Selenskyj schlÀgt Moskau neue Friedensverhandlungen vor
20.07.2025 - 08:05:00Der SekretĂ€r des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Rustem Umjerow, habe Moskau ein Treffen in der nĂ€chsten Woche vorgeschlagen, teilte Selenskyj in einer in Kiew verbreiteten Videobotschaft mit. Die Ukraine sei zu einem Treffen auf FĂŒhrungsebene bereit. Ein genaues Datum nannte Selenskyj nicht.
Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete, eine Quelle aus dem Umfeld des russischen Verhandlungsteams habe bestĂ€tigt, den Vorschlag Kiews fĂŒr ein Treffen erhalten zu haben. Russland hatte zuletzt immer wieder die Bereitschaft erklĂ€rt, die im FrĂŒhjahr begonnenen GesprĂ€che in Istanbul fortzusetzen. Die letzte Runde endete Anfang Juni schnell, nachdem die russischen und ukrainischen Delegierten ihr Treffen nach knapp einer Stunde abgebrochen hatten. UrsprĂŒnglich hatte Moskau eine neue Verhandlungsrunde bereits in der zweiten Juni-HĂ€lfte erwartet.
Selenskyj: Alles tun, um Waffenruhe zu erreichen
Selenskyj sagte, das auch ein neuer Austausch von Gefangenen vorgesehen sei. Darauf hatten sich die Kriegsparteien bei ihren ersten Verhandlungsrunden geeinigt. Der ukrainische PrĂ€sident hatte Umjerow, der zuletzt als Verteidigungsminister die GesprĂ€che fĂŒhrte, aufgefordert, die Verhandlungsdynamik zu erhöhen. Es mĂŒsse alles getan werden, um eine Waffenruhe zu erreichen, sagte er. "Die Ukraine ist zu einem solchen Treffen bereit."
Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte erst am Freitag begrĂŒĂt, dass Selenskyj erklĂ€rt hatte, dass der Verhandlungsprozess mehr Dynamik brauche. "Das ist ein positives Signal. Und hier sind wir uns absolut einig: Wir sind auch dafĂŒr, den Verhandlungsprozess zu beschleunigen", sagte Peskow.
Die Ukraine und Russland hatten im FrĂŒhjahr ihre direkten Verhandlungen in Istanbul fĂŒr eine mögliche Beendigung des Moskauer Angriffskrieges wieder aufgenommen - erstmals seit 2022. Dabei gab es bisher vor allem humanitĂ€re Aktionen wie den Austausch von Kriegsgefangenen und die RĂŒckgabe von Soldatenleichen. Eine von der Ukraine geforderte volle und bedingungslose Waffenruhe ist aber nicht in Sicht.
Trump hat Druck erhöht
Russland fĂŒhrt seit mehr als drei Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. FĂŒr eine Beendigung der Invasion stellt Moskau Maximalforderungen, die Kiew kategorisch ablehnt. Zu den russischen Bedingungen gehören etwa der Verzicht Kiews auf einen Nato-Beitritt und die Anerkennung der von Moskau annektierten Gebiete.
Anfang der Woche hatte auch US-PrĂ€sident Donald Trump den Druck gegenĂŒber Russland erhöht und eine Waffenruhe innerhalb von 50 Tagen gefordert. Er drohte Moskau dabei mit Sanktionen und Strafzöllen, inklusive StrafgebĂŒhren fĂŒr Russlands Handelspartner.
Russland meldet weitere Drohnenangriffe auf Moskau
Derweil meldete Russland in der Nacht weitere ukrainische Drohnenangriffe auf die Hauptstadt Moskau. Mindestens 14 Drohnen seien abgeschossen worden, schrieb BĂŒrgermeister Sergej Sobjanin auf Telegram. Helfer seien in den Gebieten im Einsatz, in denen TrĂŒmmer herabgestĂŒrzt seien. ZunĂ€chst gab es aber keine Berichte ĂŒber schwere SchĂ€den oder Verletzte.
Aus SicherheitsgrĂŒnden wurde vorĂŒbergehend der Flugverkehr auf den vier Moskauer FlughĂ€fen Scheremetjewo, Domodedowo, Wnukowo und Schukowski vorĂŒbergehend eingestellt, wie die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Luftfahrtbehörde Rosawiazija berichtete.
Bereits am Samstag hatte die Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen Moskaus Angriffskrieg auch Ziele in Russland mit Drohnen angegriffen. Sobjanin meldet inzwischen tÀglich ukrainische Drohnenangriffe.
Die Ukraine will mit den Angriffen auf Ziele im russischen Hinterland vor allem den militÀrischen Nachschub des Gegners treffen. Die SchÀden und Opfer infolge der ukrainischen Angriffe stehen in keinem VerhÀltnis zu den vielen Toten und Verletzten sowie schweren Zerstörungen durch die russischen Attacken.
Ukraine: Elf verschleppte Kinder und Jugendliche kehren zurĂŒck
Elf im Krieg von Russland verschleppte Kinder und Jugendliche kehrten nach ukrainischen Angaben in ihre Heimat zurĂŒck. Das jĂŒngste der zurĂŒckgebrachten Kinder ist zehn Jahre alt, das Ă€lteste 17, wie der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez auf Telegram mitteilte. Damit seien seit Beginn der russischen Invasion 1.453 Kinder aus den besetzten Gebieten und Russland zurĂŒckgebracht worden. Die Angaben konnten unabhĂ€ngig zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒft werden.
Russland wird vorgeworfen, durch die gewaltsame Verschleppung absichtlich die IdentitĂ€t ukrainischer Kinder zu zerstören und tiefe emotionale und psychologische Traumata zu verursachen. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat wegen der Verschleppung Haftbefehle gegen den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin und dessen Kinderbeauftragte Maria Lwowa-Belowa erlassen. Russland weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck.

