Gesamtmetall-PrÀsident Wolf erwartet weiteres Rezessionsjahr
31.12.2024 - 15:08:32"Unsere Branche hat im vergangenen Jahr rund 45.800 ArbeitsplĂ€tze verloren", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als ein Drittel der Branchenmitglieder hĂ€tten im Dezember mit dem Abbau weiterer ArbeitsplĂ€tze geplant. "Ich befĂŒrchte, dass wir auch 2025 einen weiteren Stellenabbau erleben werden", betonte der PrĂ€sident.
Branche auch nÀchstes Jahr in der Rezession
Die AuftragsbestĂ€nde wĂŒrden von den Unternehmen derzeit so schlecht beurteilt wie auf den Höhepunkten der Finanzkrise 2009 oder der Corona-Pandemie 2020. "FĂŒr 2024 erwarten wir daher insgesamt einen ProduktionsrĂŒckgang von 6,5 Prozent", sagte Wolf. Auch im neuen Jahr sei keine Trendumkehr zu erwarten, sondern erneut ein Minus von 2,5 Prozent im Vergleich zu diesem Jahr.
Aufgabe der nĂ€chsten Bundesregierung sei es deshalb, Deutschland wieder zu einem wettbewerbsfĂ€higen Wirtschaftsstandort zu machen. "Und dazu gehören natĂŒrlich die richtigen politischen Rahmenbedingungen", sagte der FunktionĂ€r.
Gesamtmetall fordert unter anderem den Abbau von BĂŒrokratie insbesondere ĂŒber eine Abschaffung des deutschen Lieferkettengesetzes. Es brauche Steuersenkungen und eine Begrenzung der SozialversicherungsbeitrĂ€ge auf 40 Prozent. Es brauche auĂerdem geringere Energiekosten vor allem ĂŒber die Steuerung der Netzentgelte.
Wolf hofft auf schwarz-gelbe Koalition
FĂŒr die nĂ€chste Bundesregierung hat Wolf daher eine Wunschkoalition. "Meine Wunschkoalition ist natĂŒrlich Schwarz-Gelb, denn nur so kann die notwendige Wirtschaftswende in unserem Land gelingen", sagte er. Mindestens aber brauche es ein liberales Element im Parlament. "Das war immer gut und ich glaube, wir brauchen das auch in der Zukunft, gerade angesichts der erstarkenden rechten und linken RĂ€nder im Parlament."
FĂŒr die Ăberwindung der Krise sieht Wolf indes auch die Betriebe in der Pflicht. "Eine Rolle spielt sicher auch, dass manche Unternehmen in der Vergangenheit vielleicht das eine oder andere nicht schnell genug und effizient genug angegangen sind", sagte er, speziell mit Blick auf den derzeitigen Stellenabbau in der Automobilindustrie.
FĂŒr die Produktion elektrischer Motoren brauche es weniger Menschen als beim Verbrenner. Zudem seien zum Teil auch Stellen doppelt besetzt und nicht zuletzt könnten mittelfristig viele Verwaltungsaufgaben auch ĂŒber Anwendungen der KĂŒnstlichen Intelligenz vereinfacht werden. "Unternehmen und BeschĂ€ftigte mĂŒssen sich auf die VerĂ€nderungen einstellen", sagte Wolf.
Wolf: Protektionismus hat sich langfristig nie positiv ausgewirkt
Den Amtsantritt Donald Trump und die damit verbundene Gefahr von höheren Zöllen fĂŒr Industrieprodukte auch aus Europa betrachte er mit "groĂer Sorge". "Protektionistische MaĂnahmen können kurzfristig fĂŒr ein Land positiv sein, aber haben sich langfristig noch nie positiv ausgewirkt", betonte der PrĂ€sident.
Wenn mit China und den USA zudem die zwei wichtigsten MĂ€rkte fĂŒr die deutsche Industrie wegbrĂ€chen oder schrumpften, fĂŒhre das zu schweren Ertragsproblemen. "Und ich sehe auch keinen Substitutionsmarkt. Wir haben Exporte von 9 Milliarden Euro in die Mercosur-LĂ€nder und 100 Milliarden Euro in die USA. Das zeigt schon die VerhĂ€ltnisse." Auch die Hoffnung, dass Indien schnell zum Zukunftsmarkt werden könnte, habe sich bisher nicht bestĂ€tigt.
Volkswirte mahnen Reformen an
Der Chefvolkswirt der Deka Bank, Ulrich Kater, warnte in der "Augsburger Allgemeinen", Deutschland werde ohne Reformen weiter hinter anderen Industrienationen zurĂŒckbleiben. "Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist ein Sanierungsfall geworden", mahnte Kater. Die Zeichen des Umbruchs und der Unsicherheit in der Weltpolitik und der Weltwirtschaft, der neuen Technologiegeneration durch Plattformökonomie und der kĂŒnstlichen Intelligenz wĂŒrden in Deutschland noch nicht ausreichend wahrgenommen.
Auch Jörg KrÀmer, Chefvolkswirt der Commerzbank, forderte wirtschaftliche Reformen nach der Bundestagswahl. "Deutschland braucht einen Neustart in der Wirtschaftspolitik", betonte er. Die Unternehmen in Deutschland und ihre Mitarbeiter brÀuchten wieder gute Rahmenbedingungen, damit sie hierzulande weiter ihre Steuern und Löhne zahlten. "Ansonsten wandern viele in Richtung Osteuropa oder in die USA ab".

