Abgeordneter ruft Verfassungsgericht wegen Klimaschutz-Reform an
24.04.2024 - 16:47:01 | dpa.deHeilmann beantragte am Mittwoch in Karlsruhe eine einstweilige Anordnung zum Stopp des Gesetzes. Er begrĂŒndet den Schritt Ă€hnlich wie bei seinem erfolgreichen Verfahren gegen das Heizungsgesetz mit einer "extrem verkĂŒrzte Beratungszeit" und zudem mit einer befĂŒrchteten SchwĂ€chung des Klimaschutzes.
"Die Ampel weicht Klimaschutzziele nicht nur unzulĂ€ssig auf, sondern fĂŒhrt ein Verfahren, das bei keinem Kleingartenverein zulĂ€ssig wĂ€re", sagte Heilmann der Deutschen Presse-Agentur. "Die Fehler sind massiver als beim sogenannten Heizungsgesetz. Das Klimaschutzgesetz ist das HerzstĂŒck der deutschen Klimagesetzgebung. Umso mehr mĂŒssen wir uns darum kĂŒmmern, dass es auch verfassungskonform ist."
Heilmann will die fĂŒr diesen Freitag geplante Verabschiedung der Reform des Klimaschutzgesetzes im Bundestag verhindern. Heilmann hat eine Entscheidung bis um 9.00 Uhr am Freitag beantragt. In der Hauptsache möchte Heilmann feststellen lassen, dass sein Recht als Abgeordneter "auf Beratung sowie auf gleichberechtigte Teilhabe als Abgeordneter an der parlamentarischen Willensbildung" verletzt worden sei. Er schlĂ€gt vor, dies mit dem Verfahren zum Heizungsgesetz zu verbinden.
Die geplante Reform
Die Reform des Klimaschutzgesetzes sieht grundlegende Ănderungen vor. Bisher gilt: Wenn einzelne Sektoren wie der Verkehrs- oder GebĂ€udebereich gesetzliche Vorgaben zum CO2-AusstoĂ verfehlen, mĂŒssen die zustĂ€ndigen Ministerien im nachfolgenden Jahr Sofortprogramme vorlegen. Mit der Reform soll die Einhaltung der Klimaziele nun nicht mehr rĂŒckwirkend nach Sektoren kontrolliert werden, sondern in die Zukunft gerichtet, mehrjĂ€hrig und sektorĂŒbergreifend. Wenn sich in zwei aufeinander folgenden Jahren abzeichnet, dass die Bundesregierung bei ihrem Klimaziel fĂŒr das Jahr 2030 nicht auf Kurs ist, muss sie nachsteuern.
Bis 2030 muss Deutschland laut Gesetz seinen Treibhausgas-AusstoĂ um mindestens 65 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Bis 2040 sollen die Treibhausgase um 88 Prozent sinken und bis 2045 soll TreibhausgasneutralitĂ€t erreicht werden - dann dĂŒrften also nicht mehr Treibhausgase ausgestoĂen werden als auch wieder gebunden werden können.
Die Kritik am Gesetz
Aus Heilmanns Sicht sind weitreichende Ănderungen geplant, weshalb die Abgeordneten Zeit zur PrĂŒfung brĂ€uchten. UmweltverbĂ€nde hatten die Reform als VerwĂ€sserung der geltenden Regeln kritisiert. Auch Heilmann befĂŒrchtet in seinem Antrag "eine AbschwĂ€chung der Klimaziele fĂŒr das laufende Jahrzehnt und eine Verschiebung von CO2-Reduzierungslasten gerade im Verkehr und von GebĂ€uden in das Folgejahrzehnt". Die Bundesregierung mĂŒsse mit der Reform zwar stĂ€ndig Berichte vorlegen, aber erst sehr spĂ€t konkrete PlĂ€ne, falls mehr Anstrengungen beim Klimaschutz nötig wĂŒrden. "Es geht um massive Grundrechtsfragen", betonte Heilmann. "Was verschlampen wir heute, was morgen gemacht werden muss?" Er sehe eine groĂe Gefahr, dass sowohl der EuropĂ€ische Menschenrechtsgerichtshof wie auch das Bundesverfassungsgericht das Gesetz fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€ren könnten.
Ampel-Fraktionen weisen Bedenken zurĂŒck
Die Erste Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der SPD-Fraktion, Katja Mast, erklĂ€rte: "Der Ănderungsantrag, der am Freitagmittag verschickt wurde, hat im wesentlichen drei Ănderungen auf 3,5 Seiten. Diese verĂ€ndern die Systematik des Gesetzes nicht."
Die Erste Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der GrĂŒnen, Irene Mihalic, betonte, alle ĂŒblichen Fristen der Bundestags-GeschĂ€ftsordnung seien eingehalten worden. Es sei nicht zu beanstanden, dass es nach einer Anhörung noch eine Ănderung gegeben habe, auĂerdem seien die Ănderungen nicht besonders umfangreich. "Die Abgeordneten des Bundestages hatten und haben die Gelegenheit, den Gesetzentwurf und den Ănderungsantrag eingehend zu lesen und sich vor der abschlieĂenden Beratung eine Meinung dazu zu bilden."
FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler Ă€uĂerte sich Ă€hnlich. "Die Koalition hat die Reform des Klimaschutzgesetzes durch die regulĂ€ren parlamentarischen Prozesse gefĂŒhrt, ohne Sondersitzungen oder unnötige Eile", erklĂ€rte er. "Dass Heilmann das planwirtschaftliche Klimaschutzgesetz auch in der Sache nicht verĂ€ndern will, zeigt wieder mal, dass die CDU ihren marktwirtschaftlichen Kompass verloren hat."
Das Kabinett hatte die Reform bereits im Juni vergangenen Jahres beschossen. Die Ampel-Fraktionen SPD, GrĂŒne und FDP einigten sich nach langem Ringen am 14. April auf die Details der Reform verstĂ€ndigt und gaben dies einen Tag spĂ€ter bekannt. Die ĂnderungsantrĂ€ge lagen laut Heilmanns Antrag ab dem Mittag des 19. April vor, allerdings nur in vorlĂ€ufiger Fassung.
Blaupause ist das Verfahren gegen das Heizungsgesetz
Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Sommer die Verabschiedung des Heizungsgesetzes (GebĂ€udeenergiegesetz) gestoppt, bei dem Heilmann ebenfalls den engen Zeitplan bemĂ€ngelt hatte. Das Gesetz wurde dann im September vom Bundestag verabschiedet. "Die Verfahrensfehler halte ich fĂŒr noch gravierender als sie beim Heizungsgesetz waren", erklĂ€rte Heilmann nun. Zwar sei der Gesetzestext viel weniger umfangreich, die KomplexitĂ€t der Fragen, die sich aus der Reform fĂŒr den Klimaschutz ergebe, sei aber deutlich höher.
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