Bundesbankchef fĂŒr zurĂŒckhaltende Geldpolitik und Einhaltung der Schuldenregeln
12.05.2025 - 19:05:05Vor dem Hintergrund des milliardenschweren Finanzpakets der Bundesregierung zur Einhaltung der Schuldenregeln mahnte Joachim Nagel zudem. "In Bezug auf geldpolitische Entscheidungen ist es wichtig, vorsichtig zu sein und nicht durch eine Ăberbetonung bestimmter AnkĂŒndigungen, die sich kurz darauf Ă€ndern könnten, ĂŒberzureagieren", sagte Nagel in einem am Montag veröffentlichten gemeinsamen GesprĂ€ch mit "SĂŒddeutsche Zeitung" und "El Mundo".
Zuletzt hatte die EuropĂ€ische Zentralbank die Leitzinsen Mitte April um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die nĂ€chste Zinssitzung steht im Juni auf dem Programm. Nagel lobte die Entscheidung der Koalition aus Union und SPD, ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro fĂŒr den Ausbau der Infrastruktur zu bilden sowie die Schuldenbremse fĂŒr Verteidigungsausgaben zu reformieren. "Deutschland muss seine Infrastruktur verbessern, sein ArbeitskrĂ€fteangebot ausbauen, die öffentlichen Dienstleistungen digitalisieren und beschleunigen, BĂŒrokratie abbauen und seine VerteidigungsfĂ€higkeit stĂ€rken."
Der Bundesbankchef betonte aber den Ausnahmecharakter dieser MaĂnahmen. "Es ist völlig klar, dass wir nicht alle Probleme mit zusĂ€tzlichen Ausgaben lösen können. Die Schuldenquote muss nach einer Anpassungsphase wieder sinken", forderte der Bundesbankchef. "Die Verpflichtung Deutschlands zur Einhaltung der europĂ€ischen Fiskalregeln bleibt unverĂ€ndert bestehen."
Im vergangenen Jahr war die deutsche Schuldenquote - also das VerhĂ€ltnis der Schulden zur gesamten nominalen Wirtschaftsleistung - nach vorlĂ€ufigen Angaben der Bundesbank das dritte Jahr in Folge gesunken: um 0,4 Punkte auf 62,5 Prozent. Zwar ist die deutsche Verschuldung im Vergleich zu anderen LĂ€ndern der Eurozone gering, allerdings lag die Schuldenquote zum fĂŒnften Mal in Folge ĂŒber der in den europĂ€ischen VertrĂ€gen von Maastricht vereinbarte Höchstmarke von 60 Prozent.
In dem GesprÀch kritisierte Nagel zudem die Angriffe von US-PrÀsident Donald Trump auf die UnabhÀngigkeit der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. "Die UnabhÀngigkeit der Zentralbanken ist Teil der DNA einer guten Geldpolitik", sagte der Notenbanker. Die Geschichte lehre, dass Zentralbanken ohne diese UnabhÀngigkeit nicht in der Lage seien, PreisstabilitÀt zum Wohle aller zu erreichen und zu gewÀhrleisten. "Die Angriffe auf die Fed zielen in die völlig falsche Richtung", sagte Nagel.

