Kiew feiert UnabhĂ€ngigkeit bei trĂŒben Aussichten auf Frieden
24.08.2025 - 16:17:55 | dpa.de"Wir werden eine Ukraine schaffen, die genĂŒgend Kraft und Potenz hat, um in Sicherheit und Frieden zu leben", versprach Selenskyj in seiner auf Telegram verbreiteten Ansprache.
Auf dem Video ist er vor dem UnabhĂ€ngigkeitsplatze in Kiew zu sehen. Die mĂ€chtige Freiheitsstatue auf dem Maidan sei auch ein Symbol fĂŒr die Unzerstörbarkeit der Ukraine, die dem Angriffskrieg Russlands seit dreieinhalb Jahren standgehalten habe, betonte er in dem Video.
Selenskyj: Ukrainer stehen fĂŒr UnabhĂ€ngigkeit ein
Der Krieg habe zu einem neuen SelbstwertgefĂŒhl der Ukrainer gefĂŒhrt, die sich nicht mehr auf den guten Willen anderer verlieĂen, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nĂ€hmen und bereit seien, fĂŒr ihre Freiheit zu kĂ€mpfen, sagte der ukrainische PrĂ€sident.
Er erinnerte an die tÀglichen LuftschlÀge Russlands gegen zivile Einrichtungen wie KrankenhÀuser und Schulen in der Ukraine. Die Ukraine antworte darauf mit Angriffen gegen Treibstoffdepots, aber auch MilitÀrflugplÀtze tief in Russland. Das könne ihr niemand verbieten. Zu diesen Worten wurden die Bilder der vom ukrainischen Geheimdienst organisierten Drohnenattacke auf Flugzeuge der strategischen Bomberflotte Russlands Anfang Juli prÀsentiert.
Medien: Pentagon blockiert Raketenangriffe auf Russland
Diese Passage in der Rede Selenskyjs kann auch als Antwort auf einen Medienbericht ĂŒber ein US-Verbot fĂŒr den Einsatz weitreichender Waffen gedeutet werden. So hatte das "Wall Street Journal" unter Berufung auf US-Beamte berichtet, das Pentagon blockiere seit Monaten den Einsatz von Raketen mit gröĂerer Reichweite durch die Ukraine fĂŒr Angriffe auf Ziele in Russland.
Ein Genehmigungsverfahren des Verteidigungsministeriums habe die Ukraine seit dem spĂ€ten FrĂŒhjahr daran gehindert, die von den USA gelieferten ATACMS-Raketen gegen Ziele in Russland einzusetzen, werden die Beamten zitiert. Mindestens einmal habe die Ukraine versucht, diese Raketen gegen ein Ziel auf russischem Territorium einzusetzen, was jedoch abgelehnt worden sei.
Unter PrÀsident Joe Biden hatten die USA der Ukraine im vergangenen Jahr Angriffe mit weitreichenden Waffen gegen militÀrische Objekte in Russland erlaubt. Trump hatte vergangene Woche gepostet, es sei sehr schwer, wenn nicht unmöglich, einen Krieg zu gewinnen, ohne das Land des Invasors anzugreifen.
Die Ukraine hat zuletzt ihr eigenes Drohnenbauprogramm intensiviert und mit Flamingo auch eine neue Rakete prĂ€sentiert, die angeblich eine Reichweite von bis zu 3.000 Kilometern haben soll. Damit wĂ€ren selbst Ziele weit hinter dem Uralgebirge in Reichweite ukrainischer Waffen. Noch befindet sich die Rakete in der Testphase - bis Jahresende will sich Kiew aber ein gröĂeres Arsenal solcher Waffen zugelegt haben.
Drohnenangriffe treffen Ălraffinerien
Bislang ist die Ukraine bei Angriffen auf strategische Objekte im russischen Hinterland auf ihre Drohnen angewiesen. Diese haben die russische Treibstoffversorgung in den vergangenen Wochen sehr empfindlich gestört. Auch in der Nacht gab es wieder mehrere Treffer.
So geriet im russischen Ostseehafen Ust-Luga nahe St. Petersburg ein Terminal des kremlnahen Ăl- und Gasproduzenten Novatek in Brand. Nach Behördenangaben wurden ĂŒber dem Hafen zehn Drohnen abgeschossen. Deren TrĂŒmmer hĂ€tten das Feuer ausgelöst, die Löscharbeiten seien im Gange, schrieb der Gouverneur der Region, Alexander Drosdenko.
Auch im Gebiet Samara an der Wolga wurde Medienberichten zufolge wieder eine Raffinerie getroffen. Der Gouverneur Wjatscheslaw Fedoritschew bestÀtigte den Angriff, machte aber keine genaueren Angaben zu den SchÀden.
Drohnenangriff nahe Atomkraftwerk
FĂŒr Aufregung sorgten zudem Berichte ĂŒber den Abschuss einer Kampfdrohne nahe dem Atomkraftwerk im westrussischen Gebiet Kursk. Bei deren Explosion sei ein Transformator fĂŒr die Stromversorgung des Kraftwerks beschĂ€digt worden, in einem Block sei die Leistung daraufhin um die HĂ€lfte heruntergefahren worden, teilte die Kraftwerksleitung auf Telegram mit.
Insgesamt will das russische MilitĂ€r 95 ukrainische Kampfdrohnen abgeschossen haben. Auf der Gegenseite berichtet die ukrainische Flugabwehr ĂŒber 75 Drohnen und eine Rakete, die Russland zum Beschuss verwendet habe.
TrĂŒbe Aussichten auf Frieden
Die unverminderten gegenseitigen Angriffe zeigen auch, dass die Perspektiven fĂŒr einen schnellen Frieden trĂŒbe sind. Die Hoffnungen auf ein von US-PrĂ€sident Trump in Aussicht gestelltes baldiges Treffen von Selenskyj und Kremlchef Wladimir Putin sind nach einer Reaktion aus Moskau ohnehin weitgehend verflogen.
AuĂenminister Sergej Lawrow hatte erklĂ€rt, dass solch ein Treffen gut vorbereitet sein mĂŒsse und wiederholte bekannte Forderungen, die eher an die Bedingungen fĂŒr eine Kapitulation der Ukraine als an ein echtes Friedensangebot erinnern.
Wie die USA darauf reagieren, ist unklar. Selenskyj empfing am Sonntag den US-Sondergesandten Keith Kellogg in Kiew und ĂŒberreichte ihm den Verdienstorden erster Klasse. Kellogg gilt als derjenige Politiker in der US-Administration, der am meisten mit Kiew im Abwehrkampf gegen die russische Invasion sympathisiert.
Carney in Kiew
Daneben reiste auch Kanadas Premierminister Mark Carney nach Kiew. Kanada gehört der "Koalition der Willigen" an, die sich an Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine fĂŒr die Zeit nach einem möglichen Friedensabkommen beteiligen will.
BezĂŒglich jener Schutzversprechen fĂŒr sein Land hatte sich Selenskyj zuvor optimistisch gezeigt. Er gehe davon aus, dass eine entsprechende Vereinbarung in den nĂ€chsten Tagen unterzeichnet werden könne, schrieb er auf X. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass auch Russland schon in KĂŒrze solche Garantien geben wird.
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