Luftverkehrsteuer, Deutschland

Ticketsteuer runter - aber wohl nicht die Flugpreise

01.04.2026 - 13:37:11 | dpa.de

Der Iran-Krieg treibt die Flugpreise krĂ€ftig in die Höhe. Jetzt löst die Koalition ein Versprechen ein. Doch die Hoffnung, dass das Fliegen fĂŒr Passagiere billiger wird, ist gering.

Ob FlĂŒge durch die Steuersenkung billiger werden, ist offen. (Symbolbild) - Foto: Lando Hass/dpa

FĂŒr FlĂŒge aus Deutschland soll von Juli an eine niedrigere Ticketsteuer gelten. Das beschloss das Kabinett in Berlin. Die Luftverkehrsteuer wird so stark gesenkt, dass die Einnahmen auf das Niveau von 2024 zurĂŒckfallen. CDU, CSU und SPD lösen damit ein Versprechen aus ihrem Koalitionsvertrag ein. Als NĂ€chstes berĂ€t der Bundestag darĂŒber. Hoffnung auf gĂŒnstigere Preise dĂŒrften sich Reisende aber kaum machen. 

Es geht je nach Strecke um Summen von 2,50 bis 11,40 Euro pro Flug. Die Höhe der Ticketsteuer hĂ€ngt grob von der Entfernung des Ziels zu Frankfurt am Main ab, dem grĂ¶ĂŸten deutschen Verkehrsflughafen. 

Es gibt drei Kategorien: FĂŒr Inlands- und EuropaflĂŒge sowie andere Kurzstrecken sollen kĂŒnftig statt 15,53 Euro noch 13,03 Euro Luftverkehrsteuer anfallen. Bei Mittelstrecken (ZiellĂ€nder zwischen 2.500 und 6.000 Kilometer Entfernung) ist eine Reduzierung von 39,34 Euro auf 33,01 Euro vorgesehen, bei LangstreckenflĂŒgen (ZiellĂ€nder mehr als 6.000 Kilometer entfernt) fallen kĂŒnftig 59,43 Euro an und nicht mehr 70,83 Euro. 

Auswirkung auf Ticketpreise fragwĂŒrdig

Das Finanzministerium betonte, ihm sei wichtig, «dass die Senkungen an die Reisenden weitergegeben werden». Doch zwingen kann die Regierung die Airlines nicht. Sie steuern ĂŒber ihre Computer komplexe Preissysteme mit zahlreichen Variablen, etwa nach Tag, Uhrzeit oder Auslastung. Da sind staatliche Abgaben ein Faktor unter vielen. Die Preise schwanken teils schon im Tagesverlauf deutlich mehr als die Luftverkehrsteuer ausmacht. Aktuell treibt der durch den Iran-Krieg gestiegene Ölpreis die Kosten massiv.

Die Billigairline Ryanair erklĂ€rte, die Steuersenkung mache es immerhin möglich, geplante KapazitĂ€tskĂŒrzungen fĂŒr den Sommer rĂŒckgĂ€ngig zu machen. Es solle nun 300.000 SitzplĂ€tze und 14 Strecken mehr geben als zunĂ€chst geplant.

Branche sieht sich weiter benachteiligt 

Insgesamt reagierte die Branche verhalten auf den Beschluss. Er sei ein notwendiger erster Schritt. Entscheidend sei jetzt, konsequent nachzulegen, um die WettbewerbsfĂ€higkeit des deutschen Luftverkehrs und internationale Anbindungen nachhaltig zu sichern, erklĂ€rte der Branchenverband der Luftverkehrswirtschaft (BDL). Dazu gehörten etwa niedrigere Kosten fĂŒr die Flugsicherung und effizientere Sicherheitskontrollen. 

Der Flughafenverband ADV kritisierte, man kehre ĂŒberhaupt nicht zum Steuersatz von 2024 zurĂŒck. TatsĂ€chlich galten im Jahr 2024 zwei unterschiedliche SĂ€tze fĂŒr die Luftverkehrsteuer, sie wurde damals zum 1. Mai erhöht. Auf diesen höheren Satz kehrt die Bundesregierung jetzt zurĂŒck. «Dies enttĂ€uscht gerade Airlines, die aus dem Ausland einen deutschen Flughafen anfliegen wollen», betonte der Verband. Bereits in Aussicht gestellte neue Strecken könnten wieder auf dem PrĂŒfstand stehen. 

Im europĂ€ischen Vergleich gebe es auch mit den neuen SteuersĂ€tzen weiterhin gravierende Nachteile fĂŒr deutsche FlughĂ€fen. So werde ein Flugzeug, das von einem deutschen Flughafen abhebt, durchschnittlich mit 4.531 Euro staatlichen Kosten belastet. Im europĂ€ischen Ausland lĂ€gen die regulativen Belastungen fĂŒr einen innereuropĂ€ischen Flug dagegen im Schnitt bei 2.326 Euro. Die deutsche Industrie- und Handelskammer forderte eine komplette Streichung der Ticketsteuer. 

Millionenkosten fĂŒr den Staat

Die nun geplante Senkung kostet den Staat laut Ministerium im Jahr einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Im Gesetzentwurf ist die Rede von rund 185 Millionen Euro in diesem Jahr. Bis 2030 dĂŒrften die Kosten demnach bis auf 355 Millionen Euro wachsen. Zur Gegenfinanzierung ist vorgesehen, von 2027 an im Etat des Verkehrsministeriums zu sparen. Welche Programme und Ausgaben das betrifft, ist noch nicht bekannt.

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