Dekarbonisierung: EU-CBAM zwingt indische Industrie zur Emissionsreduktion
20.06.2026 - 00:14:45 | boerse-global.de
Die indische Regierung und fĂŒhrende Industriekonzerne verstĂ€rken ihre BemĂŒhungen zur Dekarbonisierung industrieller Wertschöpfungsketten. Der Industriesektor ist fĂŒr fast ein Viertel der indischen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Saubere Lieferketten gelten daher als Voraussetzung fĂŒr die nationale Energiewende.
EU-Regeln setzen Industrie unter Druck
Ein zentraler Treiber ist der CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU (CBAM). Er sieht CO2-Kosten fĂŒr Importe wie Stahl und Aluminium vor. Damit wird Emissionsreduzierung zum Kriterium fĂŒr den Marktzugang. Parallel dazu setzt Indien auf das nationale Carbon Credit Trading Scheme (CCTS). Es definiert Minderungsziele fĂŒr mehr als 740 Industrieanlagen.
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Die internationalen Bewertungen fallen positiv aus. Im Energy Transition Index des Weltwirtschaftsforums (WEF) stieg Indien um zwei PlĂ€tze auf Rang 70. Analysten fĂŒhren dies auf ZuwĂ€chse bei Infrastruktur und Humankapital zurĂŒck. WĂ€hrend das globale Tempo der Energiewende nachlasse, gehöre Indien zu den LĂ€ndern mit den deutlichsten Verbesserungen, so das WEF.
Solarenergie: Heimische Produktion boomen
Ein wesentlicher Pfeiler der Strategie ist der Ausbau heimischer FertigungskapazitÀten. Marktforscher von Crisil Ratings gehen davon aus, dass indische Solarzellenhersteller bis zum GeschÀftsjahr 2026/27 etwa die HÀlfte der nationalen Nachfrage decken können. Die inlÀndische KapazitÀt soll sich auf rund 60 Gigawatt fast verdoppeln.
Ein wichtiger Faktor sind verschĂ€rfte ImportbeschrĂ€nkungen. Die ALMM-Regelungen (Approved List of Models and Manufacturers) sind seit Juni 2026 wirksam und begĂŒnstigen heimische Produzenten.
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Reliance setzt Milliarden-Investitionen
Der Konzern Reliance Industries kĂŒndigte an, durch Investitionen in neue Energien mehr als 200.000 ArbeitsplĂ€tze schaffen zu wollen. Das Unternehmen betreibt bereits eine Solar-Modul-Produktion in Jamnagar. Noch in diesem Grund soll eine Batteriefabrik mit 40 Gigawattstunden KapazitĂ€t in Betrieb gehen. Langfristig ist ein Ausbau auf 120 Gigawattstunden sowie eine Solarproduktion von 20 Gigawatt vorgesehen.
Zudem vereinbarte Reliance ein Abkommen ĂŒber grĂŒnes Ammoniak mit Samsung C&T â im Wert von drei Milliarden US-Dollar.
Deutschland und Indien vertiefen Kooperation
Indien und Deutschland bekrĂ€ftigten ihre Absicht, die Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien, Speichersystemen und grĂŒnem Wasserstoff zu vertiefen. Vertreter beider LĂ€nder betonten die strategische Notwendigkeit, die AbhĂ€ngigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.
Aktuell stammen rund 54 Prozent der installierten KapazitÀt aus nicht-fossilen Quellen. Ziel ist es, bis 2030 eine KapazitÀt von 500 Gigawatt zu erreichen.
Neue Speicher und Recycling-KapazitÀten
Auch bei der Speicherinfrastruktur entstehen neue KapazitĂ€ten. Das Unternehmen NTPC REL schrieb ein Paket fĂŒr Batteriespeichersysteme (BESS) mit 1,09 Gigawatt in Rajasthan aus. Im Bereich Kreislaufwirtschaft bildeten N.A.N. GreenMet und die Silox Group ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau einer Batterierecycling-Anlage in Andhra Pradesh.
Das Werk soll jĂ€hrlich bis zu 40.000 Tonnen Material verarbeiten. Kritische Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel werden zurĂŒckgewonnen. Ein staatliches Förderprogramm fĂŒr das Recycling kritischer Mineralien unterstĂŒtzt das Projekt.
