Produktion/Absatz, Konjunktur

Bund setzt auf weitere Fortschritte fĂŒr Krankenhausreform

22.11.2023 - 15:48:11

Der Bund setzt auf weitere Fortschritte mit den LĂ€ndern auf dem Weg zu einer geplanten Krankenhausreform.

Dazu vorgebrachte Kritikpunkte seien lösbar, hieß es am Mittwoch aus Kreisen des Gesundheitsministeriums in Berlin vor erneuten Beratungen der Ressortchefs von Bund und LĂ€ndern an diesem Donnerstag. Man bewege sich nun auf die Zielgerade zu, um aus einem Arbeitsentwurf einen Referentenentwurf fĂŒr das vorgesehene Gesetz zu machen. Bayern dĂ€mpfte indes Hoffnungen auf eine zĂŒgige Einigung. Ein ĂŒberarbeiteter Entwurf des Bundes sei "reine Kosmetik", sagte Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in MĂŒnchen.

Die ReformplĂ€ne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sehen vor, das VergĂŒtungssystem mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle zu Ă€ndern, um Kliniken vom Druck hin zu immer mehr FĂ€llen zu lösen. Daher sollen sie kĂŒnftig 60 Prozent der VergĂŒtung allein schon fĂŒr das Vorhalten von Leistungsangeboten bekommen. Grundlage der Finanzierung durch die Krankenkassen sollen genauer definierte Leistungsgruppen der Kliniken sein. Sie sollen einheitliche QualitĂ€tsvorgaben etwa bei Ausstattung, bei Personal und Behandlungserfahrungen absichern.

Das angepeilte Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar 2024 verzögert sich. "Wir werden die Reform hoffentlich bis Ostern beschließen", sagte Lauterbach der "Tageszeitung" ("taz"/Donnerstag). Es werde aber weiter so sein, dass die LĂ€nder 2025 und 2026 die Leistungsgruppen zuweisen, die Reform 2027/2028 Geld transportiere und 2029 komplett umgesetzt sein werde. Im Sommer hatten sich Bund und LĂ€nder mehrheitlich auf GrundzĂŒge fĂŒr eine Neuaufstellung der Kliniken verstĂ€ndigt. Seit mehreren Wochen laufen inzwischen gemeinsame Vorarbeiten fĂŒr einen Gesetzentwurf.

Die Reform werde prinzipiell von allen gewĂŒnscht, hieß es in Berliner Ministeriumskreisen weiter. Sie nehme ökonomischen Druck aus dem System und bringe KrankenhĂ€usern quasi eine Existenzgarantie fĂŒr zugewiesene Leistungsbereiche. Die bayerische Ministerin Gerlach mahnte: "Durch die Krankenhausreform darf die stationĂ€re Versorgung in der FlĂ€che nicht gefĂ€hrdet werden." Nötig seien nach wie vor deutliche Korrekturen an den ReformplĂ€nen. Eingriffen in die Krankenhausplanungskompetenz der LĂ€nder werde man sich weiterhin entgegenstemmen. Die Reform könne zudem nur gelingen, wenn der Bund die strukturellen Finanzdefizite der Kliniken angehe.

Lauterbach warnte die LĂ€nder, ein in Zusammenhang mit der Reform stehendes Gesetz fĂŒr einen Online-Atlas zur BehandlungsqualitĂ€t der Kliniken in Deutschland auszubremsen. "Mit dem Transparenzgesetz bringen wir kurzfristig erhebliche Mittel in die Kliniken", sagte er der "taz". Neben Energiehilfen gehe es um zusĂ€tzlich sechs Milliarden Euro fĂŒr eine bessere Bezahlung der Pflege in Kliniken.

Das vom Bundestag schon beschlossene Gesetz kommt an diesem Freitag abschließend in den Bundesrat. Der Gesundheitsausschuss der LĂ€nderkammer empfiehlt, es in den gemeinsamen Vermittlungsausschuss mit dem Bundestag zu schicken. Lauterbach warnte, dass dann der Bundestag noch einmal ĂŒber das Gesetz abstimmen mĂŒsste. "Angesichts der Haushaltslage rechne ich nicht automatisch mit Zustimmung."

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