualitĂ€t, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Viele Verbraucher kaufen dennoch regelmĂ€ĂŸig bei Temu und Shein, vor allem wegen der niedrigen Preise. 

Insbesondere der stationĂ€re Handel gerĂ€t dadurch unter Druck. Um Kunden zu ködern und konkurrenzfĂ€hig zu sein, setzen viele Unternehmen auf Rabattaktionen - auch wenn sie dafĂŒr auf Gewinn verzichten mĂŒssen. Die Folge war zuletzt vielerorts ein scheinbar nicht endender Dauer-Sale im wichtigen JahresendgeschĂ€ft, bis hinein in den Januar. Ein Grund dafĂŒr waren auch volle Lager. Die HĂ€ndler brauchen Platz fĂŒr die neuen Kollektionen. 

Lieber Urlaub als neue Jacke

Ein Problem begleitet die Branche auch 2026. Viele Kunden kaufen zurĂŒckhaltend und sparsam ein - besonders bei Bekleidung. Laut einer reprĂ€sentativen Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH Köln wollen 45 Prozent in nĂ€chster Zeit weniger Geld fĂŒr Mode und Accessoires ausgeben. In anderen Bereichen wie Wohnen und Einrichten oder Freizeit und Hobby liegen die Werte niedriger. 

«Mode wird aus Konsumentensicht zunehmend als klassisches Sparsortiment wahrgenommen», sagt IFH-Branchenexpertin Carina Habke. Wenn Geld bewusster eingesetzt werde, dann eher fĂŒr Erlebnisse, Freizeit oder Sport. Grund dafĂŒr sei ein wachsendes Nachhaltigkeits- und Gesundheitsbewusstsein. Viele investierten ihr Geld lieber in Bio-Lebensmittel, regionale Produkte oder langlebige Anschaffungen, statt regelmĂ€ĂŸig neue Kleidung zu kaufen. 

Auch BTE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Rolf Pangels geht davon aus, dass Konsumenten eher bei Kleidung sparen als etwa bei Reisen. «Urlaub bietet eine Auszeit von Alltag und Sorgen. Das suchen viele Menschen derzeit verstĂ€rkt.» 

Prominente Insolvenzen 

Entsprechend gedĂ€mpft fallen die Erwartungen fĂŒr 2026 aus. Laut einer BTE-Umfrage unter gut 200 ModehĂ€ndlern befĂŒrchtet ein Drittel ein Umsatz-Minus von einem Prozent oder mehr. In der Bekleidungsbranche rechnet nur knapp jedes dritte Unternehmen mit einem nennenswerten Plus, im Schuhhandel nur etwa jedes sechste. Die Lage ist fĂŒr viele Firmen angespannt. FĂŒr Aufsehen sorgte zuletzt die AnkĂŒndigung von Zalando, ein Logistikzentrum in Erfurt mit 2.700 BeschĂ€ftigten zu schließen. Der Textildiscounter Kik teilte im September mit, unrentable Filialen zu schließen. Wie viele, ist noch unklar. 

FĂŒr andere ist die Situation existenzbedrohend. «Das Insolvenzgeschehen im Mode- und Bekleidungshandel hat sich 2025 weiter zugespitzt», sagt der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Zu den prominenten FĂ€llen zĂ€hlten zuletzt der Modehersteller Gerry Weber, der SchuhhĂ€ndler Görtz und die Modemarke Closed. Auch der Hemdenhersteller Eterna stellte einen Insolvenzantrag. Im Januar scheiterte die Rettung des insolventen Herrenausstatters Wormland. 

FĂŒr 2026 rechnet Hantzsch nicht mit einer Trendwende. Insolvenzen blieben wahrscheinlich, insbesondere bei Unternehmen mit hoher Filialdichte, knappen LiquiditĂ€tsreserven und fehlender oder veralteter Profilierung. Bereits seit Jahren schrumpft die Zahl der BekleidungshĂ€ndler. 2010 gab es bundesweit noch knapp 22.900 Unternehmen, 2025 waren es nur noch rund 12.050. Die Zahl der SchuhhĂ€ndler fiel im selben Zeitraum von mehr als 5.000 auf etwa 2.450. Ein HĂ€ndler kann ein einzelner SelbststĂ€ndiger sein oder ein grĂ¶ĂŸeres Unternehmen mit zahlreichen Filialen.

@ dpa.de