Gesamtmetallchef:Â Einigung zum Haushalt nur 'Flickwerk'
29.12.2023 - 06:16:21"Die Regierung greift die Probleme nicht an der Wurzel an", sagte Wolf der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe das GefĂŒhl, es fehlt der Wille und auch die Kraft dieser drei KoalitionĂ€re, mal den gesamten Haushalt auf Einsparmöglichkeiten abzuklopfen." Insbesondere bei den Sozialleistungen hĂ€tte es mehr Einschnitte gebraucht, um stĂ€rkere Anreize zum Arbeiten zu schaffen.
"Es wird vieles abgewĂ€lzt auf die BĂŒrger und Unternehmen, die das jetzt bezahlen sollen, anstatt nach wirklichen Einsparmöglichkeiten zu suchen", betonte Wolf.
Nach dem Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts, hatte die Bundesregierung sich Mitte Dezember auf einen neuen Bundeshaushalt fĂŒr 2024 geeinigt. Nach dem Urteil aus Karlsruhe fehlen 60 Milliarden Euro im sogenannten Klima- und Transformationsfonds, die fĂŒr die nĂ€chsten Jahre schon fest eingeplant waren. Der Bund verstĂ€ndigte sich unter anderem darauf, dass es deshalb keine Reduzierung bei sozialen Standards geben werde. Gestrichen wurde aber ein geplanter milliardenschwerer Netzentgeltzuschuss fĂŒr das Stromnetz. Auch die Förderung fĂŒr den Kauf von Elektro-Autos lief frĂŒher als geplant aus.
Auch diese MaĂnahme kritisierte Gesamtmetall-PrĂ€sident Wolf: "Die Regierung hat gesagt, wir setzen auf ElektromobilitĂ€t und treiben das auch voran als einen Teil der MobilitĂ€t der Zukunft", sagte er. "Aber dann muss man auch was dafĂŒr tun und nicht Hopplahopp die Förderung von Elektroautos auslaufen lassen." Wolf rechnete damit, dass die Zahl der Elektro-Neuzulassungen stark zurĂŒckgehen wird, nachdem nun die staatliche Förderung ausgelaufen ist.
Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage der Metall- und Elektroindustrie Ă€uĂerte er sich besorgt. "Es sind unglaublich viele Unsicherheiten da: Die Kriege in der Ukraine und in Israel, die Haushaltskrise, dann die hohen Energiepreise." Noch immer sei unklar, wie die Energieversorgung in Deutschland langfristig gesichert werden könne. Diese Unsicherheiten fĂŒhrten zu einer ZurĂŒckhaltung sowohl in der Industrie als auch bei den Verbrauchern. "Das wirkt sich in der Summe auf die Konjunktur und die Wachstumschancen aus", betonte der PrĂ€sident. "Wir rechnen fĂŒr 2024 mit einem ProduktionsrĂŒckgang um 2 bis 2,5 Prozent."
Ein Problem sei vor allem die ĂŒberbordende BĂŒrokratie. Wolf bekrĂ€ftigte etwa die Kritik seines Verbands am sogenannten Lieferkettengesetz. Dieses gilt seit Anfang des Jahres in Deutschland fĂŒr Unternehmen mit mehr als 3000 BeschĂ€ftigten und nimmt sie in die Pflicht, bei ihren Lieferketten genauer hinzusehen. Die Firmen mĂŒssen unter anderem analysieren, wie groĂ das Risiko ist, dass sie von MenschenrechtsverstöĂen wie Zwangsarbeit profitieren. Wenn sie Hinweise auf VerstöĂe haben, mĂŒssen sie MaĂnahmen ergreifen, "um diese Verletzung zu verhindern, zu beenden oder das AusmaĂ der Verletzung zu minimieren", heiĂt es im Gesetz.
"Ich bin absolut gegen Menschenrechtsverletzungen und gegen Kinderarbeit weltweit", betonte Wolf. "Aber zu glauben, dass wir mit einem deutschen oder europĂ€ischen Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz es schaffen, Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen weltweit zu verhindern, das ist naiv." Das Gesetz fĂŒhre dazu, dass die BĂŒrokratiekosten fĂŒr Unternehmen weiter stiegen.
Auch die Werbung von FachkrĂ€ften aus dem Ausland mĂŒsse einfacher werden. "Wenn ein hochqualifizierter IT-Experte aus Indien im Ausland arbeiten will, meinen Sie, der geht in ein Land mit einem Spitzensteuersatz von 42 Prozent ab 62 800 Euro Bruttoverdienst - eventuell noch mit Soli obendrauf?" Wolf schĂ€tzt: "Eher nicht." Das FachkrĂ€fteeinwanderungsgesetz sei ein Schritt in die richtige Richtung. Andere LĂ€nder wie Kanada hĂ€tten aber bessere Lösungen. "Es muss fĂŒr die Menschen einfacher und transparenter werden", sagte Wolf.

