AnlegerschĂŒtzer wollen Varta-Sanierung vor Gericht stoppen
20.12.2024 - 12:09:00Die Anlegergemeinschaft SdK will den Sanierungsplan fĂŒr den Batteriehersteller Varta vor dem Bundesverfassungsgericht stoppen. Grund ist die im Zuge der Restrukturierung vorgesehene Herabsetzung des Grundkapitals auf null, die fĂŒr die freien AktionĂ€re den vollstĂ€ndigen Verlust ihres Geldes bedeuten wĂŒrde. Das kĂŒndigt die SdK bei der PrĂ€sentation der Neuaufgabe des alljĂ€hrlichen «Schwarzbuchs Börse» an. Varta-Vorstandschef Michael Ostermann verteidigte das Restrukturierungsverfahren.
Vorwurf: Restrukturierungsgesetz fĂŒhrt zu Enteignung der AktionĂ€re
Die Varta-Sanierung lĂ€uft im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes StaRUG, welches Krisenunternehmen Insolvenzverfahren ersparen soll. Hauptkritikpunkt der SdK ist, dass das StaRUG es Aktiengesellschaften möglich macht, ihr Kapital zwischenzeitlich auf null zu setzen, bevor sie es wieder erhöhen. Die freien AktionĂ€re gehen dann leer aus. «Damit hat der Gesetzgeber faktisch eine Enteignung der AktionĂ€re ohne EntschĂ€digung etabliert», wirft die SdK dem Bund im neuen «Schwarzbuch» vor.Â
Die Anlegergemeinschaft hatte bereits einmal Verfassungsbeschwerde eingelegt, die Karlsruhe jedoch nicht annahm. Nachdem mittlerweile der Restrukturierungsplan vom Amtsgericht Stuttgart bestÀtigt wurde, plant die SdK eine erweiterte Verfassungsbeschwerde, wie Vorstandsmitglied Markus Kienle sagte.
Varta-Vorstandschef: Ohne Restrukturierung wÀre das Unternehmen gefÀhrdet
Ostermann sagte zur Kritik der SdK: «Welche Chancen die Rechtsbeschwerden vor Gericht haben, möchte ich nicht einschĂ€tzen. Wir verstehen die EnttĂ€uschung der KleinaktionĂ€re», sagte der Manager. «Doch das StaRUG-Verfahren ist fĂŒr Varta alternativlos. Es geht um 4.000 ArbeitsplĂ€tze und um die Zukunft der Varta.» Ohne das StaRUG wĂŒrde ein massiver Schaden entstehen, von dem nicht nur die KleinaktionĂ€re betroffen wĂ€ren, «sondern das gesamte Unternehmen, seine ZukunftsfĂ€higkeit und damit natĂŒrlich auch alle Mitarbeiter».
Zweite Beschwerde geht an das Amtsgericht Stuttgart
Das Gesetz biete «hohes Missbrauchspotenzial», kritisierte Kienle. «FĂŒr die freien AktionĂ€re ist die DurchfĂŒhrung des Verfahrens in der Regel mit einem Totalverlust verbunden.» Die SdK will auf zwei gerichtlichen Ebenen gegen den Varta-Restrukturierungsplan vorgehen: Neben der erweiterten Verfassungsbeschwerde will die SdK beim Amtsgericht Stuttgart sofortige Beschwerde gegen die gerichtliche BestĂ€tigung des Restrukturierungsplans einlegen.Â
Der Varta-Plan: Schuldenschnitt und Herabsetzung des Grundkapitals
Die zwei Hauptbestandteile des Varta-Sanierungskonzepts sind ein Schuldenschnitt und die Herabsetzung des Grundkapitals auf null. Varta wĂŒrde von der Börse genommen und die AktionĂ€re ohne EntschĂ€digung ausscheiden. «Wer die Planungshoheit hat, bestimmt auch das Ergebnis», sagte Kienle.
Varta will im Anschluss wieder Aktien ausgeben - allerdings nur an eine Gesellschaft des bisherigen Mehrheitseigners Michael Tojner und den Sportwagenbauer Porsche. Beide lassen sich das jeweils 30 Millionen Euro kosten. Ein Àhnliches Verfahren gab es zuvor schon bei der Sanierung des Autozulieferers Leoni, bei dessen Sanierung die freien AktionÀre ebenfalls leer ausgegangen waren.


