ROUNDUP, Selenskyj

Selenskyj deutet neue KriegsplĂ€ne an - Die Nacht im Überblick

26.02.2024 - 06:00:06

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat zum ersten Mal seit Kriegsbeginn vor ĂŒber zwei Jahren offizielle Verlustzahlen genannt.

Demnach seien bisher 31 000 ukrainische Soldaten gefallen, berichtete Selenskyj am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Kiew. Die Verluste des russischen MilitĂ€rs bezifferte er dagegen mit 180 000 Toten und 500 000 Verwundeten. Bisher hatte keine der beiden Kriegsparteien offiziell eigene Opferzahlen genannt. Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

In einer ersten Reaktion aus Moskau wurde Selenskyj der LĂŒge bezichtigt. "Dass Selenskyj lĂŒgt, erkennt jeder Ukrainer, allen voran die Soldaten", zitierte die Staatsagentur Tass die Sprecherin des russischen Außenamtes, Maria Sacharowa. Die ukrainischen Behörden blieben bemĂŒht, die wahren Verlustzahlen zu verbergen. Zu den genannten russischen Verlusten Ă€ußerte sie sich nicht.

In einem kurzen militĂ€rischen RĂŒckblick auf das Vorjahr gestand Selenskyj den Misserfolg der Herbstoffensive seiner StreitkrĂ€fte ein. Diese war unter anderem an einer tief gestaffelten russischen Abwehr und tiefen Minenfeldern zerschellt. "Und ich kann es offen zugeben - unsere Gegenoffensive lag schon auf dem Tisch im Kreml, noch ehe sie begann", deutete er Verrat an. Daher wolle er auch nicht weiter ĂŒber die nĂ€chsten PlĂ€ne reden. "Je weniger Leute davon wissen, desto schneller kommen der Erfolg und unerwartete Ergebnisse fĂŒr die Russen."

Allerdings hĂ€nge bei der Planung vieles von den Partnern der Ukraine ab. "Aber die Hauptsache ist, ĂŒberhaupt einen Plan zu haben, sagte Selenskyj. "Und den Plan gibt es."

Russen erschießen angeblich sieben ukrainische Kriegsgefangene

Russische Truppen sollen nach offizieller Darstellung aus Kiew sieben ukrainische Kriegsgefangene erschossen haben. Die Hinrichtung sei am Samstag in der NĂ€he der von Russen eroberten Stadt Bachmut im Osten des Landes erfolgt, berichtete der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez, am Sonntagabend auf Telegram. Er berief sich dabei auf eine Videoaufnahme, die ukrainische Soldaten "mit erhobenen HĂ€nden" bei der Kapitulation zeige. "Die Russen sollten sie gefangen nehmen, erschossen sie aber stattdessen gnadenlos." Die Angaben aus Kiew konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

"Eine solche Hinrichtung ist ein Kriegsverbrechen", schrieb Lubinez weiter. Dieser Fall mĂŒsse als eine weitere Verletzung des humanitĂ€ren Völkerrechts durch Russland registriert werden, forderte er.

Erst vor wenigen Tagen war russischen Soldaten vorgeworfen worden, sie hĂ€tten bei der Einnahme von Awdijiwka mindestens sechs verwundete ukrainische Soldaten hingerichtet, die nicht rechtzeitig evakuiert werden konnten. Auch in diesem Fall berief sich Kiew auf Videoaufnahmen einer Drohne. Auch dieser Vorwurf konnte nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Neue russische Raketen- und Drohnenangriffe

Eine Serie von Explosionen erschĂŒtterte indes am Sonntagabend die Vororte der ostukrainischen Großstadt Dnipro. Nach Angaben der örtlichen MilitĂ€rverwaltung soll die russische Armee die Region mit mehreren Raketen beschossen haben. Mindestens vier Menschen seien dabei verletzt und mehrere HĂ€user zerstört worden.

Am spĂ€ten Abend wurde in der Region Dnipro sowie im benachbarten Charkiw Luftalarm ausgelöst. Anlass waren Erkenntnisse der LuftaufklĂ€rung ĂŒber anfliegende Kampfdrohnen.

Macron organisiert Ukraine-Konferenz - MilitÀrhilfe im Fokus

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron organisiert an diesem Montag in Paris eine internationale UnterstĂŒtzerkonferenz fĂŒr die Ukraine. Dazu werden 20 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter nach Angaben des ÉlysĂ©e-Palasts auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Weitere LĂ€nder sind auf Ministerebene an dem Treffen zwei Jahre nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine beteiligt. Angesichts der militĂ€risch schwierigen Lage der Ukraine gehe es bei dem Arbeitstreffen darum, die dringend nötige Verteidigungshilfe fĂŒr die Ukraine besser zu koordinieren und Russland gegenĂŒber ein Signal der europĂ€ischen Einheit und Entschlossenheit zu senden, hieß es in Paris. Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj soll per Videoschalte an dem Treffen teilnehmen.

Die Zukunft Europas stehe in der Ukraine auf dem Spiel, sagte ein PrĂ€sidentenberater in Paris vor dem kurzfristig organisierten Treffen. Entsprechend mĂŒsse die militĂ€rische Hilfe der EuropĂ€er der angespannten Lage an der Front in der Ukraine gerecht werden. Es gebe eine VerhĂ€rtung des russischen Auftretens und Russland gewinne zu viel Raum. Das Land aber dĂŒrfe den Krieg nicht gewinnen und die StabilitĂ€t Europas dĂŒrfe nicht noch mehr leiden.

Im laufenden Jahr soll die Ukraine von Frankreich MilitÀrhilfe im Umfang von bis zu drei Milliarden Euro erhalten, Deutschland will fast acht Milliarden Euro an Hilfe bereitstellen.

Das wird am Montag wichtig

WĂ€hrend in Paris die UnterstĂŒtzerkonferenz fĂŒr die Ukraine tagt, sind entlang der Fronten in dem von Russland angegriffenen Land neue schwere KĂ€mpfe zu erwarten.

@ dpa.de