Selenskyj hofft auf EU-BeitrittsgesprĂ€che - Die Nacht im Ăberblick
14.12.2023 - 06:00:03"Ich gehe davon aus, dass die Staats- und Regierungschefs der EU die BemĂŒhungen der Ukraine anerkennen und diesen historischen Schritt unternehmen werden", schrieb Selenskyj am Mittwoch auf seinem Telegram-Kanal. Die Ukraine habe ihren Teil der Arbeit erledigt. Er glaube, dass die EU Einigkeit und StĂ€rke demonstrieren werde, gab sich der ukrainische PrĂ€sident optimistisch, eine Einladung zum Beginn von GesprĂ€chen zu erhalten.
Bei dem an diesem Donnerstag beginnenden zweitĂ€gigen EU-Gipfel sind die Beitrittsverhandlungen fĂŒr die Ukraine eins der groĂen Themen. FĂŒr Kiew ist angesichts der anhaltenden russischen Aggression die Perspektive eines EU-Beitritts Ă€uĂerst wichtig. Allerdings gibt es innerhalb der Union noch Widerstand gegen EU-Beitrittsverhandlungen. Der ungarische Regierungschef Viktor Orban hatte in den vergangenen Wochen mehrfach deutlich gemacht, dass aus seiner Sicht derzeit keine BeschlĂŒsse zu EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine gefasst werden sollten - etwa weil das von Russland angegriffene Land noch nicht alle Reformauflagen erfĂŒllt hat.
Selenskyj schrieb am frĂŒhen Donnerstagmorgen auf der Plattform X (ehemals Twitter), er habe auch mit dem PrĂ€sidenten des EuropĂ€ischen Rats, Charles Michel, und dem neuen polnischen Regierungschef Donald Tusk telefoniert. Mit Michel habe er die "erwarteten Ergebnisse fĂŒr die Ukraine" auf dem Gipfel erörtert, die die unerschĂŒtterliche UnterstĂŒtzung und Einheit der EU unter Beweis stellen mĂŒssten. "Beides ist notwendig, um die WiderstandsfĂ€higkeit der Ukraine gegen die russische Aggression und auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft zu stĂ€rken." Mit Tusk habe er ĂŒber die anstehenden Entscheidungen auf dem Gipfel gesprochen, die die gesamte europĂ€ische Gemeinschaft zusammenbringen wĂŒrden. "Ich habe Worte aufrichtiger UnterstĂŒtzung vernommen. Wir sind stĂ€rker, wenn wir zusammen sind", schrieb Selenskyj.
Moskaus MilitÀrblogger melden Einnahme von Marjinka - Kiew dementiert
Das ukrainische MilitĂ€r dementierte die von russischen MilitĂ€rbloggern behauptete Einnahme der Stadt Marjinka im Gebiet Donezk. "Es werden weiterhin Informationen und Provokationen ĂŒber die angeblich vollstĂ€ndige Eroberung der Stadt gestreut. Die Verteidigung geht weiter", schrieb der fĂŒr diesen Frontabschnitt zustĂ€ndige ukrainische Kommandeur Olexandr Tarnawskyj am Mittwoch auf seinem Telegram-Kanal. Nach seinen Angaben setzten die russischen Besatzer ihre Sturmversuche fort. UnabhĂ€ngig prĂŒfen lassen sich die Angaben nicht.
Das schwer zerstörte Marjinka ist neben Awdijiwka einer der Schwerpunkte der russischen AngriffsbemĂŒhungen im Donbassgebiet. In den beiden der Industriemetropole Donezk vorgelagerten StĂ€dten setzen sie schwere Technik und auch die Luftwaffe ein. Donezk wird schon seit 2014 von prorussischen Separatisten kontrolliert. Laut Tarnawskyj gab es innerhalb von zwei Tagen 19 LuftschlĂ€ge auf Marjinka und Awdijiwka.
Ăber die angebliche Eroberung Marjinkas hatten bereits am Dienstag erste russische MilitĂ€rblogs wie Operazija Z berichtet. Offiziell hat das russische Verteidigungsministerium die Einnahme nicht gemeldet und stattdessen von erfolgreichen russischen Angriffen auf ukrainische Positionen im Raum Marjinka gesprochen.
Teil des Telefonnetzes wieder hergestellt
Nach mehr als 30 Stunden Totalausfall brachte der gröĂte ukrainische Mobilfunkanbieter Kyivstar offenbar erste Abonnenten wieder ans Netz. Das betrifft vor allem die Hauptstadt Kiew und andere GroĂstĂ€dte, wie ukrainische Medien am Mittwoch meldeten. In einer Mitteilung bestĂ€tigte der Konzern, dass ab 18.00 Uhr (17.00 Uhr MEZ) schrittweise das Telefonnetz wieder hergestellt werde. Kurznachrichten und mobiles Internet sollen im Laufe der nĂ€chsten 24 Stunden wieder möglich werden. Tags zuvor war nach einem beispiellosen Hackerangriff das Netz von Kyivstar komplett ausgefallen. Der Anbieter hat eigenen Angaben nach gut 24 Millionen Abonnenten. Vermutet wird ein russischer Sabotageakt.
Kadyrow prognostiziert Kriegsende bis zum Sommer
Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow sagte das Ende des Kriegs fĂŒr den nĂ€chsten Sommer voraus. "Etwa im Juni oder Juli. Wenn ich die Entscheidungsgewalt hĂ€tte, wĂ€ren wir in drei Monaten fertig", sagte Kadyrow nach Medienberichten in einem Livestream am Mittwoch. Er zeigte sich optimistisch, dass Russland seine Kriegsziele erreichen werde. Die Verzögerung erklĂ€rte er damit, dass Kremlchef Wladimir Putin den MilitĂ€rs die Aufgabe gestellt habe, die ukrainischen "StĂ€dte so wenig wie möglich zu zerstören." Russland fĂŒhrt seit mehr als 21 Monaten einen brutalen Angriffskrieg gegen sein Nachbarland und greift dabei auch regelmĂ€Ăig StĂ€dte an.
Was am Donnerstag wichtig wird
In BrĂŒssel beginnt ein zweitĂ€giger Gipfel der EuropĂ€ischen Union, von dem sich Kiew grĂŒnes Licht fĂŒr den Start von Beitrittsverhandlungen zur EU erhofft. In Moskau wird derweil Russlands PrĂ€sident Putin bei seiner Jahrespressekonferenz und BĂŒrgersprechstunde noch einmal seine Sicht auf den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine darlegen.

