Trump begnadigt alle Verurteilten von Kapitol-Attacke
21.01.2025 - 06:35:21Januar 2021 verurteilt wurden. Trump unterzeichnete nur Stunden nach seiner AmtseinfĂŒhrung ein entsprechendes Dekret im WeiĂen Haus in Washington. Eine derartig umfassende Begnadigung fĂŒr die TĂ€ter jenes beispiellosen Angriffes auf die US-Demokratie kam ĂŒberraschend und steht vorherigen AnkĂŒndigungen aus Trumps Umfeld entgegen.
Die Details
Laut Trumps Erlass werden die Haftstrafen von 14 Verurteilten verkĂŒrzt und gelten nun als verbĂŒĂt. Dabei geht es um Mitglieder der rechtsradikalen "Proud Boys" und "Oath Keepers", denen besonders schwere StraftatbestĂ€nde wie "aufrĂŒhrerische Verschwörung" zur Last gelegt wurden - sie wurden teilweise zu langen Haftstrafen von mehr als 10 oder 15 Jahren verurteilt.
FĂŒr alle anderen der mehr als 1.000 Menschen, die bislang im Zusammenhang mit der Kapitol-Attacke verurteilt wurden, sprach Trump umfassende und bedingungslose Begnadigungen aus. Der PrĂ€sident ordnete an, sie sollten "unverzĂŒglich" freigelassen werden. AuĂerdem wies er das Justizministerium an, alle anderen noch offenen Strafverfahren in dem Fall einzustellen.
Eine unerwartete Dimension
Trump hatte zwar im gesamten Wahlkampf immer wieder eine Begnadigung von StraftĂ€tern von damals versprochen. Vertraute aus seinem Umfeld, darunter sein VizeprĂ€sident J.D. Vance, hatten vorab aber betont, es werde niemand begnadigt, der gewalttĂ€tig geworden sei. Trump wiederum hatte sich vor seiner AmtseinfĂŒhrung nicht auf Details festlegen wollen - und ĂŒberraschte nun mit der rigorosen Entscheidung der Straffreiheit fĂŒr alle.
Trump hatte zuvor bei einer Veranstaltung unter dem Jubel von AnhĂ€ngern in einer Sportarena von den "groĂartigen Geiseln" geschwĂ€rmt und nachgeschoben: "In den meisten FĂ€llen haben sie nichts falsch gemacht."
Hochrangige Demokraten Ă€uĂerten sich schockiert. Die frĂŒhere Vorsitzende des US-ReprĂ€sentantenhauses, Nancy Pelosi, sprach von einer "schĂ€ndlichen" Entscheidung und einer "ungeheuerlichen Beleidigung des Rechtssystems".
Trumps Wahlkampf-Versprechen
Ein US-PrĂ€sident hat die Befugnis, die Strafen von TĂ€tern, die nach Bundesrecht verurteilt wurden, zu verkĂŒrzen oder Verurteilte ganz zu begnadigen - auch nachtrĂ€glich, also nach dem VerbĂŒĂen einer Strafe. Trump hatte im Wahlkampf wiederholt versprochen, von dieser Befugnis Gebrauch zu machen, um AnhĂ€nger zu begnadigen, die sich an dem Sturm auf das Kapitol beteiligt hatten. Er bezeichnete sie als "politische Gefangene" und "Geiseln". Dies sind Kampfbegriffe von Trumps Bewegung, die den demokratiefeindlichen Gewaltausbruch von damals auf krasse Weise verklĂ€rt.
Die Attacke
Am 6. Januar 2021 hatten Trump-AnhĂ€nger den Parlamentssitz in der Hauptstadt Washington gewaltsam gestĂŒrmt. Dort war der Kongress damals zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 gegen Trump formal zu bestĂ€tigen. Fanatische Trump-UnterstĂŒtzer ĂŒberrannten damals Absperrungen, prĂŒgelten Polizisten brutal nieder und drangen gewaltsam in das ParlamentsgebĂ€ude ein, wĂ€hrend Trump tatenlos zuschaute. Infolge der Krawalle kamen fĂŒnf Menschen ums Leben.
Trump hatte seine UnterstĂŒtzer davor bei einer Rede durch die unbelegte Behauptung aufgewiegelt, der Wahlsieg sei ihm durch massiven Betrug gestohlen worden. Seitdem hat er diese Aussage unzĂ€hlige Male wiederholt. Seine Niederlage bei der Wahl 2020 hat Trump bis heute nicht eingerĂ€umt. Der beispiellose Angriff auf die US-Demokratie wirkt bis heute nach.
Die Strafverfolgung
Laut Zahlen des US-Justizministeriums von Anfang Januar wurden infolge der Krawalle mehr als 1.500 Menschen auf Bundesebene angeklagt - die VorwĂŒrfe reichten dabei von Widerstand gegen die Staatsgewalt bis zu Angriffen gegen Polizisten und "aufrĂŒhrerischer Verschwörung". Gut 1.000 Angeklagte bekannten sich demnach schuldig, in mehreren Hundert FĂ€llen kam es zu einem Prozess.
Bislang wurden laut Ministerium etwa 1.100 Angeklagte fĂŒr kriminelle Handlungen rund um die Kapitol-Attacke verurteilt - mehr als 660 davon erhielten Haftstrafen und weitere 145 Angeklagte, die zu Haftstrafen verurteilt wurden, wurde anstelle von GefĂ€ngnis Hausarrest gewĂ€hrt. Mehrere Hundert Verfahren liefen zuletzt noch, sollen gemÀà Trumps Anordnung nun aber eingestellt werden.

