Polens Regierungschef Tusk will Vertrauensfrage stellen
02.06.2025 - 20:47:04Er werde demnĂ€chst im Parlament die Vertrauensfrage stellen, sagte Tusk in einer Ansprache im polnischen Fernsehen. Der Plan fĂŒr das Agieren seiner Regierung unter dem neuen PrĂ€sidenten werde "Einheit und Mut" der Dreier-Koalition erfordern. Die Vertrauensabstimmung solle dafĂŒr ein erster Test sein.
Bei der Stichwahl um das polnische PrĂ€sidentenamt am Sonntag war der Liberale Rafal Trzaskowski aus dem Lager von Tusk knapp dem von der rechtskonservativen PiS unterstĂŒtzten Nawrocki unterlegen. Dies ist auch fĂŒr den Regierungschef eine schwere Schlappe. PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski sagte, das Ergebnis der PrĂ€sidentenwahl sei die "rote Karte" fĂŒr Tusks Regierung. Diese solle abtreten.
Tusk fĂŒhrt seit Ende 2023 ein Mitte-Links-BĂŒndnis aus drei Parteien. Wichtigstes Projekt seiner Regierung ist es, die BeschĂ€digungen des Rechtsstaats rĂŒckgĂ€ngig zu machen, die die von 2015 bis 2023 amtierende PiS-Regierung mit ihrer Justizreform ausgelöst hat. Entsprechende GesetzentwĂŒrfe hat der amtierende PrĂ€sident Andrzej Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, bislang blockiert. Es wird erwartet, dass Nawrocki genauso verfĂ€hrt und möglicherweise sogar mit gröĂerer HĂ€rte vorgeht. Dies könnte die Koalition aufreiben und FliehkrĂ€fte freisetzen.
Tusk: Werden uns nicht einen Schritt zurĂŒckziehen
"In Ăbereinstimmung mit der Verfassung und unserem Gewissen werden wir mit dem neuen PrĂ€sidenten ĂŒberall dort zusammenarbeiten, wo dies notwendig und möglich ist", sagte Tusk. Gleichzeitig betonte er: "Alle werden sehen, dass die Regierung nicht vorhat, sich auch nur einen Schritt zurĂŒckzuziehen."
In Polen hat das Staatsoberhaupt mehr Befugnisse als der BundesprĂ€sident in Deutschland. Er reprĂ€sentiert das Land nicht nur nach auĂen. Der PrĂ€sident hat auch Einfluss auf die AuĂenpolitik, er ernennt den Regierungschef sowie das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberkommandierender der polnischen StreitkrĂ€fte. Vor allem kann er mit seinem Vetorecht der Regierung das Leben schwer machen. Um das Veto des PrĂ€sidenten aufzuheben, braucht es im Parlament eine Mehrheit von 60 Prozent der Abgeordneten, ĂŒber die das Mitte-Links-BĂŒndnis von Tusk nicht verfĂŒgt.

