Experte: politische FĂŒhrung in Europa organisieren
01.03.2025 - 12:40:11Man mĂŒsse sich sehr schnell darauf einstellen, dass die USA als politischer und militĂ€rischer FĂŒhrer der Nato wegfielen, sagte der Direktor des Programms "Europas Zukunft" der Bertelsmann Stiftung am Freitagabend im ZDF.
"Das erste, was man braucht, ist die Organisation politischer FĂŒhrung in Europa. Denn da waren die USA bislang immer der Taktgeber", sagte Mölling. Man könne jetzt nicht erwarten, dass es den einen starken Staat in Europa gebe. "Den gibt es zurzeit sowieso nicht. Es können aber auch nicht alle 27 EU-Staaten oder alle 30 oder 36 europĂ€ischen Staaten abstimmen." Das werde die schwierigste Einigung werden, so Mölling. "Wer kann fĂŒr wen sprechen? Und wer kann auch Entscheidungen letztendlich dann ĂŒber Leben und Tod treffen?"
Europa muss sich politisch einig werden
Befragt dazu, was an diesem Sonntag beim Ukraine-Sondergipfel der europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs in London herauskommen mĂŒsse, sagte Mölling: "Wir brauchen ein Signal." Das einfachste sei, ein groĂes Geldpaket zu schnĂŒren. Man brauche aber vor allem eine politische Einigkeit und die Bereitschaft, politisch arbeitsteilig vorzugehen. Das Problem sei, dass man dafĂŒr im Grunde genommen keine Zeit mehr habe.
"All die Debatten haben wir abstrakt in den letzten Jahren immer wieder gefĂŒhrt. Jetzt ist es tatsĂ€chlich so, dass man davon ausgehen sollte zumindest, dass es im Grunde genommen ab heute schon so ist, dass wir auf die USA nicht mehr wirklich zĂ€hlen können", sagte Mölling.
US-PrĂ€sident Donald Trump hatte Selenskyj am Freitagabend beim Besuch im WeiĂen Haus in Washington damit gedroht, die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland im Stich zu lassen, sollte es nicht zu einer Einigung mit Moskau kommen. In einer beispiellosen Situation ĂŒberzog er den Ukrainer im Oval Office vor laufenden Kameras mit VorwĂŒrfen und bezichtigte ihn, einen dritten Weltkrieg zu riskieren. "Sie mĂŒssen dankbarer sein", sagte Trump.

