RumÀnien: Rechtsextremer geht in Stichwahl um PrÀsidentenamt
25.11.2024 - 06:07:43Der parteilose Populist war mit antiwestlichen Positionen und Kult fĂŒr die rumĂ€nischen Faschisten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aufgefallen. Von seinen Konkurrenten und den klassischen Medien wurde Georgescu weitgehend ignoriert, dafĂŒr ist er sehr erfolgreich auf der Online-Plattform Tiktok unterwegs. Im ersten Wahlgang landete er vor dem zweitplatzierten MinisterprĂ€sidenten Marcel Ciolacu von der Sozialdemokratischen Partei. Die Entscheidung zwischen beiden fĂ€llt nun am 8. Dezember - eine Woche nach der Parlamentswahl.
Der östlichste EU-Mitgliedstaat RumÀnien hat rund 19 Millionen Einwohner, gilt als eines der Àrmsten LÀnder Europas und grenzt im Norden an die Ukraine, die sich seit bald drei Jahren einer russischen Invasion erwehrt.
Rechtsextremes Lager bĂŒndelt KrĂ€fte fĂŒr Stichwahl
Am Wahlabend sagte Georgescu auf einer via Facebook ĂŒbertragenen Pressekonferenz, das rumĂ€nische Volk sei "zum Bewusstsein erwacht" und habe seinen Willen bekundet, "nicht weiter auf Knien, nicht weiter unter Invasion, nicht weiter erniedrigt" zu bleiben. Wirtschaftliche Unsicherheit habe zu diesem Votum gefĂŒhrt. "Heute Abend hat das rumĂ€nische Volk "Frieden" gerufen", fĂŒgte Georgescu hinzu - wohl mit Blick auf Russlands Angriffskrieg auf die benachbarte Ukraine.
Im ersten Wahlgang erhielt der Extremist nach Angaben des Zentralen WahlbĂŒros rund 22 Prozent der Stimmen, Ciolacu holte nur etwa 20 Prozent. Nicht berĂŒcksichtigt sind dabei die separat ausgewiesenen Stimmen der im Ausland lebenden RumĂ€nen, bei denen Georgescus Anteil sogar fast doppelt so hoch liegt.
Der als Viertplatzierter mit 14 Prozent der Stimmen ausgeschiedene Bewerber George Simion von der rechtsextremen Parlamentspartei AUR kĂŒndigte an, Georgescu in der Stichwahl zu unterstĂŒtzen. Platz drei belegte mit knapp 19 Prozent die Kandidatin der konservativ-liberalen Reformpartei, Elena Lasconi. Sie hat sich bislang fĂŒr keinen der ĂŒbrig gebliebenen Kandidaten ausgesprochen.
Erinnerungen an denkwĂŒrdiges Duell werden wach
Bei der PrĂ€sidentenwahl im Jahr 2000 hatte es eine Ă€hnliche Situation gegeben: Damals standen sich in der Stichwahl der Sozialdemokrat Ion Iliescu und der Rechtsextremist Corneliu Vadim Tudor gegenĂŒber. Die demokratischen Parteien taten sich zusammen und konnten auch dank krĂ€ftiger UnterstĂŒtzung durch europĂ€ische VerbĂŒndete einen Extremisten im höchsten Staatsamt verhindern.
In RumĂ€nien bestimmt der PrĂ€sident die AuĂen- und Verteidigungspolitik und ist an der Kontrolle der Geheimdienste beteiligt. Er hat mehr Macht als der deutsche BundesprĂ€sident und weniger als das Staatsoberhaupt in Frankreich. Das Abschneiden der Kandidaten in der ersten Runde der PrĂ€sidentenwahl dĂŒrfte auch die Parlamentswahl am 1. Dezember beeinflussen.
Freund Russlands und der rumÀnischen Faschisten
Wegen des Vorwurfs der Verherrlichung faschistischer Kriegsverbrechen ermittelt die rumĂ€nische Staatsanwaltschaft gegen Georgescu, ĂŒber den Fortschritt dieser Untersuchungen ist laut rumĂ€nischen Medien aber nichts bekannt. Ebenso wie die als "LegionĂ€re" bekannten rumĂ€nischen Faschisten rĂŒhmt Georgescu hĂ€ufig die orthodoxe Kirche und benutzt Bibelzitate. Er war frĂŒher Mitglied der extrem rechten Parlamentspartei AUR, trat aber im Streit aus.
Der 62-jĂ€hrige Agrarwissenschaftler und Tiermediziner hatte vor allem auf Tiktok fĂŒr sich geworben. Kommentatoren in Bukarest meinten am Wahlabend, klassische Medien und etablierte Politiker mĂŒssten sich vorwerfen lassen, Georgescus politische Propaganda in sozialen Medien bisher nicht genĂŒgend beachtet zu haben. Auch Meinungsforscher hatten seinen Erfolg nicht kommen sehen, selbst Nachwahlbefragungen am Wahlabend lieĂen das Ergebnis nicht erahnen.

