MilitÀrexperte, Carlo

MilitÀrexperte Carlo Masala sieht Nato geschwÀcht

26.06.2025 - 06:23:47

Der Nato-Gipfel in Den Haag hat nach EinschÀtzung des Politikwissenschaftlers und MilitÀrexperten Carlo Masala nicht viel gebracht.

"Das war sicherlich kein Gipfel, bei dem man sagen kann, die Nato geht gestĂ€rkt daraus hervor", sagte Masala der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Die Ukraine habe bei dem Gipfel keine Rolle gespielt, und die russische Bedrohung sei nicht klar genug benannt worden. Damit habe die Nato im Grunde einen Schritt zurĂŒck gemacht. "Ich wĂŒrde die Nato momentan in einem sehr prekĂ€ren Stadium sehen."

Dass die Nato-LĂ€nder ab 2035 fĂŒnf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts fĂŒr Verteidigung ausgeben wollen, sei in erster Linie Teil der Strategie, US-PrĂ€sident Donald Trump zu gefallen. "Denn diese fĂŒnf Prozent kommen ja nicht aus der europĂ€ischen Diskussion heraus, sondern sie kommen daher, dass man Angst hat, dass wenn man sie nicht liefert, die USA ihre Sicherheitsgarantie zurĂŒckziehen werden." Es sei abzuwarten, ob sich die Mitgliedsstaaten wirklich an diese FĂŒnf-Prozent-Abmachung hielten. Spanien und die Slowakei opponierten offen dagegen, und Italien sei auch nicht wirklich glĂŒcklich damit.

Rutte "an Peinlichkeit nicht mehr zu ĂŒberbieten"

Zweifel an der ZuverlĂ€ssigkeit der USA im BĂŒndnisfall seien weiterhin angebracht. "Bei Trump ist es ja so, selbst wenn er heute sagt, er steht dahinter, kann das morgen wieder ganz anders sein." Die Nato-Partner hĂ€tten in diesem Zusammenhang ganz darauf gesetzt, Trump zu umschmeicheln. "Das kann funktionieren - oder auch nicht. Wer weiß das?"

Heftige Kritik ĂŒbte Masala an Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte, der Trump eine schmeichelnde SMS geschickt hatte, die dieser daraufhin veröffentlichte. "Was Rutte gemacht hat, auch bei seiner Pressekonferenz mit Trump, ist an Peinlichkeit nicht mehr zu ĂŒberbieten", so Masala. "Dass man Vieles tut, um die Amerikaner in Europa zu halten, kann ich verstehen, aber in der UnterwĂŒrfigkeit, in der Rutte das macht, ist das einem Nato-GeneralsekretĂ€r absolut nicht angemessen."

Das Problem sei, dass man davon ausgehen mĂŒsse, dass Russland gegen Ende dieses Jahrzehnts einen Nato-Staat angreifen könnte, um zu testen, ob die Allianz diesem Land dann wirklich zu Hilfe kommt. Es bleibe also nicht viel Zeit, und deshalb gelte: "Tempo, Tempo, Tempo. Wir brauchen eine europĂ€ische Strategie, wie wir das ersetzen können, was bisher die USA geleistet haben", forderte Masala. "Ganz wichtig dabei ist die Lösung des Personalproblems. Wenn es da ĂŒber die Freiwilligkeit nicht geht, muss schnell die Wehrpflicht eingefĂŒhrt werden."

Masala stellt am Samstag beim Philosophiefestival Phil.Cologne in Köln sein Buch "Wenn Russland gewinnt. Ein Szenario" vor.

@ dpa.de