TĂV-Report 2026: Jeder fĂŒnfte Lkw fĂ€llt bei Hauptuntersuchung durch
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 13:28 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSGut jedes fĂŒnfte Nutzfahrzeug ist in den vergangenen zwei Jahren mit erheblichen oder gefĂ€hrlichen MĂ€ngeln bei der Hauptuntersuchung durchgefallen. Das geht aus dem "TĂV-Report Nutzfahrzeuge 2026" hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.
Leichte Verbesserung, hohe Quote
Die MĂ€ngelquote sank im Vergleich zum Vorjahresreport leicht um 0,1 Prozentpunkt. Grundlage des Berichts ist eine Auswertung von rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen von leichten Transportern bis zu schweren Lkw in den Jahren 2024 und 2025. Besonders hĂ€ufig stellten TĂV-SachverstĂ€ndige Defekte an der Beleuchtung, Ălverlust an Motor oder Antrieb sowie MĂ€ngel an den AchsaufhĂ€ngungen fest.
Schwere Lkw mit den meisten MĂ€ngeln
Schwere Lkw ĂŒber 18 Tonnen wiesen mit 21,8 Prozent die höchste MĂ€ngelquote auf, nach 21,9 Prozent im Vorjahr. Die MĂ€ngelquoten steigen mit dem Alter der Fahrzeuge deutlich an und erreichen bei zehn Jahre alten Schwergewichten 28,5 Prozent. Damit sind Ă€ltere Lastwagen ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig von erheblichen oder gefĂ€hrlichen MĂ€ngeln betroffen.
Unterschiede zwischen den Fahrzeugklassen
Leichte Transporter bis 3,5 Tonnen hatten eine MĂ€ngelquote von 21,5 Prozent, exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Mittelschwere Lkw zwischen 7,5 und 18 Tonnen schneiden im Vergleich am besten ab: Ihre MĂ€ngelquote lag bei 16,3 Prozent und damit leicht unter dem Wert des Vorjahres von 16,5 Prozent.
Hinweise auf Investitionsstau
Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und MobilitĂ€t beim TĂV-Verband, fĂŒhrt die Entwicklung unter anderem auf ZurĂŒckhaltung bei Neuanschaffungen in den vergangenen Jahren zurĂŒck. Diese habe zu einem erhöhten VerschleiĂ im Bestand gefĂŒhrt und trage dazu bei, dass viele Nutzfahrzeuge mit zunehmendem Alter mehr sicherheitsrelevante MĂ€ngel aufweisen.
Der TĂV-Report Nutzfahrzeuge 2026 macht deutlich, dass Sicherheit im gewerblichen StraĂenverkehr ein Dauerthema bleibt. Wenn gut jedes fĂŒnfte Nutzfahrzeug bei der Hauptuntersuchung wegen erheblicher oder gefĂ€hrlicher MĂ€ngel durchfĂ€llt, betrifft das nicht nur Speditionen und Handwerksbetriebe, sondern auch alle Verkehrsteilnehmer, die tĂ€glich mit diesen Fahrzeugen unterwegs sind.
Strukturelle GrĂŒnde fĂŒr hohe MĂ€ngelquoten
Die vom TĂV-Verband beobachtete ZurĂŒckhaltung bei Neuanschaffungen erklĂ€rt, warum viele Fahrzeuge lĂ€nger im Einsatz bleiben und dadurch stĂ€rker verschleiĂen. Steigende MĂ€ngelquoten mit zunehmendem Fahrzeugalter, insbesondere bei schweren Lkw, sind in diesem Umfeld ein erwartbares Muster: Wartung und Instandhaltung mĂŒssen mehr leisten, wenn Investitionen in neue Technik zurĂŒckgestellt werden.
Besonders sicherheitsrelevant sind die genannten typischen Defekte: Probleme an der Beleuchtung können die Sichtbarkeit im Verkehr einschrĂ€nken, Ălverlust an Motor oder Antrieb deutet auf technische Störungen hin, und MĂ€ngel an AchsaufhĂ€ngungen betreffen zentrale Fahrwerkskomponenten. Solche Schwachstellen können sich unmittelbar auf Bremsweg, FahrstabilitĂ€t und Pannenrisiko auswirken.
Folgen fĂŒr Logistik und Verkehrssicherheit
Die hohen MĂ€ngelquoten bei Lkw ĂŒber 18 Tonnen sind vor allem deshalb bedeutend, weil diese Fahrzeuge fĂŒr den GĂŒtertransport auf Fernstrecken und im internationalen Warenverkehr zentral sind. Wenn fast ein Drittel der zehn Jahre alten Schwergewichte bei der HU mit erheblichen oder gefĂ€hrlichen MĂ€ngeln auffĂ€llt, ist das ein Hinweis auf eine Alterung der Flotte und möglicherweise knappe Budgets fĂŒr vorbeugende Wartung.
FĂŒr Unternehmen entsteht daraus ein wirtschaftlicher Druck: Stillstand durch nicht bestandene Hauptuntersuchungen kostet Zeit und Geld, Nachbesserungen sind oft kurzfristig nötig. FĂŒr die öffentliche Hand und Aufsichtsbehörden stellt sich die Aufgabe, ĂŒber Kontrollen und regulatorische Vorgaben sicherzustellen, dass technische MĂ€ngel nicht zu einem höheren Risiko im StraĂenverkehr fĂŒhren.
Ausblick fĂŒr Fuhrparks und Politik
Der Report dĂŒrfte sowohl bei Flottenbetreibern als auch in der Politik die Diskussion ĂŒber Investitionen in moderne, sichere Nutzfahrzeuge und ĂŒber Anreize fĂŒr schnellere FlottenverjĂŒngung befeuern. Angesichts des FachkrĂ€ftemangels in der Logistikbranche und steigender Betriebskosten spielt dabei auch die Frage eine Rolle, wie Wartungsintervalle, Ersatzteilversorgung und WerkstattkapazitĂ€ten organisiert werden, damit technische Defekte frĂŒhzeitig erkannt und behoben werden können.
