Datenschutz: SAP-LĂŒcke OVERPASS gefĂ€hrdet 29.500 deutsche Betriebe
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 01:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
**Sicherheitsrisiken durch veraltete Server-Infrastruktur und zunehmend aggressive Schadsoftware stellen derzeit eine erhebliche Bedrohung fĂŒr den Schutz sensibler Daten in Unternehmen dar.
Wie aus Branchenberichten vom 11. September 2026 hervorgeht, verschĂ€rft die Kombination aus technologischem RĂŒckstau, langen Lieferzeiten fĂŒr Ersatzhardware und hochkritischen Schwachstellen in weitverbreiteter Unternehmenssoftware die globale Bedrohungslage.**
Kritische Schwachstellen bei SAP und Netzwerkkomponenten
Ein zentraler Fokus der aktuellen Sicherheitswarnungen liegt auf dem Softwarekonzern SAP. Das Unternehmen veröffentlichte am 8. September 2026 insgesamt 22 Security Notes. Besonders kritisch wird die als âOVERPASSâ bezeichnete LĂŒcke (CVE-2026-44756) eingestuft, die mit dem höchstmöglichen CVSS-Wert von 10,0 bewertet wurde.
Hierbei handelt es sich um einen Stack-Buffer-Overflow im SAP-Kernel, der nicht authentifizierte Remote-Code-AusfĂŒhrungen ĂŒber verschiedene Schnittstellen wie Web, SAP GUI und RFC ermöglicht.
Betroffen sind unter anderem S/4HANA, die Business Suite (ECC) sowie NetWeaver und der Web Dispatcher. FĂŒr deutsche Unternehmen ist die zeitnahe Behebung dieser LĂŒcken auch aufgrund regulatorischer Anforderungen dringlich: Rund 29.500 Betriebe fallen unter die NIS2-Richtlinie beziehungsweise die BSI-Aufsicht. Bei VerstöĂen drohen BuĂgelder von bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
ZusĂ€tzlicher Handlungsbedarf besteht bei Netzwerkinfrastrukturen. Die US-Sicherheitsbehörde CISA nahm am 10. September 2026 Schwachstellen in MikroTik-Routern (CVE-2026-67277 und CVE-2026-86060) in ihren Katalog aktiv ausgenutzter LĂŒcken auf.
Zuvor hatte das CERT Polska ĂŒber Ăbernahmen von GerĂ€ten ĂŒber offene SSH-ZugĂ€nge berichtet, die seit dem 2. September 2026 beobachtet wurden. SchĂ€tzungen zufolge waren Anfang September noch mindestens 122.500 MikroTik-GerĂ€te mit erreichbarem SSH-Dienst im Netz auffindbar.
Hardware-EngpÀsse und ökologische Herausforderungen
Die Modernisierung veralteter Systeme wird derzeit durch angespannte Lieferketten erschwert. WĂ€hrend die Lieferzeiten fĂŒr Standard-Enterprise-Server gegenĂŒber 2024 teils 6 bis 8 Wochen betragen, mĂŒssen Unternehmen bei High-End-Speicherkonfigurationen mit Wartezeiten von mehreren Monaten rechnen. Parallel dazu sind die Vertragspreise fĂŒr Enterprise-SSDs im ersten Quartal 2026 deutlich angestiegen.
Diese Verzögerungen treffen auf eine wachsende Problematik bei der Entsorgung von AltgerÀten. Im Jahr 2022 fielen weltweit 62 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Bis zum Jahr 2030 wird ein Anstieg auf 82 Millionen Tonnen prognostiziert, wobei derzeit weniger als 25 Prozent des Abfalls nachweislich recycelt werden.
Kostenrisiken durch mangelndes Zertifikatsmanagement
Ein weiterer Risikofaktor ist das Management digitaler IdentitĂ€ten. Eine Umfrage unter IT-Entscheidern vom Mai 2026 verdeutlicht die wirtschaftlichen Folgen: 25 Prozent der schwerwiegendsten VorfĂ€lle im Zusammenhang mit digitalen Zertifikaten verursachten Kosten von ĂŒber 250.000 US-Dollar. Dies entspricht einer Steigerung von 5 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr.
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Mehr als ein Drittel der befragten Organisationen erlebte DienstausfĂ€lle aufgrund abgelaufener Zertifikate. Dabei meldete fast jede unverfĂŒnfte Organisation Ausfallzeiten von 25 Stunden oder mehr. Trotz dieser Risiken setzen bisher nur 10 Prozent der Unternehmen auf Automatisierungslösungen. Der Druck auf die IT-Abteilungen wird weiter zunehmen, da ab dem Jahr 2029 die maximalen TLS-Laufzeiten auf 47 Tage verkĂŒrzt werden sollen.
Neue Malware-Trends und KI-gestĂŒtzte Angriffe
Neben infrastrukturellen MÀngeln registrieren Sicherheitsanalysten neue Methoden der CyberkriminalitÀt. Ein Bericht vom 9. September 2026 beschreibt den Banking-Trojaner Gigabud, der speziell auf Android-GerÀte abzielt.
Die Malware nutzt das Arbeitsprofil des Betriebssystems, um Banking-Apps zu klonen und gÀngige Erkennungsmechanismen zu umgehen. Allein in Indonesien wurden zwischen Februar und Juli 2026 rund 1.469 kompromittierte GerÀte identifiziert.
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Auch die Geschwindigkeit von Angriffen nimmt zu. Analysen einer Kampagne von Ende August 2026 zeigen, dass russischsprachige Akteure KI-Agenten einsetzten, um Schwachstellen in der Software PaperCut auszunutzen. In einem Fall gelang es den Angreifern, innerhalb von knapp vier Stunden nach der ersten Kompromittierung DomÀnenadmin-Rechte zu erlangen. Elf Organisationen wurden dabei in einer Zeitspanne von lediglich 26 Sekunden kompromittiert.
Laut dem TrendAI-Report fĂŒr den Zeitraum von Januar 2024 bis Mitte 2026 liegt Deutschland auf Rang zwei der am hĂ€ufigsten betroffenen OpferlĂ€nder weltweit. Als Hauptangriffsvektoren wurden VPN-ZugĂ€nge, RDP-Verbindungen und gestohlene Zugangsdaten identifiziert.
Letztere werden vermehrt auch durch Social Engineering gewonnen, wobei Angreifer seit Mai 2026 verstÀrkt private EndgerÀte von BeschÀftigten ins Visier nehmen und sich am Telefon als IT-Helpdesk ausgeben.
