Industrie auf Hannover Messe: Ruf nach Reformen
22.04.2024 - 11:59:36Die bisher von der Bundesregierung eingeleiteten Reformen wie das Wachstumsförderungsgesetz und beim BĂŒrokratieabbau reichten bei Weitem nicht aus, um den Industriestandort zukunftsfest zu machen, sagte der PrĂ€sident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, am Montag zum Auftakt der Hannover Messe. Nur so lasse sich der anhaltende Trend zum RĂŒckgang der Industrieproduktion in Deutschland stoppen.
"Was die Bundesregierung bisher getan hat, ist aller Ehren wert. Aber es reicht halt nicht", sagte Russwurm. Das sei noch nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Hier mĂŒsse noch einmal deutlich nachgelegt werden. "Wir brauchen wettbewerbsfĂ€hige und langfristig planbare Energiepreise", forderte Russwurm. Zudem mĂŒssten die Unternehmenssteuern gesenkt werden. "Die aktuelle Belastung von knapp 30 Prozent ist ein ernst zu nehmender negativer Standortfaktor."
"In der aktuellen Wirtschaftspolitik fehlt jedoch die Leidenschaft zur Freiheit", kritisierte auch Karl Haeusgen, PrĂ€sident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). "Neue Investitionsvorhaben finden aktuell vor allem im Ausland statt, etwa in den USA. Das wird, wenn wir dem nichts entgegensetzen, zu einer anhaltenden SchwĂ€chung unserer Wirtschaft fĂŒhren." Die Industriestandorte Deutschland und Europa brĂ€uchten keine Untergangsdebatten, sondern mutige Reformen, um wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben.
Industrieproduktion sinkt
In diesem Jahr rechnet der BDI erneut mit schrumpfender Industrieproduktion. "Deutschland fĂ€llt 2024 voraussichtlich weiter zurĂŒck", sagte Russwurm. Nachdem die Produktion der Industrie im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent gesunken war, werde sie 2024 wohl um weitere 1,5 Prozent schrumpfen. Das sei keine Schwarzmalerei: "Die Fakten sind, wie sie sind." Mit einer leichten Besserung sei erst im kommenden Jahr zu rechnen. "Trotz moderater Erholungsaussichten dĂŒrfen wir uns nichts vormachen: Insgesamt zeigen die Produktionszahlen schon seit Jahren einen besorgniserregenden AbwĂ€rtstrend."
Im Maschinen- und Anlagenbau und in der Elektro- und Digitalindustrie rechnen deren VerbĂ€nde 2024 sogar mit einem Produktionsminus von vier Prozent. VDMA-Chef Haeusgen zeigte sich aber zuversichtlich, dass zumindest bei den Auslandsbestellungen der Tiefpunkt ĂŒberwunden sei. In den ersten beiden Monaten 2024 seien die BestelleingĂ€nge noch zehn Prozent unter Vorjahresniveau geblieben, die Produktion ging um 4,2 Prozent zurĂŒck.
Auch der PrĂ€sident des Elektro- und Digitalindustrieverbandes ZVEI, Gunther Kegel, rechnet im zweiten Halbjahr mit leicht steigenden Werten. Langfristig werde die Branche von den anhaltenden Trends zu Automatisierung, Digitalisierung und Strom aus erneuerbaren Energien profitieren. DafĂŒr mĂŒssten aber die Rahmenbedingungen stimmen.
"Wir sind ĂŒberzeugt: Europa kann mehr, man muss es aber auch lassen", sagte Kegel. Vor allem beim BĂŒrokratieabbau mĂŒsse die EU endlich vorankommen, sagte er mit Blick auf die bevorstehende Europawahl. "Die nĂ€chste EU-Kommission muss eine Kommission fĂŒr WettbewerbsfĂ€higkeit, globale Partnerschaften und europĂ€ische WiderstandsfĂ€higkeit sein."

