Tui hofft trotz Iran-Krieg auf Last-Minute-Sommer
13.05.2026 - 11:45:01 | dpa.deDer Sommerurlaub wird fĂŒr viele Menschen zunehmend zur kurzfristigen Entscheidung. Beim Reisekonzern Tui verschiebt sich die Nachfrage wegen des Iran-Kriegs derzeit deutlich in Richtung westliches Mittelmeer. Knapp die HĂ€lfte der Verbraucher, die in diesem Sommer verreisen wollten, habe bislang noch nicht gebucht, teilte der Konzern in Hannover mit. Bisher zĂ€hlt Tui fĂŒr den Sommer deutlich weniger GĂ€ste als vor einem Jahr.
Besonders gefragt dĂŒrften Spanien einschlieĂlich der Balearen und Kanaren sowie Griechenland sein. Dort wird Urlaub nach EinschĂ€tzung des Vorstands auch nicht billiger werden. «Da gibt es wenig GrĂŒnde, weshalb wir oder Hoteliers mit gĂŒnstigeren Preisen kommen sollten», sagte Tui-Chef Sebastian Ebel.
Reiselaune bleibt trotz Krisen stabil
Deutlich schwĂ€cher entwickelten sich dagegen die Buchungen fĂŒr LĂ€nder wie Ăgypten, die TĂŒrkei und Zypern. Im westlichen Mittelmeer sehe Tui eine normale bis gute Nachfrageentwicklung, «das sehen wir im Osten nicht», sagte Ebel. FĂŒr schwĂ€cher nachgefragte Reiseziele wolle der Konzern deshalb mit Angeboten gegensteuern. «Das bedeutet kleinere Margen fĂŒr uns, aber bessere Preise fĂŒr die Kunden.»
Marktanalysen zeigten allerdings, dass weiterhin Ă€hnlich viele Menschen verreisen wollten wie im Vorjahr, sagte Ebel. BefĂŒrchtungen, dass Kunden wegen der Lage im Nahen Osten hĂ€ufiger mit dem Auto etwa an Nord- oder Ostsee reisen könnten, hĂ€tten sich bislang nicht bestĂ€tigt. Deshalb lohne es sich, auf ein starkes Last-Minute-GeschĂ€ft zu hoffen, sagte der Manager. Im Winterhalbjahr verreisten 12,8 Millionen GĂ€ste mit Tui und damit etwas mehr als ein Jahr zuvor.
Krieg und Hurrikan kosten Millionen
Die geopolitischen Spannungen schlagen sich inzwischen auch deutlich in den GeschĂ€ftszahlen nieder. Schon im April hatte Ebel die Umsatzprognose fĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr 2025/26 (bis 30. September) ausgesetzt und die Gewinnprognose gesenkt. Daran hielt er nun fest.
So soll der Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) weiterhin zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro liegen und damit möglichst nah an das Vorjahresniveau von 1,4 Milliarden Euro herankommen. Die ursprĂŒnglich erwartete Steigerung um 7 bis 10 Prozent hatte Ebel aufgegeben.
Im ersten Halbjahr des GeschĂ€ftsjahres bis Ende MĂ€rz blieb der Umsatz mit 8,56 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahresniveau. Der saisontypische bereinigte operative Verlust verringerte sich trotz Belastungen durch den Iran-Krieg und den Hurrikan «Melissa» auf Jamaika um gut ein Viertel auf rund 116 Millionen Euro. Allein der Krieg im Nahen Osten belastete das Ergebnis mit rund 40 Millionen Euro, auch weil zwei Kreuzfahrtschiffe wochenlang in Persischen Golf feststeckten. Die Folgen des Hurrikans schlugen bei Tui mit 5 Millionen Euro negativ zu Buche.Â
«Uns ist die Sahne von dem Kuchen genommen worden»
Ebel sprach dennoch von einem sehr guten zweiten Quartal, das ohne den Iran-Krieg sogar ĂŒberragend gewesen wĂ€re. «Uns ist die Sahne von dem Kuchen genommen worden», sagte der Konzernchef. Der Konflikt habe Tui mehrfach getroffen. Neben den festliegenden Kreuzfahrtschiffen musste Tui mit groĂem Aufwand Urlauber aus der Region zurĂŒckholen.
Der Krieg wirkt sich inzwischen auch auf die Kosten im Luftverkehr aus. Der GroĂteil des Kerosins sei nicht nur bei Tuifly bereits abgesichert, sagte Ebel. «Wir gehen davon aus, dass wir keinen Engpass haben werden.» Mittelfristig dĂŒrften Airlines ihre Ticketpreise wegen der höheren Kerosinkosten dennoch erhöhen. Dabei gehe es aber eher um Preissteigerungen von zwei bis drei Prozent und nicht um 10 bis 20 Prozent.
Trotz der Unsicherheiten will Tui die Reisepreise möglichst stabil halten. Der bislang gebuchte Umsatz fĂŒr den Sommer liegt allerdings derzeit rund sieben Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die Zahl der Urlauber liege Ă€hnlich weit darunter, sagte Ebel. Die Reisepreise lĂ€gen im Schnitt etwa so hoch wie im vergangenen Sommer.
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