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Deutschlands Banken fĂŒr schwere Krise gerĂŒstet

07.10.2024 - 14:29:09

Der Anstieg der Zinsen hat die Lage von Deutschlands Banken und Sparkassen nach EinschÀtzung der Aufsicht deutlich verbessert.

"Die meisten Institute sind gut kapitalisiert und können die sehr anspruchsvollen Herausforderungen des diesjÀhrigen Stresstests meistern", sagte der oberste Bankenkontrolleur der Finanzaufsicht Bafin, Raimund Röseler, am Montag in Frankfurt. Allerdings mahnte er auch zur Vorsicht: Die wirtschaftliche Lage sei nach wie vor unsicher, und mehr als 50 Banken kÀmen in einer schweren Krise in Schwierigkeiten.

Die Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Deutsche Bundesbank nahmen in einem Belastungstest 1.200 kleinere und mittlere GeldhĂ€user unter die Lupe, die sie direkt beaufsichtigen. Die Institute mussten in einer Umfrage beantworten, wie ihre PlĂ€ne und Prognosen auf fĂŒnf Zinsszenarien fĂŒr den Zeitraum 2024 bis 2028 reagieren wĂŒrden.

Dabei rechneten die GeldhĂ€user damit, dass ihre harte Kernkapitalquote bis 2028 von 18,2 auf 19,4 Prozent steigt und sie außerdem binnen fĂŒnf Jahren um 45 Prozent rentabler werden. Die Aufsicht sieht vor allem die erwartete RentabilitĂ€tssteigerung kritisch: So basierten die Erwartungen der Banken auf der optimistischen Annahme, dass die Zinsen stabil bleiben oder sogar leicht steigen.

Im Stresstest simulierten die GeldhĂ€user ihre Ertragslage fĂŒr die Jahre 2024 bis 2026 jeweils in einem Basis- und einem Stressszenario. Letzteres umfasste eine "Jahrhundertkrise", in der die Wirtschaftsleistung binnen drei Jahren um 6,3 Prozent zurĂŒckgeht. Zugleich springt die Inflation auf 13,6 Prozent nach oben, und die Zinsen steigen deutlich.

"Das im Stresstest angenommene Szenario war deutlich herausfordernder als bei der vergangenen Übung vor zwei Jahren", schreibt die Bafin. In der Simulation sinke die harte Kernkapitalquote der untersuchten Institute um 3,7 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent. Laut Röseler sackten dabei mehr als 50 GeldhĂ€user unter die von der Aufsicht vorgegebene Kapitalanforderung. Dies seien etwa doppelt so viele wie vor zwei Jahren - vor allem wegen des schĂ€rferen Krisenszenarios.

Gefahren sehen die Aufseher besonders bei Gewerbeimmobilien. So rechneten die meisten Banken und Sparkassen fĂŒr 2024 in diesem Bereich mit einem deutlichen RĂŒckgang der Preise, berichtete das fĂŒr die Bankenaufsicht zustĂ€ndige Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Michael Theurer. Auch in den kommenden Jahren dĂŒrfte es eher abwĂ€rts gehen.

Bei Wohnimmobilien sieht es zwar besser aus. Doch Immobilien mit höherem Energiebedarf und anstehenden Sanierungen dĂŒrften an Wert verlieren, schĂ€tzen die Institute.

Die schwierige Lage der Wirtschaft dĂŒrfte die Banken vorerst weiter begleiten, schĂ€tzt Bundesbank-Vorstand Theurer. Die Bafin rĂ€t Banken und Sparkassen, ihre Kapitalausstattung weiter zu stĂ€rken und ihre "solide Ausgangslage" nicht ohne Not aufzugeben. Die Aufsicht werde die Ausreißer "sehr eng begleiten" und wenn nötig "mit aufsichtlichen Maßnahmen frĂŒhzeitig gegensteuern", sagte Röseler.

Unterdessen dĂŒrften sich die Fusionswelle unter Banken und Sparkassen nach EinschĂ€tzung der Aufsicht fortsetzen. Gut die HĂ€lfte der Institute könne sich binnen fĂŒnf Jahren einen Zusammenschluss mit anderen vorstellen, berichtete Theurer. Hauptgrund sei ein verschĂ€rfter Wettbewerb. Röseler fand die Aussichten "bedenklich", denn die deutsche Bankenlandschaft passe gut zum deutschen Wirtschaftsstandort.

Zu einer möglichen Übernahme der Commerzbank DE000CBK1001 durch die italienische Unicredit IT0005239360 wollten sich Röseler und Theurer nicht Ă€ußern. Die Unicredit war vor wenigen Wochen mit einem Anteil von neun Prozent bei der Commerzbank eingestiegen. Inzwischen hat sie sich ĂŒber Finanzinstrumente eine Aufstockung auf mehr als 21 Prozent gesichert. Diesem Schritt muss die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) als Aufsichtsbehörde noch zustimmen. Sie beaufsichtigt große Institute in der Eurozone direkt.

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