Kunden kaufen weniger Werkzeug und GartengerÀte im Baumarkt
03.03.2026 - 11:01:05 | dpa.deDie BaumĂ€rkte haben ein Problem: Die Menschen in Deutschland kaufen zwar weiter Werkzeug, GartengerĂ€te und Haushaltswaren â nur immer seltener bei ihnen. In den drei wichtigen Teilsortimenten gingen die UmsĂ€tze 2025 im Vergleich zum Vorjahr um jeweils etwa vier Prozent zurĂŒck, wie eine Auswertung des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) zeigt. In fast allen Warengruppen schrumpften die Erlöse der BaumĂ€rkte im vergangenen Jahr.
Viele Verbraucher weichen bei Produkten fĂŒr Haus und Garten zunehmend auf preisgĂŒnstige Alternativen aus. Sie kaufen bei Ketten wie Action, Thomas Philips und Jysk, auf dem Online-Marktplatz Temu oder bei Aldi und Lidl. Bei den Lebensmitteldiscountern können Kunden beim Wocheneinkauf gleichzeitig Werkzeug, BlumenkĂŒbel, GartenstĂŒhle oder Solarleuchten mitnehmen und sich den Weg zum Baumarkt sparen.
«Die Kunden interessieren sich nach wie vor fĂŒr die Sortimente, kaufen aber immer öfter woanders ein. Viele wollen im Baumarkt kein Geld ausgeben oder können es sich nicht leisten», sagt Branchenexperte Klaus Peter Teipel. Die Discounter seien nicht nur oft gĂŒnstiger, sondern auch nĂ€her. FĂŒr Gelegenheitsnutzer reiche die QualitĂ€t meist aus. Noch mehr Auswahl gibt es Teipel zufolge bei Anbietern wie Repo, Posten-Börse oder Jawoll. Dort fĂ€nden Kunden einen GroĂteil des ĂŒblichen Baumarktangebots zum Discountpreis.
«Budgets flossen verstÀrkt in Urlaub, Freizeit und Gastronomie»
FĂŒr die Baumarktbranche war 2025 ein schwieriges Jahr. Der erhoffte Aufschwung blieb erneut aus. Die BaumĂ€rkte und Gartencenter mit mindestens 1.000 Quadratmetern setzten 20,58 Milliarden Euro um und damit preisbereinigt 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Es ist bereits das dritte Minus in Folge.
Grund sei die Verunsicherung der Verbraucher, sagt BHB-Vorstandssprecher Peter Abraham. «Die Budgets der Kundinnen und Kunden flossen verstĂ€rkt in Bereiche wie Urlaub, FreizeitaktivitĂ€ten und Gastronomie.» Anschaffungen fĂŒrs Eigenheim werden hingegen hĂ€ufig verschoben. Laut Verband ging die Kundenfrequenz zuletzt etwas zurĂŒck, höherpreisige Produkte fanden weniger Abnehmer.Â
Die BaumĂ€rkte hatten wĂ€hrend der Pandemie - wie die Möbelbranche - starke ZuwĂ€chse verzeichnet. «WĂ€hrend der Corona-Jahre investierten viele Haushalte in gröĂere Projekte rund um Haus und Garten, da Reisen lange nicht möglich waren», sagt YouGov-Marktforscher Christian Koch. AnschlieĂend konnten die BaumĂ€rkte nicht an die hohen UmsĂ€tze der Jahre 2020 und 2022 anknĂŒpfen.Â
Trendwende beim Bau?
FĂŒr das laufende Jahr ist der Branchenverband dennoch vorsichtig optimistisch. Aktuell hellt sich die Stimmung ĂŒberraschend deutlich auf, heiĂt es. Mut macht die Entwicklung in den vergangenen Monaten. Nach einem Sommer mit teils langen Regenphasen und schwachen UmsĂ€tzen im Herbst zog das GeschĂ€ft im Dezember spĂŒrbar an. Die Erlöse lagen fast fĂŒnf Prozent ĂŒber dem Vorjahresmonat.Â
Auch die Baumarktkette Obi zeigt sich zuversichtlich. Die ersten Wochen des Jahres seien vielversprechend verlaufen, sagt eine Sprecherin. Wegen des Winterwetters verkauften sich vor allem Pellets, Streusalz und Frostschutzmittel gut. Besonders wichtig fĂŒr BaumĂ€rkte ist der FrĂŒhling, wenn viele Menschen ihre GĂ€rten auf Vordermann bringen. Potenzial sieht der BHB besonders bei Kunden, die sich handwerkliche Arbeiten bislang nicht zutrauen. Hier könnten sich die HĂ€ndler mit ihrer Beratung als verlĂ€ssliche Partner positionieren.
Noch etwas stimmt positiv: Die Zahl der Baugenehmigungen ist zuletzt wieder gestiegen. Laut einer Prognose des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW) dĂŒrfte das Bauvolumen in Deutschland 2026 nach fĂŒnf Jahren erstmals wieder preisbereinigt wachsen. Neue Wohneinheiten mĂŒssen bewohnbar gemacht und eingerichtet werden - davon könnten die BaumĂ€rkte spĂŒrbar profitieren. Die Baukrise drĂŒckt seit Jahren aufs GeschĂ€ft von Obi, Bauhaus & Co. und bremst die Nachfrage nach Baumaterialien und Werkzeugen. Baupreise und Zinsen sind aktuell allerdings weiterhin hoch.Â
Weniger groĂer BaumĂ€rkte
Laut Branchenverband gab es in Deutschland zu Jahresbeginn 2.004 BaumĂ€rkte mit mehr als 1.000 Quadratmetern - 26 weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Standorte ist seit lĂ€ngerem rĂŒcklĂ€ufig. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 2.130, 2001 sogar mehr als 2.600. «Die durchschnittliche VerkaufsflĂ€che groĂer BaumĂ€rkte ist seitdem deutlich gestiegen, dafĂŒr gibt es weniger Standorte», erklĂ€rt Experte Teipel. Einige GroĂflĂ€chenkonzepte seien nicht mehr rentabel zu bewirtschaften.
Stattdessen setzen viele Betreiber auf kleinere MÀrkte mit weniger als 1.000 Quadratmetern. In diesem Bereich ist Teipel zufolge sogar eine starke Expansion zu beobachten. «ZÀhlt man die Kleinen hinzu, gibt es heute sogar mehr BaumÀrkte als damals.»
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