Zukunft, Evonik-ServicegeschÀft

Zukunft von Evonik-ServicegeschÀft weiter offen

13.12.2024 - 15:34:46

Der Chemiekonzern Evonik stellt sich neu auf. Alles soll schlanker und klarer werden. Wie es mit dem Service-GeschÀft mit 3.600 BeschÀftigten in Marl und Wesseling weitergeht, ist aber noch unklar.

Der Chemiekonzern Evonik hat weitere Einzelheiten zu der vor einem Jahr angekĂŒndigten Aufteilung der Sparte «Technology & Infrastructure» bekannt gegeben. Demnach werden bei der Aufspaltung der Sparte den Infrastruktur-AktivitĂ€ten an den Standorten Marl und Wesseling 3.600 BeschĂ€ftigte zugeordnet. Dazu zĂ€hlt Evonik unter anderem Dienstleistungen wie Logistik, technischen Service, WerkstĂ€tten und Werkschutz.

Was mit diesem ServicegeschĂ€ft geschieht, ist nach Angaben eines Sprechers noch offen. Es wĂŒrden weiterhin alle Optionen geprĂŒft. Im September 2023 hatte Evonik als Möglichkeiten einen vollstĂ€ndigen Verbleib im Konzern ĂŒber Partnerschafts- und Joint-Venture-Modelle bis hin zur Abgabe genannt. «In Zukunft könnte ein Teilverkauf oder ein Verkauf der ganzen Einheit möglich sein», sagte der Sprecher. Die Technologie-Einheit soll im Konzern bleiben.

Evonik beschÀftigt aktuell rund 32.000 Menschen. Durch eine Straffung der Verwaltung will der Konzern bis Ende 2026 rund 2.000 Stellen einsparen. Schon lÀnger geplant ist auch der Verkauf des PolyestergeschÀfts mit 400 Stellen und der sogenannten C4-Chemie mit rund 1.000 Stellen. In diesem Bereich stellt Evonik unter anderem Antiklopfmittel oder Weichmacher her. Die UmbauplÀne summieren sich auf 7.000 Stellen, die direkt betroffen sein könnten.

Keine betriebsbedingten KĂŒndigungen bis 2032

Evonik will weiterhin bis 2032 keine betriebsbedingten KĂŒndigungen aussprechen. Ein Sprecher betonte, dass es bei VerkĂ€ufen von Unternehmensteilen eine Grundbedingung sei, dass Arbeitnehmerrechte bei potenziellen KĂ€ufern den gleichen Stellenwert genießen wie bei Evonik.

Die Chemie-Gewerkschaft IGBCE forderte, dass der Evonik-Umbau sozialvertrĂ€glich organisiert wird. Die Transformation von Evonik dĂŒrfe nicht nur Abbau und Ausgliederung, sondern mĂŒsse auch Investition und Modernisierung bedeuten, erklĂ€rte IGBCE-Vorstand Alexander Bercht laut einer Mitteilung. 

Er betonte, dass zu einer möglichen Ausgliederung des InfrastrukturgeschĂ€fts in Marl und Wesseling noch keinerlei Entscheidungen gefallen seien. «Wir bestehen darauf, alle Szenarien ergebnisoffen zu prĂŒfen. Klar ist, dass den 3.600 BeschĂ€ftigten des Bereichs in keinem Szenario Nachteile bei Entgelt, Mitbestimmung oder Tarifbindung entstehen dĂŒrfen.»

Evonik will schlanker und profitabler werden

Evonik will die Konzernstruktur in den kommenden Jahren grundlegend umbauen. Am Freitag teilte das Management mit, dass die bisherigen GeschÀftsbereiche ab April 2025 in den zwei neuen Sparten «Custom Solutions» und «Advanced Technologies» aufgehen werden.

Durch den Schritt fĂ€llt eine komplette FĂŒhrungsebene im Konzern weg. Die Essener hatten den Organisationsumbau schon angekĂŒndigt. Das Unternehmen soll dadurch insgesamt schneller, schlanker und profitabler werden.

Die GeschĂ€fte in der neuen Sparte «Custom Solutions» (etwa: Kundenlösungen) sieht Evonik eher in NischenmĂ€rkten mit spezifischen Produkten fĂŒr die Kunden. Dazu zĂ€hlen etwa ZusĂ€tze fĂŒr Lacke und Beschichtungen sowie Produkte fĂŒr die Kosmetik- und Pharmaindustrie. 

Die Sparte «Advanced Technologies» (etwa: fortgeschrittene Technologien) soll sich im Wettbewerb vor allem durch niedrige Kosten behaupten. Hergestellt werden in diesem Segment etwa Hochleistungskunststoffe und die Chemikalie Wasserstoffperoxid. Beide Sparten erzielen jeweils einen Jahresumsatz von rund sechs Milliarden Euro.

GrĂ¶ĂŸter Anteilseigner des Chemiekonzerns ist mit 47 Prozent die RAG-Stiftung. Sie ist zustĂ€ndig fĂŒr die Finanzierung der Folgekosten aus dem 2018 eingestellten deutschen Steinkohlenbergbau, den «Ewigkeitsaufgaben».

@ dpa.de