Selenskyj, Ukraine-Konferenz

Selenskyj bei Ukraine-Konferenz in Berlin - Rede im Bundestag

11.06.2024 - 06:26:19

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj ist nach Deutschland gereist und wird an diesem Dienstag zu einer internationalen Wiederaufbaukonferenz fĂŒr sein Land in Berlin erwartet.

Er will die Veranstaltung zusammen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eröffnen. Am Nachmittag will der Staatschef des von Russland angegriffenen Landes zudem erstmals persönlich eine Rede im Bundestag halten. Es ist sein dritter Berlin-Besuch seit Beginn der russischen Invasion vor mehr als zwei Jahren.

Selenskyj teilte am spĂ€ten Montagabend auf der Plattform X mit, dass er eingetroffen sei. "Angesichts von Russlands Luftterror werden dringende Lösungen fĂŒr den ukrainischen Energiesektor unsere TopprioritĂ€t sein", schrieb der PrĂ€sident.

2000 Teilnehmer aus 60 LĂ€ndern

Zu der Wiederaufbaukonferenz werden etwa 2000 Vertreter aus etwa 60 LĂ€ndern erwartet. Es ist keine Geberkonferenz, bei der Geld fĂŒr den Wiederaufbau gesammelt werden soll, sondern es geht vielmehr um die Vernetzung der relevanten Akteure aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen. Ziel ist es Initiativen zur Unternehmensförderung oder FachkrĂ€fteausbildung auf den Weg zu bringen.

"Diese Konferenz zeigt, dass ein starkes BĂŒndnis hinter der Ukraine steht", sagte Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Es sei auch unter Kriegsbedingungen schon wichtig, den Wiederaufbau anzugehen.

Schulze sagte: "Die Ukraine hat keine Wahl. Sie kann nicht warten, bis der Krieg endet. Die Menschen brauchen jetzt ein Dach ĂŒber dem Kopf, Strom, Wasser und KrankenhĂ€user." Das Land brauche auch die zivile UnterstĂŒtzung, um in dem Krieg bestehen zu können.

Das Treffen findet auf dem Berliner Messe-GelÀnde statt. Zu Ehren der Ukraine wurde der dortige Funkturm, ein 147 Meter hohes Wahrzeichen der Hauptstadt, in der Nacht zu Dienstag in den Landesfarben Blau und Gelb angestrahlt. Am Dienstag- und Mittwochabend soll zusÀtzlich auch der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz jeweils bis 24 Uhr in den Farben der Ukraine erstrahlen.

Wiedersehen im Bundestag - diesmal live

Selenskyj teilte zu seinem Besuch mit, es seien auch GesprĂ€che mit Scholz geplant. Mit dem Kanzler wolle er ĂŒber die weitere UnterstĂŒtzung bei der Verteidigung, ĂŒber den Ausbau der ukrainischen Flugabwehr und die gemeinsame Waffenproduktion sprechen. Vor der am 15. und 16. Juni in der Schweiz geplanten Friedenskonferenz sollten auch Positionen abgestimmt werden. Geplant seien zudem Treffen mit BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas. Besuchen will Selenskyj auch einen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt, auf dem ukrainische Soldaten ausgebildet werden.

Im Bundestag hatte Selenskyj bereits am 17. MĂ€rz 2022, drei Wochen nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, zu den Abgeordneten gesprochen. Damals wurde er aber per Video live in den Plenarsaal zugeschaltet und flehte den Bundeskanzler geradezu um mehr militĂ€rische UnterstĂŒtzung an: "Lieber Herr Bundeskanzler Scholz, reißen Sie diese Mauer nieder. Geben Sie Deutschland die FĂŒhrungsrolle, die Deutschland verdient."

Deutschland zweitwichtigster UnterstĂŒtzer der Ukraine

Inzwischen ist Deutschland der zweitwichtigste UnterstĂŒtzer der Ukraine nach den USA, was die militĂ€rische und finanzielle Hilfe angeht. Kanzler Scholz lĂ€sst dennoch weiter WĂŒnsche der Ukraine offen. So will er keine Taurus-Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 Kilometern liefern und ist anders als der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron strikt dagegen, Nato-Soldaten in die Ukraine zu schicken. Macron hatte in der vergangenen Woche angekĂŒndigt, zusammen mit anderen LĂ€ndern MilitĂ€rausbilder in das Kriegsgebiet entsenden zu wollen.

Neben Deutschland wollen sich auch die USA nicht beteiligen. Scholz hatte sich am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Duisburg auch dagegen ausgesprochen, dass andere Nato-LĂ€nder Soldaten in die Ukraine schicken. "Es wird von unseren LĂ€ndern keine Soldaten in der Ukraine geben und auch nicht von der Nato", sagte er.

Auftakt einer Gipfel-Serie

Die Konferenz ist Auftakt einer ganzen Serie von Gipfeln, die sich mit der Ukraine befassen. Nach der Wiederaufbaukonferenz findet der G7-Gipfel im sĂŒditalienischen Apulien statt. Dabei wird es unter anderem darum gehen, wie eingefrorenes russisches Vermögen zur UnterstĂŒtzung der Ukraine genutzt werden kann.

Anschließend geht es fĂŒr Scholz und auch Selenskyj weiter zur Ukraine-Friedenskonferenz in der Schweiz, zu der sich nach Angaben der Regierung in Bern bislang rund 40 Staats- und Regierungschefs angemeldet haben. Eingeladen waren rund 160. Weitere gut 40 Staaten sollen mit anderen hohen Regierungsvertretern dabei sein.

Es ist zwar das erste derartig hochrangige internationale Treffen zum Thema Frieden in der Ukraine, aber es geht nicht um Friedensverhandlungen. Russland, das die Ukraine im Februar 2022 ĂŒberfallen hat, ist nicht dabei. LĂ€nder wie China und andere, die Russland nahestehen, haben die Einladung deshalb ausgeschlagen. Moskau hat das Treffen als westliche Propagandaveranstaltung zur UnterstĂŒtzung der Ukraine abgetan.

Rheinmetall und Ukraine eröffnen Panzer-Reparaturbetrieb

Derweil eröffneten der deutsche RĂŒstungskonzern Rheinmetall und die Ukraine nach Angaben aus Kiew einen ersten gemeinsamen Panzer-Reparaturbetrieb und eine ProduktionsstĂ€tte. Es seien die SchlĂŒssel zur Werkstatt fĂŒr die Reparatur und Wartung des SchĂŒtzenpanzers Marder ĂŒbergeben worden, teilte das ukrainische Ministerium fĂŒr strategische Industriezweige in Kiew mit. "Die Eröffnung einer gemeinsamen ProduktionsstĂ€tte mit Rheinmetall ist nicht nur ein Schritt zum Sieg der Ukraine, sondern auch eine wichtige Etappe beim Aufbau des Arsenals der freien Welt", sagte Minister Olexandr Kamyschin einer Mitteilung zufolge.

@ dpa.de