Deindustrialisierung: Deutschland verliert 15.000 Jobs monatlich
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 22:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Akzeptanz der Klimaziele für das Jahr 2050 ist unter Thüringer Unternehmen massiv gesunken. Laut einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) unterstützen derzeit nur noch 38,2 Prozent der Betriebe das Ziel der Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts. Im Vorjahr hatte die Zustimmung noch bei 87 Prozent gelegen. Als Hauptgründe für diesen deutlichen Rückgang nennen die Befragten die hohen Energiepreise, eine mangelnde Verlässlichkeit der politischen Rahmenbedingungen sowie die zunehmende Bürokratie.
Wettbewerbsnachteile und Investitionsstopps in Thüringen
Die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Energie- und Klimapolitik spiegeln sich deutlich in der Umfrage wider. Rund 50 Prozent der Thüringer Unternehmen erwarten durch die hohen Energiepreise unmittelbare Wettbewerbsnachteile. Im Jahr 2025 lag dieser Wert noch bei 39 Prozent. Infolgedessen reagieren viele Betriebe mit Zurückhaltung: Jedes dritte Unternehmen plant derzeit, geplante Investitionen zurückzustellen. IHK-Präsident Peter Zaiß forderte angesichts dieser Entwicklungen eine Aussetzung der CO2-Bepreisung, um den finanziellen Druck auf die Wirtschaft zu mindern.
Chemische Industrie im Osten unter erheblichem Druck
Ein ähnliches Bild zeigt sich in der ostdeutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie. Einer Umfrage des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) zufolge beabsichtigt jedes zweite Unternehmen in diesem Sektor, seine Investitionen in Deutschland im Zeitraum 2026/27 zurückzufahren. Jedes dritte Unternehmen erwäge zudem, Standorte ins Ausland zu verlagern.
Die Belastungsfaktoren sind dabei vielfältig: 90 Prozent der befragten Chemieunternehmen sehen die hohen Kosten als maßgebliches Hemmnis für ihre Geschäftstätigkeit. Drei Viertel der Betriebe kritisieren die aktuelle Energie- und Klimapolitik, während 85 Prozent die Bürokratie als schwere Belastung empfinden. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits messbar. In der ersten Jahreshälfte 2026 sank die Produktion in der ostdeutschen Chemie- und Pharmaindustrie im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent. Die Investitionen sind in diesem Sektor bereits das dritte Jahr in Folge rückläufig.
Angesichts sinkender Investitionen und steigender Kosten ist die korrekte steuerliche Behandlung von Betriebsmitteln wichtiger denn je. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die Umsatzsteuererklärung für Photovoltaik-Anlagen und andere Betriebsthemen rechtssicher erstellen. Experten-Ratgeber zur Umsatzsteuer jetzt kostenlos herunterladen
Industrieller Strukturwandel und Arbeitsplatzverlust
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor einer schleichenden Deindustrialisierung. Den Angaben zufolge verliert die deutsche Industrie monatlich etwa 15.000 Arbeitsplätze. Der Anteil der Industriebeschäftigten am Gesamtarbeitsmarkt ist seit 2014 von 22 Prozent auf zuletzt 19 Prozent gesunken. BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner betonte jedoch, dass dieser Prozess durch Innovationen gestoppt werden könne.
Kritik an den regulatorischen Rahmenbedingungen kommt auch vonseiten großer Industriekonzerne. Der Vorstandsvorsitzende von BASF bemängelte die hohen CO2-Kosten, die durch die Klimavorgaben der Europäischen Union entstünden, erklärte jedoch zugleich, die Regulierung grundsätzlich zu akzeptieren.
Kritik an gesetzlichen Neuregelungen im Energiesektor
Zusätzliche Verunsicherung herrscht im Bereich der erneuerbaren Energien. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) warnt, dass die aktuellen Referentenentwürfe für das EEG 2027 und das geplante Netzanschlusspaket künftige Investitionen sowie rund 436.000 Arbeitsplätze gefährden könnten. Insbesondere die geplante Streichung der Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von weniger als 25 Kilowatt könnte die Nachfrage in diesem Segment um zwei Drittel senken. Zudem kritisiert der Verband die geplante Senkung des Ausschreibungsvolumens für Biomasse auf 500 Megawatt; der BEE fordert hier stattdessen 2.500 Megawatt.
Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) äußerte deutliche Kritik, insbesondere an den kurzen Fristen von lediglich drei Werktagen für Stellungnahmen zu den komplexen Gesetzesnovellen. Der BDEW mahnte ein stimmiges Gesamtkonzept sowie eine gemeinsame Datenbasis an. Beim geplanten Smart-Meter-Rollout, der auf 1,5 Millionen Anlagen ausgeweitet werden soll, fehle es bisher an einem schlüssigen Konzept.
Die neuen Klimavorgaben und der CO2-Grenzausgleich stellen Importeure vor komplexe Reporting-Anforderungen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie die CBAM-Berichtspflichten rechtssicher umsetzen und teure Bußgelder vermeiden. Kostenloses CBAM E-Book inkl. Checkliste sichern
Regulatorische Belastungen durch EU-Vorgaben
Auf europäischer Ebene kommen weitere Belastungen auf die Unternehmen zu. Zwar begrenzt die im Februar 2026 in Kraft getretene EU-Omnibus-Richtlinie durch den sogenannten SME Cap die Datenanfragen an kleine und mittlere Unternehmen, doch steigen die Kosten an anderer Stelle. Ab 2027 werden im Rahmen des Grenzausgleichssystems CBAM CO2-Zertifikatspreise von 60 bis 70 Euro pro Tonne erwartet, mit einer Prognose von über 200 Euro bis zum Jahr 2035. Zudem wurde zum 1. Juli 2026 eine neue EU-Zollgebühr von 3 Euro pro Warengruppe für Bestellungen mit einem Wert von unter 150 Euro eingeführt.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
