Hamburg, Deutschland

WirtschaftskriminalitÀt: Falsche Chefs auf dem Vormarsch

20.01.2026 - 13:41:26 | dpa.de

Der technische Schutz gegen Hackerangriffe wird immer besser. Daher zielen Kriminelle vermehrt auf menschliche Schwachstellen: Sie posieren als Chefs. Die Zahl der FĂ€lle nimmt laut Allianz rasant zu.

Achtung, falscher Vorgesetzter am Telefon. Nach Angaben von Allianz Trade hÀufen sich die BetrugsfÀlle, in denen die TÀter als Spitzenmanager auftreten. (Symbolbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Als Firmenchefs und FĂŒhrungskrĂ€fte posierende Hacker richten in Unternehmen wachsende SchĂ€den an. Nach einer Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade verlegen sich die TĂ€ter wegen des verbesserten technischen Schutzes gegen Cyberattacken zunehmend auf «Social Engineering»: Dabei nehmen sie die Rolle von Spitzenmanagern ein und bringen Mitarbeiter dazu, ihnen hohe Summen zu ĂŒberweisen. 

2025 sei die Schadensumme um 80 Prozent gestiegen, 2024 habe es sogar eine Verdreifachung gegeben, sagte Marie-Christine Kragh, die Leiterin der Vertrauensschadenversicherung bei Allianz Trade in Hamburg. Der Durchschnittsschaden liegt demnach im einstelligen Millionenbereich. Absolute Zahlen zur Höhe der SchÀden nannte die Managerin nicht. 

KI hilft TĂ€tern beim Schauspielern

KĂŒnstliche Intelligenz (KI) erleichtert es den TĂ€tern demnach, in der Rolle als falscher Chef glaubwĂŒrdig aufzutreten - angefangen von E-Mails, die keine sprachlichen und grammatischen Fehler mehr enthalten, bis zu tĂ€uschend echt imitierten Stimmen bei Telefonanrufen. Teilweise reichten neunzig Sekunden einer echten Tonaufnahme, um eine mit dem Original zu 80 Prozent ĂŒbereinstimmende Stimme zu schaffen, sagte IT-Sicherheitsexperte Dirk Koch, Partner bei der Rechtsanwaltskanzlei ByteLaw. Am einfachsten haben es die TĂ€ter demnach, wenn im Unternehmen Englisch gesprochen wird. «Im Deutschen ist es immer ein bisschen schwieriger, weil die Modelle einfach noch nicht so gut sind und nicht so weit verbreitet sind», sagte Koch. 

Schwachstelle Mensch

Ein Grund fĂŒr das gehĂ€ufte Auftreten falscher Vorgesetzter ist laut Alianz Trade, dass viele Unternehmen technisch aufgerĂŒstet haben, um ihre IT-Systeme vor Hackerangriffen zu schĂŒtzen. «Wir sehen weiter ein gewisses Katz-Maus-Spiel», sagte Kragh. «Die Angreifer rĂŒsten auf, professionalisieren ihre Strategien, nutzen neue Techniken, und Unternehmen arbeiten und verbessern ihre Abwehrmechanismen.» 

Angreifer nutzen psychologische Mechanismen

Als Chefs auftretende TÀter nutzen nach Worten Kraghs hÀufig eine Kombination aus Druck auf die Mitarbeiter, kombiniert mit Lob und der Behauptung, die Zahlung sei dringlich. «Da sollten alle Alarmglocken schrillen, wenn diese drei Dinge zusammenkommen: Zeitdruck, emotionales Triggering und die Aufforderung, vom Standard abzuweichen», sagte die Managerin. 

Allianz Trade ist eine Tochter des MĂŒnchner Dax-Konzerns, zum GeschĂ€ft zĂ€hlt neben der Kreditversicherung die Absicherung gegen Betrug und politische Risiken. Das Unternehmen erwirtschaftete 2024 mit gut 5.800 Mitarbeitern 3,8 Milliarden Euro Umsatz.

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