Konjunktur, Wettbewerb

Cum-Cum: Finanzministerium sieht Schaden von 7,5 Milliarden

22.07.2025 - 15:00:46

Der Steuerbetrug mit Cum-Cum-AktiengeschÀften hat den Fiskus Milliarden gekostet, doch die Aufarbeitung kommt nur schleppend voran.

Das verdeutlichen neue Zahlen des Bundesfinanzministeriums aus einer Antwort auf eine Anfrage der GrĂŒnen. Demnach wurden erst 81 FĂ€lle rechtskrĂ€ftig abgeschlossen, 253 VerdachtsfĂ€lle werden noch bearbeitet. Zuvor hatte das "Handelsblatt" berichtet.

Bei den 81 abgeschlossenen FĂ€llen wurden den Angaben zufolge Steuern in Höhe von 226,7 Millionen Euro zurĂŒckgefordert. Bei den offenen 253 VerdachtsfĂ€llen beziffert das Finanzministerium das mögliche Volumen auf 7,3 Milliarden Euro - so summiert der bisher bekannte Schaden auf gut 7,5 Milliarden Euro. Wie groß der Gesamtschaden durch Cum-Cum ist, lasse sich laut Bundesregierung "nicht seriös abschĂ€tzen".

Noch grĂ¶ĂŸerer Skandal als Cum-Ex

Cum-Cum-GeschĂ€fte gelten als großer Bruder der Cum-Ex-Aktiendeals, mit denen Banken und andere Investoren den deutschen Staat geschĂ€tzt um mindestens zehn Milliarden Euro prellten. WĂ€hrend es bei Cum-Ex um die Erstattung gar nicht gezahlter Kapitalertragssteuern ging, generierten Banken bei Cum-Cum-Deals Steuervorteile fĂŒr auslĂ€ndische Inhaber deutscher Aktien.

Der Mannheimer Finanzwissenschaftler Christoph Spengel schĂ€tzt den Steuerschaden aus Cum-Cum wesentlich höher auf rund 28,5 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so hoch wie bei Cum-Ex. Nach einer frĂŒheren Umfrage der deutschen Finanzaufsicht Bafin haben 54 Banken eingerĂ€umt, an Cum-Cum-GeschĂ€ften beteiligt gewesen zu sein. Der BĂŒrgerbewegung Finanzwende zufolge liefen die Deals bis mindestens 2016.

Klingbeil will FinanzkriminalitÀt stÀrker bekÀmpfen

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte kĂŒrzlich angekĂŒndigt, die Aufbewahrungsfrist von Buchungsbelegen wieder auf zehn Jahre zu verlĂ€ngern, um die AufklĂ€rung nicht zu erschweren. Die Ampel-Koalition hatte die Frist auf acht Jahre verkĂŒrzt. Nun schreibt das Finanzministerium, aktuell wĂŒrden die "erforderlichen Maßnahmen zur Sicherung des Steuersubstrats sowie zur BekĂ€mpfung von Steuerhinterziehung und Steuervermeidung geprĂŒft". Dies umfasse "insbesondere auch eine mögliche VerlĂ€ngerung der Aufbewahrungsfristen".

Kritik kommt von GrĂŒnen-Finanzpolitikerin Katharina Beck. "Entgegen der AnkĂŒndigung von Finanzminister Klingbeil, die Aufbewahrungsfristen fĂŒr Buchungsbelege wieder zu verlĂ€ngern, bleibt die Bundesregierung bezĂŒglich einer gesetzlichen Änderung vage und unkonkret", sagte Beck dem "Handelsblatt". Sie erwarte von der Bundesregierung "ein entschlossenes Vorgehen zur Sicherung der Belege und aller weiterer notwendiger Maßnahmen zur effektiven AufklĂ€rung."

Erster Prozess wegen Cum-Cum erwartet

WĂ€hrend im Cum-Ex-Skandal einige TĂ€ter zu teils hohen Haftstrafen verurteilt wurden, darunter die SchlĂŒsselfigur Hanno Berger, steht bei Cum-Cum der erste Strafprozess noch aus. Im MĂ€rz wurde eine erste Anklage gegen fĂŒnf Ex-Manager der Deutschen Pfandbriefbank zugelassen. Wann der Prozess am Landgericht Wiesbaden beginnt, steht noch nicht fest.

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