Union, Steinmeier

Union appelliert an Steinmeier: Cannabis-Gesetz nicht unterzeichnen

23.03.2024 - 14:50:22

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tino Sorge, hat BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier aufgerufen, das Gesetz zur Cannabis-Legalisierung nicht zu unterzeichnen.

"Das Gesetz sollte nach der chaotischen Debatte der letzten Wochen vorerst gestoppt werden. DafĂŒr ist es noch nicht zu spĂ€t", sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). "Wir appellieren an den BundesprĂ€sidenten, das Cannabis-Gesetz nicht zu unterzeichnen. Zu groß ist die einstimmige Kritik sĂ€mtlicher Justiz- und Innenminister der LĂ€nder."

Der Bundesrat hatte das vom Bundestag beschlossene Cannabis-Gesetz am Freitag passieren lassen. Trotz viel Kritik gab es in der LĂ€nderkammer keine Mehrheit dafĂŒr, den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anzurufen und das Gesetz damit auszubremsen. Der Text erlaubt Besitz und Anbau der Droge fĂŒr VolljĂ€hrige mit zahlreichen Vorgaben zum Eigenkonsum.

BundesprĂ€sident prĂŒft Gesetze verfassungsrechtlich

Die Reform, eine ZĂ€sur in der Drogenpolitik, kann, damit am Ostermontag in Kraft treten. Zuvor muss sie aber noch von Steinmeier unterzeichnet und amtlich verkĂŒndet werden. Zu den Aufgaben des BundesprĂ€sidenten gehört es dabei, zu prĂŒfen, ob ein Gesetz nach den Vorschriften des Grundgesetzes zustande gekommen ist. In der Geschichte der Bundesrepublik gab es bislang nach Angaben des BundesprĂ€sidialamts nur acht FĂ€lle, in denen das Staatsoberhaupt es ablehnte, ein Gesetz zu unterschreiben.

Die Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktionen in den deutschen Landtagen, des Deutschen Bundestages und der CDU/CSU-Gruppe in der EVP-Fraktion hatten das Staatsoberhaupt schon Anfang MĂ€rz aufgerufen, seine Unterschrift zu verweigern. Sie begrĂŒndeten dies damit, dass die Legalisierung aus ihrer Sicht gegen das Völker- und Europarecht verstĂ¶ĂŸt. Die Bundesregierung vertritt dagegen die Auffassung, dass das beschlossene Modell zulĂ€ssig ist.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach verteidigte die Teil-Liberalisierung. "Die jetzige Drogenpolitik ist auf jeden Fall bei Cannabis klar gescheitert", sagte der SPD-Politiker am Freitagabend im WDR-Fernsehen. "Wir haben eine Verdopplung des Konsums bei den 18- bis 25-JĂ€hrigen, 50 Prozent mehr bei den 12- bis 17-JĂ€hrigen in den letzten zehn Jahren." Die Regierung will den Schritt mit einer PrĂ€ventionskampagne begleiten und argumentiert, dass durch die Teil-Liberalisierung der Schwarzmarkt zurĂŒckgedrĂ€ngt werden könne.

NRW-Innenminister Reul "fassungslos"

Dieser EinschÀtzung widersprach der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul (CDU). "Glauben Sie denn, dass die, die organisierte KriminalitÀt im Drogenhandel machen, sagen: Okay, jetzt geben wir auf, jetzt machen wir nichts mehr?", sagte der CDU-Politiker in den ARD-"Tagesthemen". "Die werden neue Wege finden. Die werden stÀrkere Dosen anbieten, die werden andere Preise auf dem Markt anbieten."

Reul Ă€ußerte zudem Zweifel an der Kontrollierbarkeit der neuen Regeln, die schon in etwas ĂŒber einer Woche greifen sollen. Er sei "fassungslos". "Ich hab' noch nie erlebt, dass man so in ein Gesetz reinstolpert." Offensichtlich sei in Berlin eine Regierung am Werk, "die um jeden Preis irgendwas hinkriegen muss".

Ramelow kritisiert "rumplige Beziehung" zwischen Bund und LĂ€ndern

ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Bodo Ramelow (Linke) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die UnionslĂ€nder sollten nicht den Eindruck erwecken, dass die Suchtgefahr nun wegen der Cannabis-Legalisierung steige. "Sie war immer da. Die Entkriminalisierung muss der Einstieg sein, dass wir uns um SuchtprĂ€vention kĂŒmmern und, dass wir den kriminellen Strukturen das GeschĂ€ftsfeld entziehen."

Zugleich forderte er eine bessere Beteiligung der LĂ€nder bei Gesetzgebungsverfahren durch den Bund - denn es seien die LĂ€nder, "bei denen es um Vollzug und Umsetzung geht". "Wir erleben derzeit eine ziemlich rumplige Beziehung zwischen Bund und LĂ€ndern - auch schon vor dem Cannabis-Gesetz. Das ist nicht gut."

@ dpa.de