Komplette, Erfassung

Komplette Erfassung und Infektionsanstieg fĂŒhren zu Rekordkrankenstand

07.01.2025 - 14:44:32

Der Rekordkrankenstand in Deutschland geht laut BundesĂ€rztekammer und einer neuen Studie hauptsĂ€chlich auf die elektronische Krankmeldung sowie auf verstĂ€rkte Infektionswellen zurĂŒck.

Bei den Fehltagen gab es erstmals von 2021 auf 2022 einen sprunghaften Anstieg um fast 40 Prozent, wie die neue Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt.

ÄrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt sagte in Berlin, in der Statistik seien die Krankschreibungen mit EinfĂŒhrung der elektronischen Krankschreibung (eAU) 2021 auf einem Schlag in die Höhe gegangen. Heute gebe es eine Erfassung sĂ€mtlicher Krankschreibungen zu 100 Prozent. "Die hatten wir bis zur EinfĂŒhrung der eAU nicht, weil der Versicherte (...) den Zettel, der an die Krankenkasse ging, hĂ€ufig gar nicht weggeschickt hat, sondern nur den, der an seinen Arbeitgeber ging."

Studie: Meldeeffekt 60 Prozent

Laut der DAK-Studie zum deutschen Rekordkrankenstand betrÀgt der Meldeeffekt - je nach Diagnose - rund 60 Prozent und mehr. Die Erhebung liegt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor. "Ein Drittel der zusÀtzlichen Fehltage ergibt sich seit 2022 zudem durch verstÀrkte ErkÀltungswellen und Corona-Infektionen", so die DAK weiter.

Das beobachtet auch Reinhardt aktuell in einer Bielefelder Stadtteilpraxis, in der er seit seiner AmtsĂŒbernahme bei der Kammer in der Regel nur noch montags arbeitet. Von seinem Einsatz vom Vortag berichtete er: "Da waren richtig viele Menschen."

Ein weiterer "kĂŒnstlicher" Effekt

Viele seien darunter gewesen, "die eine ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung brauchten aufgrund eines relativ banalen Effektes". Die Patientinnen und Patienten seien deshalb am ersten Tag gekommen, "weil das die Arbeitgeber entsprechend verlangten". Dieser Effekt sei "kĂŒnstlich gemacht", sagte Reinhardt. Insgesamt neigen die Menschen in Deutschland seiner Erfahrung nach nicht dazu, sich krankzumelden, obwohl sie eigentlich gesund sind, wie der ÄrzteprĂ€sident sagte. Vielmehr gingen viele auch bei Bagatellerkrankungen zum Arzt. Viele Firmen verlangten eine Bescheinigung von dort schon am ersten Krankheitstag, meinte Reinhardt.

Debatte ĂŒber Karenztag

Am Vortag hatte der Allianz-Vorstandsvorsitzende eine Debatte ĂŒber den Krankenstand in Deutschland angestoßen. Dieser liegt statistisch im internationalen Vergleich hoch. BĂ€te sprach sich in einem Interview dafĂŒr aus, die Lohnfortzahlung am ersten Krankheitstag zu streichen. Daraufhin hagelte es Kritik, etwa vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Der DGB warnte vor Folgekosten und Ansteckungs- und Unfallgefahren durch immer zahlreichere FĂ€lle von krank bei der Arbeit erscheinenden Personen. In der Bundesrepublik gilt - anders als in einigen anderen LĂ€ndern - seit Jahrzehnten die Lohnfortzahlung ab dem ersten Krankheitstag.

Statistik zur Krankschreibung

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland 2023 durchschnittlich 15,1 Arbeitstage krankgemeldet. Die DAK-Gesundheit weist fĂŒr 2023 einen höheren Durchschnittswert aus: Demnach hatte weit ĂŒber die HĂ€lfte der DAK-Versicherten von Januar bis Dezember 2023 mindestens eine Krankschreibung, im Gesamtjahr waren es im Schnitt 20 Fehltage pro Kopf.

@ dpa.de