Putin-GesprÀch, Orban

Nach Putin-GesprĂ€ch: Orban schließt russischen Angriff auf Nato aus

08.07.2024 - 13:03:46

Der ungarische MinisterprĂ€sident Viktor Orban hĂ€lt es fĂŒr ausgeschlossen, dass Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin einen Angriff auf die Nato beabsichtigt.

"Kein ernsthafter Mensch kann davon sprechen, dass Russland die Absicht hat, die Nato anzugreifen", sagte Orban der "Bild"-Zeitung. Die Nato anzugreifen sei - nicht nur fĂŒr Russland, sondern fĂŒr irgendjemanden auf der Welt - völlig unmöglich, da sie die bei weitem stĂ€rksteMilitĂ€rgemeinschaft sei, sagte Orban.

Voraussetzung sei allerdings, dass die Einheit der Nato erhalten bleibe und Artikel fĂŒnf des Nato-Vertrages von allen respektiert werde. Dieser regelt die Beistandsverpflichtung in der Allianz und besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere Alliierte als ein Angriff gegen alle angesehen wird. Orban verwies laut "Bild" zudem auf die vielen Probleme, die Russland an der Front bereits mit der Ukraine habe.

Die Russen hĂ€tten eine andere Geschichte und Kultur sowie ein unterschiedliches VerstĂ€ndnis von Freiheit und nationaler SouverĂ€nitĂ€t als die EuropĂ€er, sagte Orban weiter. "Aber sie sind rational, sie sind hyperrational", meinte er. Auf den Einwand, dass der Überfall auf die Ukraine nicht rational gewesen sei, entgegnete er: "IrrationalitĂ€t ist etwas anderes, als sich bei einer rationalen Kalkulation zu verrechnen."

Orban: Stelle Fragen und sammle Informationen

Nach Besuchen in Kiew und in Moskau vergangene Woche war Orban am Montag in China und traf Staats- und Parteichef Xi Jinping. Auf der als "Friedensmission" inszenierten Reise hatte Orban neben dem ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj auch Putin getroffen.

Über seine viel kritisierte Reise nach Moskau sagte Orban, dessen Land seit Anfang Juli die EU-RatsprĂ€sidentschaft innehat: "Die EU-RatsprĂ€sidentschaft kann es sich einfach nicht leisten, sich nicht mit der Frage zu beschĂ€ftigen, wie man dem Frieden nĂ€her kommen kann." Er betonte, nicht zu verhandeln, weil er kein Mandat dazu habe. "Ich versuche, den europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs die Chance auf einen Frieden vor Augen zu fĂŒhren." Er stelle Fragen, sammele Informationen und werde darĂŒber berichten.

Erneut Lobrede ĂŒber Trump

Mit Blick auf die US-PrĂ€sidentschaftswahl im November sagte Orban, er gehe davon aus, dass US-PrĂ€sident Joe Biden kein weiteres Mal ins Weiße Haus einziehen werde. Er streute dem republikanischen PrĂ€sidentschaftsbewerber Donald Trump gleichzeitig erneut Rosen. "Er ist ein GeschĂ€ftsmann, er ist ein Self-Made-Mann, er hat eine andere Herangehensweise an alles. Und ich glaube: Das ist gut fĂŒr die Weltpolitik", meinte Orban. "Vergessen wir nicht, dass er der Mann des Friedens ist." WĂ€hrend seiner vierjĂ€hrigen Amtszeit habe Trump keinen einzigen Krieg begonnen und viel getan, um Frieden in alten Konflikten zu schaffen.

Trump und Orban halten regelmĂ€ĂŸig öffentliche Lobreden ĂŒbereinander. Orban war der einzige Regierungschef eines EU-Landes, der sich bereits vor Trumps Wahl zum PrĂ€sidenten 2016 offen zur UnterstĂŒtzung des Republikaners bekannte. Die beiden Rechtspopulisten haben politisch viel gemeinsam.

@ dpa.de