Inflationsrate sinkt auf 2,2 Prozent - Lebensmittel teurer
31.03.2025 - 14:45:52Gleichzeitig sind aber Lebensmittel ĂŒberdurchschnittlich teurer geworden, wie aus vorlĂ€ufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, die am Montag veröffentlicht wurden. Die allgemeine Inflationsrate sank im MĂ€rz um 0,1 Punkte auf 2,2 Prozent. Analysten hatten dies im Schnitt erwartet. Bereits zu Jahresbeginn war die Inflation in Deutschland nach drei Anstiegen in Folge abgeflaut. Im Dezember lag die Inflationsrate noch bei 2,6 Prozent.
Bei den fĂŒr europĂ€ische Vergleichszwecke harmonisierten Verbraucherpreise (HVPI) ging die Teuerung im MĂ€rz ebenfalls zurĂŒck. Hier sank die Jahresrate auf 2,3 Prozent, von zuvor 2,6 Prozent im Februar. Der RĂŒckgang ist etwas stĂ€rker als erwartet ausgefallen. Im Monatsvergleich meldete das Bundesamt fĂŒr MĂ€rz einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,3 Prozent.
"WĂ€hrend die Energiepreise die Gesamtinflation vermindern, sind fĂŒr Dienstleistungen und Nahrungsmittel auch im MĂ€rz verhĂ€ltnismĂ€Ăig hohe Preissteigerungen zu verzeichnen", sagte Michael Heise, Chefökonom beim Vermögensverwalter HQ Trust. Im MĂ€rz mussten Verbraucher fĂŒr Lebensmittel 2,9 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Schon im Februar waren die Lebensmittelpreise deutlich um 2,4 Prozent binnen Jahresfrist gestiegen.
Tanken und Heizen waren dagegen im MĂ€rz erneut gĂŒnstiger als ein Jahr zuvor: Energie verbilligte sich um 2,8 Prozent. In den drei Monaten zuvor hatten die Energiepreise je um 1,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Darauf sollten sich die Verbraucher aber angesichts der wechselhaften internationalen Lage nicht verlassen, warnt die KfW-Expertin Stephanie Schoenwald.
Preistreiber Dienstleistungen
Hoch bleibt der Preisdruck bei Dienstleistungen, zu denen GaststĂ€ttenbesuche und Autoreparaturen zĂ€hlen. FĂŒr MĂ€rz ermittelten die Statistiker hier eine Preissteigerung von 3,4 Prozent zum Vorjahresmonat. Im Februar waren es 3,8 Prozent und im Januar 4,0 Prozent. "Der RĂŒckgang der Inflation liegt vor allem daran, dass die Preise fĂŒr Dienstleistungen nicht mehr so schnell steigen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. "Die schwache Konjunktur erschwert es den Unternehmen, die stark steigenden Löhne an die Verbraucher weiterzugeben."
Nach EinschĂ€tzung der Bundesbank lĂ€sst die Teuerung bei Dienstleistungen langsam nach. Union und SPD wollen fĂŒr weitere Entlastung sorgen: Sie haben in ihren Sondierungen fĂŒr eine kĂŒnftige Bundesregierung vereinbart, dass die Mehrwertsteuer fĂŒr Speisen in Restaurants und GaststĂ€tten dauerhaft von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden soll, "um Gastronomie und Verbraucher zu entlasten". Dabei ist durchaus unklar, ob die Branche die Steuervorteile an die Kunden weitergibt.
Milliarden-Schuldenpaket als Inflationstreiber?
Viele Volkswirte rechnen damit, dass die Inflationsrate im Jahresverlauf weiter zurĂŒckgeht - wenn auch nicht ganz so schnell, wie zunĂ€chst erhofft. Nach EinschĂ€tzung des Ifo-Instituts dĂŒrfte die Inflationsrate in den kommenden Monaten ĂŒber der Marke von zwei Prozent bleiben.
Das Milliarden-Finanzpaket von Union und SPD könnte die Inflation befeuern, befĂŒrchten manche Ăkonomen. Ohne Reformen bestehe "das Risiko, dass die zusĂ€tzlichen Schulden einen Inflationsdruck erzeugen, in der Folge die Zinsen steigen und die erhofften Wachstumsimpulse verpuffen", warnte jĂŒngst das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Höhere Teuerungsraten schmĂ€lern die Kaufkraft der Menschen, weil sie sich fĂŒr einen Euro dann weniger leisten können.
Das Abflauen der Inflation in Europas gröĂter Volkswirtschaft gibt der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) Spielraum, die am 17. April ĂŒber die Leitzinsen entscheidet. Angesichts einer nachlassenden Inflation hat die EZB die Zinsen seit Juni 2024 sechsmal gesenkt. Der fĂŒr Banken und Sparer relevante Einlagensatz liegt aktuell bei 2,50 Prozent. Ob die Serie sinkender Zinsen weitergeht, ist vor allem wegen der wirtschaftlichen Risiken aus Zollkonflikten mit den USA unsicher.

