Ukrainischer PrÀsident fordert europÀische StreitkrÀfte
15.02.2025 - 15:05:02Konkret forderte er auf der MĂŒnchener Sicherheitskonferenz insbesondere gemeinsame europĂ€ische StreitkrĂ€fte. FĂŒr die Ukraine bekrĂ€ftigte Selenskyj ungeachtet bremsender Aussagen von US-PrĂ€sident Donald Trump den Wunsch und die Forderung nach einer Nato-Mitgliedschaft: Er werde dies nicht vom Verhandlungstisch nehmen.
Europa mĂŒsse seine Zukunft selbst gestalten angesichts der russischen Bedrohung und des schwĂ€cher werdenden US-Engagements, sagte Selenskyj. "Europa braucht seine eigenen StreitkrĂ€fte." Diese sollten aber die Nato nicht ersetzen, fĂŒgte er gerichtet an seinen "guten Freund" Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte hinzu. Es gehe darum, den europĂ€ischen Sicherheitsbeitrag dem amerikanischen gleichzusetzen. Selenskyj fĂŒgte hinzu: "Wir brauchen Vertrauen in uns selbst, damit andere keine andere Wahl haben, als die StĂ€rke Europas zu respektieren."
"Europa braucht geeinte Stimme"
Europa mĂŒsse zudem stark sein, weil nicht klar sei, ob die USA es nur als Absatzmarkt oder auch als BĂŒndnispartner brauchten. "PrĂ€sident Trump mag keine schwachen Freunde. Er respektiert StĂ€rke." Manche in Europa seien vielleicht frustriert mit der EU in BrĂŒssel. "Aber lassen sie uns ganz deutlich sein: Wenn es nicht BrĂŒssel ist, dann ist es Moskau", warnte er. Selenskyj mahnte: "Europa braucht eine geeinte Stimme und nicht ein Dutzend unterschiedliche Stimmen." Und er warnte: "Moskau wird Europa auseinanderreiĂen, wenn wir als EuropĂ€er einander nicht vertrauen."
Gleichwohl brauche es engstmögliche Beziehungen mit den Vereinigten Staaten - aber gemeinsam als EuropĂ€er, nicht nur als einzelne Nationen. Deshalb brauche es eine geeinte und koordinierte AuĂenpolitik.
Selenskyj betonte, US-VizeprÀsident J.D. Vance habe am Vortag klargestellt, dass Jahrzehnte der alten Beziehung zwischen Europa und Amerika zu Ende gingen. "Von nun an werden die Dinge anders sein, und Europa muss sich darauf einstellen." US-PrÀsident Donald Trump wolle den Beitrag der USA zur Verteidigung Europas herunterschrauben.
FĂŒr mögliche Verhandlungen ĂŒber eine Friedenslösung fĂŒr die Ukraine forderte Selenskyj eine Beteiligung der europĂ€ischen Staaten, nicht nur Russlands und der USA. "Keine Entscheidungen ĂŒber die Ukraine ohne die Ukraine, keine Entscheidungen ĂŒber Europa ohne Europa", mahnte er. "Sie mĂŒssen einen Platz am Verhandlungstisch haben, wenn Entscheidungen ĂŒber Europa getroffen werden."
Warnung vor weiteren Konfrontationen
Selenskyj warnte in MĂŒnchen zudem vor militĂ€rischen Vorbereitungen Russlands auf mögliche weitere Konfrontationen. Die Ukraine habe nachrichtendienstliche Erkenntnisse, dass die FĂŒhrung in Moskau noch in diesem Sommer Soldaten in das verbĂŒndete Belarus verlegen wolle, sagte Selenskyj. Er wies auch auf die weitere AufrĂŒstung der russischen StreitkrĂ€fte sowie die Rekrutierung zusĂ€tzlicher Soldaten hin.
Der Aufmarsch in Belarus werde als MilitĂ€rĂŒbung deklariert werden. Aber so sei auch die Invasion der Ukraine vor drei Jahren vorbereitet worden. Unklar sei, wem ein solcher Truppenaufmarsch gelten könne. Er sehe keine Signale aus Moskau fĂŒr einen Frieden.
"Belarus grenzt an drei Nato-Staaten. Es ist zu einem Standbein fĂŒr russische MilitĂ€roperationen geworden", sagte Selenskyj. Er nannte weitreichende russische Raketensysteme und eine Stationierung von Atomwaffen in dem Land. Selenskyj rief die westlichen Partner seines Landes auf, sich mit der Frage zu befassen, was vor einer nĂ€chsten möglichen Attacke zu tun sei.
Empfiehlt Kritikern im Inland einen Wechsel der StaatsbĂŒrgerschaft
Selenskyj betonte die Wichtigkeit der Einheit in seinem Land. Es gehe um das Ăberleben des ukrainischen Staates und den Schutz der Bevölkerung. "Wenn das jemand nicht mag, dann kann er die StaatsbĂŒrgerschaft wechseln", empfahl er seinen Kritikern.
Seit Kriegsbeginn gilt das Kriegsrecht in der Ukraine und MĂ€nner im wehrpflichtigen Alter zwischen 18 und 60 Jahren können das Land nur in AusnahmefĂ€llen verlassen. Das gilt auch fĂŒr DoppelstaatsbĂŒrger. Eine Entlassung aus der ukrainischen StaatsbĂŒrgerschaft ist dabei ein langwieriger Prozess, der zudem eine Zustimmung des PrĂ€sidenten erfordert. Daten des ukrainischen Migrationsdienstes zufolge erlaubte Selenskyj seit 2022 nur 40 Ukrainern die StaatsbĂŒrgerschaft abzulegen.
Die Ukraine wehrt sich seit fast drei Jahren mit westlicher UnterstĂŒtzung gegen eine russische Invasion.

