KORREKTUR, Trumps

KORREKTUR 2: Trumps und Harris' erstes TV-Duell im Faktencheck

11.09.2024 - 18:21:40

(Der Passus zu einer Trump-Aussage zum Thema Abtreibung wurde prÀzisiert und die ErlÀuterung zum Teil korrigiert.

Dort wurde zuvor fÀlschlicherweise suggeriert, dass es eine aktuelle landesweite Gesetzgebung zu dem Thema gibt - dies ist aber nicht der Fall.)

PHILADELPHIA/BERLIN (dpa-AFX) - Rund zwei Monate vor der US-Wahl haben sich die beiden US-PrĂ€sidentschaftskandidaten Kamala Harris und Donald Trump bei ihrem ersten TV-Duell einen hitzigen Schlagabtausch geliefert. In Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania warfen sie einander vor, das Land heruntergewirtschaftet zu haben, keinen Plan fĂŒr die drĂ€ngenden Probleme zu haben und LĂŒgen zu verbreiten. Ein prĂŒfender Blick auf die Aussagen:

Trumps Behauptung

Trump habe wÀhrend seiner Amtszeit "praktisch keine Inflation" gehabt. PrÀsident Biden und Kamala Harris hÀtten die höchste Inflation in der Geschichte der USA.

Bewertung

Das ist falsch.

Fakten

Seit GrĂŒndung der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 wurde die höchste jĂ€hrliche Inflationsrate im Jahr 1778 mit 29,78 Prozent verzeichnet. Im Zeitraum seit der EinfĂŒhrung des Verbraucherpreisindexes lag die höchste Inflationsrate im Jahr 1917 bei 20,49 Prozent.

Die Inflation war zu Trumps Amtszeit niedriger als heute, aber sie existierte: Etwa kumulierte 8 Prozent fĂŒr seine PrĂ€sidentschaft (gegenĂŒber 19 Prozent unter PrĂ€sident Biden bisher) und 1,4 Prozent im Jahresvergleich im letzten Monat seiner Amtszeit gegenĂŒber den aktuellen 2,9 Prozent (Stand: Juli 2024).

Trumps Behauptung

Die Politik der Demokraten erlaube Abtreibungen im neunten Monat einer Schwangerschaft oder sogar die Tötung von Neugeborenen nach der Geburt.

Bewertung

Das ist falsch.

Fakten

Eine vorsĂ€tzliche Tötung eines Neugeborenen ist strafrechtlich als Kindstötung eingestuft und in den gesamten USA illegal. Das gilt auch fĂŒr demokratische Staaten. Harris spricht sich dafĂŒr aus, zum landesweiten Recht auf Abtreibung zurĂŒckzukehren, das der Oberste Gerichtshof vor zwei Jahren abgeschafft hatte. Dieses schĂŒtzte das Recht auf Abtreibung bis zur LebensfĂ€higkeit des Fötus, was ab etwa 24 Schwangerschaftswochen der Fall ist.

Seitdem das Oberste Gericht der USA das landesweite Recht auf Abtreibung gekippt hat, entscheiden die einzelnen Bundesstaaten ĂŒber die rechtlichen Vorgaben fĂŒr SchwangerschaftsabbrĂŒche. Ein rechtlicher Flickenteppich ist entstanden. In einigen Bundesstaaten ist Abtreibung fast unter allen UmstĂ€nden verboten, in anderen konservativ regierten Bundesstaaten gibt es weitgehende Restriktionen.

Harris' Behauptung

Trump habe behauptet, dass der Klimawandel erfunden sei.

Bewertung

Das ist richtig.

Fakten

Donald Trump ist seit seiner Kandidatur kein Verfechter des Klimawandels und hat die Existenz eines von Menschen verursachten Klimawandels regelmĂ€ĂŸig angezweifelt. 2012 behauptete er, das Konzept der globalen ErwĂ€rmung sei von den Chinesen erfunden worden, um der WettbewerbsfĂ€higkeit der amerikanischen Industrie zu schaden. Im Wahlkampf versprach er den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag.

So wurde in seinem Wahlkampf gegen Hilary Clinton auch der ehemalige US-PrÀsident oftmals Zielscheibe seiner Behauptungen.

Trumps Behauptung

"Ich hatte mehr Stimmen als jeder Republikaner in der Geschichte. Sogar bei weitem als jeder amtierende PrÀsident."

Bewertung

Das ist wahr.

Fakten

Der Demokrat Joe Biden erhielt bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2020 laut den offiziellen Wahlergebnissen etwa 81,2 Millionen Stimmen, die ihn zum Sieg fĂŒhrten. Sein republikanischer Kontrahent Trump dagegen bekam rund 74,2 Millionen Stimmen, also deutlich weniger. Dennoch war Trumps Wahlergebnis die höchste Stimmenzahl fĂŒr einen republikanischen Kandidaten oder einen amtierenden PrĂ€sidenten.

Allerdings gibt es die Besonderheit im US-Wahlsystem, dass nicht immer der Kandidat mit den landesweit meisten WÀhlerstimmen den Sieg davontrÀgt. Denn der PrÀsident und der VizeprÀsident der USA werden formell durch ein sogenanntes Wahlkollegium (Electoral College) gewÀhlt. Die Mitglieder dieses Kollegiums werden durch die Volksabstimmung in jedem Staat gewÀhlt.

Aufgrund des in fast allen Staaten geltenden Mehrheitswahlrechts erhÀlt der Gewinner eines Staates alle Wahlleute - selbst bei knappen Siegen. Um zum PrÀsidenten gewÀhlt zu werden, muss ein Kandidat die Mehrheit der Wahlstimmen erhalten. So gewann Trump die PrÀsidentenwahl 2016 gegen Hilary Clinton, obwohl seine demokratische Rivalin landesweit mehr als 2,8 Millionen WÀhlerstimmen vor ihm lag.

Harris' Behauptung

Trump habe die schlimmste Arbeitslosigkeit seit der "Großen Depression" hinterlassen.

Bewertung

Fehlender Kontext.

Fakten

Harris beklagte, Trump habe das Land 2021 in einem desaströsen Zustand hinterlassen - mit der grĂ¶ĂŸten Arbeitslosigkeit seit der "Großen Depression", der schlimmsten Epidemie im Gesundheitswesen seit einem Jahrhundert und mit dem schlimmsten Angriff auf die amerikanische Demokratie seit dem BĂŒrgerkrieg. "Und was wir getan haben, ist Donald Trumps Chaos aufzurĂ€umen."

Die sogenannte Große Depression hatte bis 1933 in fast allen IndustrielĂ€ndern der Welt zu Massenarbeitslosigkeit, sinkenden Preisen und Löhnen sowie Bankenkrisen gefĂŒhrt. Im April 2020, als Trump damals noch im Amt war, erreichte die Arbeitslosenquote einen Höchststand von 14,8 Prozent - nach Angaben des "Bureau of Labor Statistics" war dies tatsĂ€chlich der höchste Stand seit der Großen Depression.

Als Trump im Januar 2021 aus dem Amt schied, ging die Arbeitslosigkeit jedoch auf 6,4 Prozent zurĂŒck, da die Wirtschaft begann, sich wieder zu erholen. Diese Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent ist entgegen Harris' Behauptung noch immer besser als der Höchststand von 10 Prozent wĂ€hrend der "Großen Rezession" im Oktober 2009.

@ dpa.de