Trump trifft historische Personalentscheidung
08.11.2024 - 16:33:33 | dpa.deKeine zwei Tage nach seinem Wahlsieg ernannte der Republikaner seine bisherige Wahlkampfmanagerin Susan Wiles zur Stabschefin im WeiĂen Haus. Wiles ist die erste Frau, die dieses wichtige Amt bekleidet.
Es wird erwartet, dass Trump in den kommenden Tagen weitere Personalentscheidungen verkĂŒndet. Unterdessen herrscht in der US-Hauptstadt Washington eine auffĂ€llige Ruhe: US-PrĂ€sident Joe Biden verbringt das Wochenende in seinem Haus in Rehoboth Beach in seinem Heimatbundesstaat Delaware.
Wer ist Susan Wiles?
Als Stabschefin wird Wiles eine zentrale Stelle in Trumps Regierung ĂŒbernehmen; sie organisiert dann den Regierungsalltag des PrĂ€sidenten. "Politico" schrieb im FrĂŒhjahr ein PortrĂ€t ĂŒber Wiles mit dem Titel: "Die am meisten gefĂŒrchtete und am wenigsten bekannte politische Akteurin in Amerika". Darin heiĂt es, dass die 67-JĂ€hrige nicht nur eine hochrangige Beraterin Trumps sei - sie sei seine "wichtigste Beraterin".
Wiles ist seit Jahrzehnten politisch aktiv und hat fĂŒr verschiedene republikanische Politiker gearbeitet. Sie stammt aus dem US-Bundesstaat New Jersey, ihr Vater ist der in den USA bekannte Sportmoderator Pat Summerall.
Wiles zog es spĂ€ter in den SĂŒden nach Florida. Bereits 2016 unterstĂŒtzte sie Trumps Wahlkampf von dort aus. Die politische Strategin gilt als ausgesprochen loyal und diskret. Trump nannte sie "hart, klug und innovativ und von allen bewundert und respektiert". Als Trump seine Siegesrede in West Palm Beach hielt, bedankte er sich auch ausdrĂŒcklich bei Wiles. Die eher aus dem Hintergrund agierende Wiles lehnte es aber ab, eine Rede zu halten. Sie gilt als diskrete Strippenzieherin, die nicht die groĂe BĂŒhne sucht.
Sie half dem einstigen Trump-VerbĂŒndeten Ron DeSantis auf seinem Weg zum Gouverneur von Florida. SpĂ€ter soll es zwischen den beiden allerdings zum Bruch gekommen sein.
Wiles hat zwei Töchter und lebt getrennt. Eine ihrer Töchter hat US-Medienberichten zufolge 2017 kurze Zeit fĂŒr Trump im WeiĂen Haus gearbeitet. Sie musste ihren Posten dann aber wieder verlassen, weil sie die SicherheitsĂŒberprĂŒfung nicht bestanden hatte. Wiles wird ihr Amt mit der MachtĂŒbergabe an Trump am 20. Januar ĂŒbernehmen.
Druck auf Richterin Sotomayor
Unterdessen stellt man sich im politischen Washington die Frage, was US-PrÀsident Biden in den verbleibenden Wochen im Amt noch erreichen kann. Dabei richten sich die Augen auf den Supreme Court. Trump hatte das Oberste Gericht des Landes wÀhrend seiner Amtszeit weit nach rechts verschoben - nur noch drei der neun Richter gelten als liberal.
Trump hatte wÀhrend seiner Amtszeit wegen zweier TodesfÀlle und eines Abgangs die Möglichkeit, drei Richterposten neu zu besetzen. Die Richterinnen und Richter werden auf Lebenszeit ernannt. Biden hat einen Richterposten neu besetzt - damit die Mehrheiten aber nicht verschoben, weil ein liberaler Richter in Rente gegangen ist.
Nun stellt sich die Frage, ob Biden in den verbleibenden Wochen noch einen weiteren Richterposten besetzen könnte. Unter Druck gerĂ€t dabei die liberale Richterin Sonia Sotomayor (70) wegen ihres Alters. Zwar könnte Biden auch mit ihrem RĂŒckzug nicht die Mehrheiten verschieben - aber sicherstellen, dass eine jĂŒngere Person ihren PostenĂŒbernimmt.
Den Demokraten steckt immer noch der Tod der Richterinnen-Ikone Ruth Bader Ginsburg in den Knochen. Sie weigerte sich, in Rente zu gehen, und starb schlieĂlich 2020 nur wenige Monate, bevor Trump das WeiĂe Haus verlieĂ. Trump und seine Republikaner besetzten den Richterposten neu - mit der erzkonservativen Amy Coney Barrett.
"Politico" berichtete, unter Berufung auf einen Senator, dass das Thema Sotomayor in GesprÀchen mit seinen Kollegen wiederholt zur Sprache gekommen sei. Der Senat muss die Richter-Personalien bestÀtigen - aktuell haben dort noch die Demokraten die Mehrheit, ab Januar dann die Republikaner.
Theoretisch wĂ€re es also möglich, dass Biden noch einen Richterposten neu besetzen könnte, sollte Sotomayor in Rente gehen. Dazu kann sie allerdings niemand zwingen. Und selbst wenn sie ihren Posten aufgeben sollte: Ganz einfach wĂ€re eine zĂŒgige Neubesetzung in der Tat nicht - es bedĂŒrfte wohl viel strategisches Geschick des demokratischen MehrheitsfĂŒhrers Chuck Schumer.
Biden und Harris bleiben Hintergrund
Biden hat sich bisher nicht dazu geĂ€uĂert, wie er die kommenden Wochen politisch nutzen will. Seit Trumps Sieg in der US-Nacht zu Mittwoch hatte der US-PrĂ€sident einen öffentlichen Auftritt. Der Demokrat hielt am Donnerstag eine Rede im Rosengarten und versprach eine friedliche MachtĂŒbergabe. Auf der Veranstaltung, zu der Bidens Kabinett geladen war, herrschte eine niedergeschlagene Stimmung. Das Wochenende verbringt der 81-JĂ€hrige wie so hĂ€ufig auĂerhalb der Hauptstadt in Delaware. Ăffentliche Termine hat er bisher nicht angekĂŒndigt.
Auch US-Vize Kamala Harris, die bei der PrÀsidentschaftswahl Trump unterlag, hat am Freitag keine öffentlichen Auftritte geplant. Sie ist nach ihrer Niederlage ebenfalls bisher nur einmal öffentlich aufgetreten.
Der Fahrplan
Unklar sind nach der Wahl weiterhin die MehrheitsverhĂ€ltnisse im ReprĂ€sentantenhaus. Davon wird abhĂ€ngen, ob Trump ungehindert durchregieren kann. In der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, haben die Republikaner die Mehrheit sicher. Die Ergebnisse der PrĂ€sidentschaftswahl mĂŒssen in den Bundesstaaten auĂerdem noch bis zur letzten Stimme ausgezĂ€hlt und zertifiziert werden. Bis zum 11. Dezember muss das offizielle Ergebnis feststehen. Am 17. Dezember versammeln sich die Wahlleute in den Bundesstaaten zur Abstimmung. Am 3. Januar tagt der neu gewĂ€hlte Kongress zum ersten Mal.
Am 6. Januar kommen dann ReprĂ€sentantenhaus und Senat gemeinsam zusammen, um das Wahlergebnis formal zu bestĂ€tigen. Den Vorsitz in dieser Sitzung hat die amtierende VizeprĂ€sidentin, also Harris. Nach der Wahl 2020 hatten Trump-AnhĂ€nger zu diesem Anlass das Kapitol gestĂŒrmt. Am 20. Januar wird Trump dann in einer feierlichen Zeremonie am Kapitol vereidigt. Die neue Regierung nimmt im Anschluss sofort ihre Arbeit auf.
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