DGB-Chefin, Tarifflucht

DGB-Chefin warnt Unternehmen vor zunehmender Tarifflucht

17.08.2024 - 10:48:12 | dpa.de

Der DGB fordert mehr Tariftreue von den Betrieben in Rheinland-Pfalz.

"Die Tarifbindung sinkt seit Jahren, auch weil sich Arbeitgeber aus der Verantwortung stehlen", sagte die Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Susanne Wingertszahn, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.

"Heute arbeitet nur noch rund die HĂ€lfte aller BeschĂ€ftigten in Rheinland-Pfalz unter dem Schutz eines Tarifvertrags." Anfang der 2000er-Jahre seien es noch ĂŒber 70 Prozent gewesen. "Diese Entwicklung ist dramatisch", mahnte die Gewerkschafterin. Nur noch jeder dritte Betrieb in Rheinland-Pfalz sei tarifgebunden. Im Jahr 2000 seien es noch mehr als die HĂ€lfte gewesen.

"Sozialpartnerschaft ist ein hohes Gut"

Ein Problem seien auch Mitgliedschaften in ArbeitgeberverbĂ€nden ohne Tarifbindung. Es sei der zentrale Sinn und Zweck von ArbeitgeberverbĂ€nden, TarifvertrĂ€ge abzuschließen. "Mit diesen unechten Mitgliedschaften schwĂ€chen ArbeitgeberverbĂ€nde sich selbst und ermöglichen Rosinenpickerei, die am Ende allen schadet", kritisierte Wingertszahn. "Sozialpartnerschaft ist ein hohes Gut. Die VerbĂ€nde der Arbeitgeber sollten das nicht aufs Spiel setzen, indem sie sich selbst zum Lobbyverein degradieren."

Die Politik mĂŒsse mehr tun, um das Tarifsystem zu stabilisieren, forderte die DGB-Vorsitzende. Dazu habe sie auch auf der Landesebene viele Möglichkeiten. "Wir brauchen echte Tariftreue bei öffentlichen AuftrĂ€gen und bei der Vergabe von Fördergeldern", sagte die Gewerkschafterin. "Öffentliche AuftrĂ€ge dĂŒrfen nicht an Firmen gehen, die nur Mindestlohn zahlen und die schlechtesten Arbeitsbedingungen anbieten, weil es so am billigsten ist." Mitgliedschaften ohne Tarifbindung in ArbeitgeberverbĂ€nden sollten abgeschafft werden.

20 Prozent mehr Verdienst mit Tarifvertrag

BeschÀftigte ohne Tarifvertrag hÀtten geringere GehÀlter, erklÀrte die DGB-Chefin. In der gleichen Branche und bei gleicher TÀtigkeit verdienten tarifgebundene BeschÀftigte in Rheinland-Pfalz nach neuesten Auswertungen rund 20 Prozent mehr als nicht-tarifgebundene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Im Durchschnitt seien das fast 700 Euro im Monat.

Durch Tarifflucht und Lohndumping entgingen den Sozialversicherungen in Rheinland-Pfalz jĂ€hrlich rund 2,1 Milliarden Euro, teilte Wingertszahn mit. Die öffentliche Hand nehme aus demselben Grund rund 1,3 Milliarden Euro weniger Einkommensteuer in Rheinland-Pfalz ein. Die mangelnde Tarifbindung wirke sich auch unmittelbar auf die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung aus. Mit einer flĂ€chendeckenden Tarifbindung hĂ€tten die BeschĂ€ftigten im Land rund 2,9 Milliarden Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie. Das wĂ€re ein gewaltiger Schub fĂŒr die Binnennachfrage.

DGB plant Aktionen fĂŒr mehr Tarifbindung

Die Landeschefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes kĂŒndigte an, den Druck fĂŒr mehr Tarifbindung weiter hochzuhalten. Das werde unter anderem mit Aktionen im Rahmen der bundesweiten DGB-Kampagne fĂŒr eine Tarifwende geschehen.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 65629242 |