ROUNDUP, Selenskyj

Selenskyj fordert Putin zu persönlichem Treffen auf

12.05.2025 - 06:35:00

Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj ist mit seinem GesprÀchsangebot an Kremlchef Wladimir Putin in die Offensive gegangen.

"Ich werde am Donnerstag auf Putin in der TĂŒrkei warten, persönlich", schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Kurz zuvor war Selenskyj von US-PrĂ€sident Donald Trump zur Teilnahme an den von Putin angebotenen GesprĂ€chen gedrĂ€ngt worden. Der russische PrĂ€sident hatte die Wiederaufnahme direkter FriedensgesprĂ€che in der TĂŒrkei ab Donnerstag vorgeschlagen, allerdings nicht explizit gesagt, dass er selbst dazu anreisen wĂŒrde. Selenskyj Ă€ußerte die Hoffnung, "dass die Russen keine Ausreden suchen".

Trump hatte argumentiert, nur wenn der ukrainische Staatschef den GesprĂ€chen zustimme, wĂŒssten Kiew, die europĂ€ischen Partner und die USA, woran sie seien und könnten entsprechend handeln. Der Republikaner Ă€ußerte auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social zugleich Zweifel daran, dass Putin ein Friedensabkommen schließen wolle. Dieser sei zu sehr damit beschĂ€ftigt, "den Sieg im Zweiten Weltkrieg zu feiern". Trump spielte damit auf die Parade in Moskau zum Tag des Sieges ĂŒber Nazi-Deutschland am Freitag an.

Selenskyj unterstrich in seinem Post, dass die Ukraine ab Montag eine "volle und dauerhafte Feuerpause" erwarte, um eine notwendige Grundlage fĂŒr die Diplomatie zu schaffen. "Es hat keinen Sinn, das Töten fortzusetzen." Nun werde eine Reaktion Moskaus erwartet. "Die ganze Welt spricht darĂŒber, wir erwarten von Russland eine klare Antwort." Selenskyj kĂŒndigte in seiner abendlichen Videoansprache an, die ukrainischen StreitkrĂ€fte wĂŒrden unterdessen reziprok auf das Verhalten der russischen Truppen reagieren, "damit es fair zugeht".

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha nannte den Vorstoß Selenskyjs das Handeln "eines wahren AnfĂŒhrers". "Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die russische Seite auch nur einen Funken eines derartigen Mutes besitzt", schrieb er auf der Plattform X.

Eine Antwort aus dem Kreml auf Selenskyjs GesprÀchsbereitschaft sowie zu den Forderungen nach einer Feuerpause stand vorerst aus.

TĂŒrkei will GesprĂ€che ausrichten

Die TĂŒrkei hat sich bereiterklĂ€rt, die FriedensgesprĂ€che zwischen Russland und der Ukraine auszurichten. Bereits 2022 kurz nach Kriegsbeginn hatten Russland und die Ukraine in Istanbul letztlich erfolglose Verhandlungen ĂŒber ein Ende der Kampfhandlungen gefĂŒhrt.

Hoffen und Warten auf Feuerpause

Die USA, Europa und auch die Ukraine warten, ob Russland der Forderung nach einer sofortigen, 30-tĂ€gigen Feuerpause als Vorbedingung und Voraussetzung fĂŒr FriedensgesprĂ€che nachkommt. "Wir erwarten von Moskau, dass es jetzt einem Waffenstillstand zustimmt, der echte GesprĂ€che ĂŒberhaupt erst ermöglichen kann", erklĂ€rte Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Besuch in Kiew am Wochenende. "Erst mĂŒssen die Waffen schweigen, dann können GesprĂ€che beginnen."

Die Bundesregierung beharrt auf diesem Punkt. "Dass die Reihenfolge so sein muss, erst der Waffenstillstand und dann die GesprĂ€che, das gebietet ja eigentlich schon der gesunde Menschenverstand", sagte Kanzleramtschef Thorsten Frei in der ARD-Sendung "Caren Miosga". "Also, man braucht jetzt schon ein glaubwĂŒrdiges Zeichen, dass es einen echten Willen gibt, dass solche GesprĂ€che nicht nur stattfinden, sondern auch zum Erfolg fĂŒhren."

Russland hat bisher keine Bereitschaft gezeigt, dieser Forderung nachzukommen. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte in einem Interview des US-Senders ABC zu Bedenken gegeben, die Ukraine könne eine Waffenruhe "missbrauchen", um VerstÀrkungen an die Front zu bringen und neue Waffen aus dem Ausland zu erhalten.

Merz, der britische Premierminister Keir Starmer, der französische PrÀsident Macron und Polens MinisterprÀsident Donald Tusk hatten mit Selenskyj ultimativ eine Waffenruhe von Russland ab diesem Montag gefordert. Andernfalls drohten Russland weitere Sanktionen.

Ukraine-Konferenz in London: Waffenruhe oder Sanktionen

In London könnten die angedrohten Sanktionen bereits heute auf der Tagesordnung stehen. Bundesaußenminister Johann Wadephul nimmt dort an einer weiteren Konferenz zum Krieg in der Ukraine teil. Der britische Außenminister David Lammy empfĂ€ngt neben dem deutschen Spitzenpolitiker Vertreter aus Frankreich, Italien, Spanien, Polen und der EU sowie den ukrainischen Außenminister Sybiha.

Die Konferenz der sogenannten Weimar+-Gruppe, einer Erweiterung des Weimarer Dreiecks aus Deutschland, Frankreich und Polen, folgt auf den Besuch europÀischer Staatschefs am Samstag in Kiew.

Lammy betonte die Bedeutung der Ukraine-Konferenz fĂŒr die "kollektive Sicherheit" Europas. "Die Herausforderung, vor der wir heute stehen, betrifft nicht nur die Zukunft der Ukraine - sie ist fĂŒr Europa als Ganzes existenziell", wurde er in einer Mitteilung des britischen Außenministeriums zitiert. Die Ukraine habe das Recht auf einen "gerechten und dauerhaften Frieden", hieß es dort weiter. Die europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs mĂŒssten dies unerschĂŒtterlich unterstĂŒtzen.

Neue KĂ€mpfe in der Ostukraine

Nach Ablauf der von Putin angeordneten dreitÀgigen Feuerpause waren unterdessen am Sonntag im Osten der Ukraine neue KÀmpfe ausgebrochen. Nach Darstellung des ukrainischen Generalstabs in Kiew traten russische Truppen zu 67 Angriffen an verschiedenen Frontabschnitten an. Aus den Vororten von Charkiw wurden russische Luftangriffe gemeldet. Am Abend und in der Nacht gab es erneut vielerorts Luftalarm.

Auch Russland meldete ukrainische Angriffe.

@ dpa.de