LBBW-Chefvolkswirt: Mehr investieren und Schuldenbremse aussetzen
24.05.2024 - 08:35:04"Die Schuldenbremse sollte temporĂ€r ausgesetzt werden", forderte Kraemer am Freitag in einem Interview mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Allerdings mĂŒsse sichergestellt werden, dass die Mittel in Investitionen flieĂen und nicht einfach konsumiert werden.
"Mit einer Lockerung der Schuldenbremse sollte ein Defizit von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung ermöglicht werden", sagte Kraemer. Die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse sieht vor, dass der Staat im Regelfall nicht viel mehr Geld ausgeben darf, als er einnimmt. AbhĂ€ngig von der Wirtschaftslage ist nur eine geringe Neuverschuldung von 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erlaubt. Das soll sicherstellen, dass der Staatshaushalt tragfĂ€hig bleibt und auch, dass keine zu hohen Lasten an kĂŒnftige Generationen weitergegeben werden.
Zuletzt hatten sich auch die "Wirtschaftsweisen" des SachverstĂ€ndigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung fĂŒr eine Lockerung der Schuldenbremse ausgesprochen. Ăkonom Kraemer stellte klar, dass Deutschland eine im internationalen Vergleich geringe Verschuldung hat. "Deutschland hat zu Recht die Bestnote bei der Beurteilung der KreditwĂŒrdigkeit durch die fĂŒhrenden Ratingagenturen", sagte der Chefvolkswirt.
Dagegen hinkt die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland den ĂŒbrigen LĂ€ndern der Eurozone hinterher. Zwar habe sich die deutsche Wirtschaft zuletzt als "resilient" erwiesen, sagte Kraemer, der in diesem Jahr mit einem leichten Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent rechnet. Allerdings gebe die jĂŒngste Entwicklung mit einer Aufhellung wichtiger Konjunkturindikatoren auch "keinen Anlass fĂŒr FreudentĂ€nze".
Generell schĂ€tzt Kraemer das Wachstumspotential der deutschen Wirtschaft als zu gering ein. Dies habe unter anderem demographische GrĂŒnde. "Wir mĂŒssen an die ProduktivitĂ€t ran", forderte der Ăkonom. Diese könnte durch einen BĂŒrokratieabbau verbessert werden. Mittlerweile werde Druck auf die Unternehmen beispielsweise durch das Lieferkettengesetz immer stĂ€rker. Nach EinschĂ€tzung von Kraemer ist der Druck mittlerweile so stark, dass ein Abbau der BĂŒrokratie möglich sei. Dies sei "ein lösbares Problem".
Angesichts der weitreichenden AnkĂŒndigungen Donald Trumps im Wahlkampf sieht der Chefvolkswirt bei einem möglichen Wahlsieg bei den US-PrĂ€sidentschaftswahlen im November ein ernstes Problem auf die deutsche Wirtschaft zukommen. Die Folge wĂ€re ein Handelskrieg zwischen den USA und China, der auch die deutsche Wirtschaft stark belasten wĂŒrde. "Wenn Trump gewĂ€hlt wird und seine AnkĂŒndigungen tatsĂ€chlich in die Tat umsetzt, rutscht Deutschland in die Rezession", warnte Kraemer.

