DAWO, Niederlanden

DAWO in den Niederlanden: Acht Kommunen testen den Linux-Arbeitsplatz

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Acht Kommunen testen die NixOS-basierte Arbeitsumgebung; Version 1.0 wird fĂŒr 2027 angestrebt, ein landesweiter Rollout bleibt offen.

Niederlande entwickeln mit DAWO eine staatliche IT-Alternative auf NixOS
Modernes VerwaltungsgebÀude in den Niederlanden mit klarer Architektur bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt.

In der europÀischen Verwaltungs-IT gewinnt das Streben nach digitaler SouverÀnitÀt zunehmend an Bedeutung. Ein zentrales Vorhaben stellt dabei die Entwicklung der Digitalen Arbeitsumgebung (DAWO) in den Niederlanden dar.

Das Projekt zielt darauf ab, eine staatlich kontrollierte Alternative zu proprietÀren Systemen wie Microsoft Windows und Microsoft 365 sowie zu Cloud-Diensten auslÀndischer Anbieter zu etablieren. Als technisches Fundament dient das Betriebssystem NixOS.

Technologische Basis und operative Umsetzung

Die Entwicklung von DAWO wurde im Juli 2026 durch eine Richtlinie des Interdepartementalen IT-Bezirksrats (ICBR) offiziell mandatiert. Mit der Umsetzung wurden die staatlichen IT-Dienstleister SSC-ICT, DICTU und DUO-ICT betraut.

Das Projekt verfolgt einen modularen Ansatz: Neben dem Betriebssystem auf NixOS-Basis umfasst die Umgebung Lösungen fĂŒr die Flottenverwaltung, das IdentitĂ€ts- und Zugriffsmanagement sowie Cloud-Dienste, MobilgerĂ€te und KI-gestĂŒtzte Werkzeuge fĂŒr die Zusammenarbeit.

Die Wahl fiel unter anderem aufgrund der hohen Reproduzierbarkeit von Systemkonfigurationen auf NixOS. Laut dem Entwickler Rutger Putter lassen sich schĂ€tzungsweise 80 bis 90 % der Nix-Konfigurationen zwischen verschiedenen Installationen wiederverwenden. FĂŒr die Entwicklungsphase ist zudem Fedora Kinoite als Fallback-Zweig im Projektumfang aufgefĂŒhrt. Ein Commit-Log des Projekts verzeichnete zuletzt am 18. August 2026 eine Aktualisierung.

Pilotprojekte und zeitliche Planung

Das System wird gegenwĂ€rtig in der Praxis erprobt. Über die Vereinigung niederlĂ€ndischer Gemeinden (VNG) nehmen acht Kommunen an einem Pilotprojekt teil, das bis zum Ende des Jahres 2026 angesetzt ist. Zu den beteiligten StĂ€dten gehören unter anderem Amsterdam, Ede, Zaanstad und ’s-Hertogenbosch. Die dort eingesetzten Laptops nutzen die Open-Source-Kollaborationsumgebung MijnBureau.

In der Entwicklungshistorie war die Version DAWO-Core 0.1.3 im September 2026 seit etwa drei Wochen verfĂŒgbar. Die Projektverantwortlichen streben die Veröffentlichung einer Version 1.0 im kommenden Jahr an; eine stabile Fassung wird fĂŒr 2027 erwartet.

Ein verbindlicher Termin fĂŒr einen landesweiten Rollout oder eine vollstĂ€ndige Ablösung von Windows-Systemen wurde bisher ebenso wenig kommuniziert wie eine abschließende Finanzierung fĂŒr den flĂ€chendeckenden Einsatz.

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Strategische Rahmenbedingungen und Cloud-Regulierung

Flankiert wird das Vorhaben durch verschĂ€rfte regulatorische Vorgaben. Seit Juli 2026 gelten in den Niederlanden neue Cloud-Regeln, die fĂŒr kritische Dienste verbindliche AusstiegsplĂ€ne vorschreiben. Bestehende Infrastrukturen mĂŒssen innerhalb von vier Jahren angepasst werden, wobei in komplexen FĂ€llen VerlĂ€ngerungen möglich sind.

Gina Plat vom niederlĂ€ndischen Innenministerium verwies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit, AbhĂ€ngigkeiten bei wichtigen Diensten exakt zu kartieren. Dabei sollten fĂŒr jede Leistung die Folgen eines Ausfalls sowie der Aufwand fĂŒr einen Anbieterwechsel geprĂŒft werden. FĂŒr den 28. September 2026 ist dazu ein FachgesprĂ€ch im Rahmen der DrupalCon in Rotterdam angesetzt.

Parallel zur DAWO-Entwicklung nutzen andere Institutionen bereits alternative Lösungen. So ist der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag auf die Office-Suite openDesk umgestiegen. Zudem bĂŒndeln sieben niederlĂ€ndische Cloud-Anbieter ihre KapazitĂ€ten, um gemeinsam öffentliche AuftrĂ€ge zu bedienen.

Regionale Entwicklungen im deutschsprachigen Raum

Auch in Deutschland treiben öffentliche Verwaltungen die Umstellung auf Open-Source-Software voran. In der schleswig-holsteinischen Staatskanzlei in Kiel arbeiten seit dem 19. September 2026 mehr als 200 BeschÀftigte weitgehend mit Linux-basierten Systemen.

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Lediglich 20 ArbeitsplĂ€tze verbleiben aufgrund spezieller Fachverfahren vorerst bei Windows. Die Landesstrategie sieht jĂ€hrliche Einsparungen bei Microsoft-LizenzgebĂŒhren in Höhe von 15 Millionen Euro vor, nachdem einmalige Migrationskosten von 9 Millionen Euro veranschlagt wurden.

In Sachsen wurde Ende April 2026 eine Modernisierungsagenda beschlossen, die vorsieht, die Office-Lösung openDesk bis Juni 2027 in ersten Pilotbehörden bereitzustellen. FĂŒr die Digitalisierung der Verwaltung sind im sĂ€chsischen Doppelhaushalt 2025/2026 insgesamt 925,6 Millionen Euro vorgesehen.

In Nordrhein-Westfalen wurde zudem am 25. September 2026 ĂŒber die Eröffnung eines neuen Rechenzentrums der Finanzverwaltung in Kaarst berichtet, das ĂŒber 30.000 BeschĂ€ftigte unterstĂŒtzt und unter anderem einen KI-Assistenten in einer geschĂŒtzten Umgebung betreibt.

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