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Brauchen Waffen gegen nordkoreanische Soldaten

02.11.2024 - 07:35:03

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat das Fehlen von Waffen beklagt, um die an die Front heranrĂŒckenden nordkoreanischen Soldaten in den Diensten der russischen Arme zu bekĂ€mpfen.

"Wir können alle Orte sehen, wo sich diese nordkoreanischen Soldaten aufhalten, jedes Lager", sagte er in seiner allabendlichen Videoansprache. "Wir könnten vorab zuschlagen, wenn wir denn die Möglichkeit und Reichweite (der Waffen) hÀtten."

Doch dies wiederum hÀnge von den Partnern der Ukraine ab. Diese haben Kiew auch nach monatelangen Bitten nicht die Erlaubnis zum Einsatz weitreichender Waffen zu Angriffen gegen militÀrische Ziele auf russischem Staatsgebiet erteilt.

"Statt uns die entscheidende Reichweiten-FĂ€higkeit zu geben, schauen die USA, Großbritannien und Deutschland nur zu", klagte Selenskyj. "Alle warten, wĂ€hrend nordkoreanische Einheiten sich darauf vorbereiten, Ukrainer anzugreifen."

Selenskyj forderte die UnterstĂŒtzer der Ukraine auf, einzugreifen. "Wer in der Welt wirklich verhindern will, dass sich dieser Krieg zwischen Russland und der Ukraine ausweitet und von Europa auf andere Regionen der Welt ĂŒbergreift, darf nicht nur zuschauen."

USA: 8.000 nordkoreanische Soldaten in Kursk

Erst am Vortag hatte das Weiße Haus von bis zu 8.000 Soldaten aus Nordkorea gesprochen, die im westrussischen Gebiet Kursk stĂ€nden. Washington geht von einem baldigen Kampfeinsatz dieser Einheiten aus. Weitere könnten folgen. Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin hat die Anwesenheit nordkoreanischer Soldaten im eigenen Land nicht bestritten und verwies darauf, dass auch die Ukraine auf Personal aus Nato-Staaten zurĂŒckgreife.

Das international isolierte Nordkorea liefert unter der FĂŒhrung des diktatorisch regierenden Machthabers Kim Jong Un bereits seit lĂ€ngerem Raketen und Artilleriegeschosse an Russland.

Nordkoreas Außenministerin Choe Son Hui hat Moskau inzwischen die Hilfe Pjöngjangs bis zum Sieg im Krieg gegen die Ukraine zugesichert. "Noch einmal versprechen wir, dass wir bis zum Tag des Sieges stets fest an der Seite unserer russischen Kameraden stehen werden", sagte Choe bei einem Treffen mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Moskau. Lawrow hob dabei die enge Kooperation der MilitĂ€rs und Sicherheitsorgane der beiden LĂ€nder hervor.

Russischer Raketenangriff auf Charkiw - Drohnen gegen Sumy

Bei einem russischen Raketenangriff auf eine Polizeistation in der ostukrainischen Großstadt Charkiw ist am Abend nach offiziellen Angaben mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. 26 Polizeibeamte sowie vier Zivilisten hĂ€tten bei dem Angriff teilweise lebensbedrohliche Verletzungen erlitten, teilte der regionale MilitĂ€rverwalter Oleh Synjehubow auf der Plattform Telegram mit. "Die Ärzte kĂ€mpfen nun um ihr Leben."

Nach ersten Ermittlungen war die Polizeidienststelle von mindestens zwei Raketen getroffen worden. Charkiw war in den vergangenen Monaten immer wieder Ziel russischer Luft- oder Raketenangriffe. Auch andere StÀdte der Ukraine werden ohne erkennbares Muster attackiert. Ziel dieser oft wahllos wirkenden Angriffe ist, die ukrainische Zivilbevölkerung unter Druck zu setzen.

Kurz darauf wurde aus der ostukrainischen Stadt Sumy ein russischer Angriff mit Kampfdrohnen gemeldet. Eine dieser Drohnen habe ein mehrstöckiges Wohnhaus getroffen, berichteten die Behörden. Dabei seien fĂŒnf Menschen schwer verletzt worden, unter ihnen eine Schwangere.

USA sagen Ukraine weitere MilitÀrhilfe zu

Die USA stellen der Ukraine zur Abwehr des russischen Angriffskriegs weitere MilitĂ€rausrĂŒstung zur VerfĂŒgung. Das neue Paket habe einen Umfang von rund 425 Millionen US-Dollar (rund 392 Millionen Euro), teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Es enthalte unter anderem Munition fĂŒr Raketenwerfersysteme vom Typ Himars und fĂŒr das Luftverteidigungssystem vom Typ Nasams sowie Artilleriemunition mit den Kalibern 155 und 105 Millimeter.

Die USA sind der wichtigste VerbĂŒndete und grĂ¶ĂŸte Waffenlieferant der Ukraine in deren Abwehrkampf gegen Russland. Nach Angaben des Pentagons haben die USA seit Kriegsbeginn militĂ€rische Hilfen im Umfang von mehr als 60,4 Milliarden US-Dollar (rund 55,7 Milliarden Euro) fĂŒr Kiew bereitgestellt.

Der Ausgang der US-PrĂ€sidentenwahl in wenigen Tagen hat maßgeblichen Einfluss darauf, ob Kiew auch in Zukunft noch im großen Stil auf UnterstĂŒtzung aus den USA hoffen kann oder nicht. Der republikanische PrĂ€sidentschaftskandidat Donald Trump hat gedroht, damit im Fall eines Wahlsieges nicht weiterzumachen.

Bericht: Hohe Verluste der Ukraine

Nach einem Bericht der "New York Times", die sich auf US-MilitĂ€r- und Geheimdienstquellen beruft, hat die Ukraine im bisherigen Verlauf des Kriegs bereits 57.000 Gefallene beklagt. Dies entspreche knapp der HĂ€lfte der Verluste der russischen Seite, sei jedoch fĂŒr die kleinere Ukraine von großer Bedeutung. Angesichts der jĂŒngsten GelĂ€ndegewinne des russischen MilitĂ€rs in der Ostukraine sei zudem eine bedrohliche Lage entstanden. Daher zweifelten US-Beobachter an der FĂ€higkeit der Ukrainer, das VorrĂŒcken der russischen Truppen stoppen zu können.

Auch die "NYT" sieht die wichtigste Entwicklung fĂŒr Kiew "nicht auf dem Schlachtfeld, sondern an den Wahlurnen" bei der PrĂ€sidentenwahl in den USA. Die unterschiedlichen Ausgangslagen bei dem Ex-PrĂ€sidenten Trump, der den Krieg schnell beenden wolle, wĂ€hrend seine demokratische Gegnerin Kamala Harris die Ukraine weiter unterstĂŒtzen wolle, "laste schwer auf den Ukrainern".

US-MilitĂ€rexperten sehen das aktuell grĂ¶ĂŸte Problem der Ukraine nicht bei Waffen und Munition. Vielmehr sei das grĂ¶ĂŸte Manko der Ukraine die TruppenstĂ€rke. Kiew habe zu lange gezögert, das Einberufungsalter von 25 Jahren zu senken, daher könnten dem Land die Truppen ausgehen. Daher schĂ€tze das Pentagon, so das Blatt weiter, dass die Ukraine noch fĂŒr sechs bis zwölf Monate genĂŒgend Soldaten zur VerfĂŒgung habe.

@ dpa.de