Rekorderlös, Emissionshandel

Rekorderlös aus Emissionshandel: 18,5 Milliarden Euro

07.01.2025 - 05:00:37 | dpa.de

Der Verkauf von CO2-Zertifikaten hat dem Staat 2024 erneut Milliarden gebracht. Damit werden Klimaschutzprojekte gefördert. Das Umweltbundesamt regt zudem einen Finanzausgleich fĂŒr Privatleute an.

  • Das Recht, das Treibhausgas Kohlendioxid in die Umwelt auszustoßen, kostet in Deutschland und Europa Geld. Im vorigen Jahr kam eine Rekordsumme zusammen. (Symbolbild) - Foto: Oliver Berg/dpa
    Das Recht, das Treibhausgas Kohlendioxid in die Umwelt auszustoßen, kostet in Deutschland und Europa Geld. Im vorigen Jahr kam eine Rekordsumme zusammen. (Symbolbild) - Foto: Oliver Berg/dpa
  • Der Kauf von Elektrobussen wird mit Geld gefördert, das unter anderem aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten stammt. (Symbolbild) - Foto: Marcus Brandt/dpa
    Der Kauf von Elektrobussen wird mit Geld gefördert, das unter anderem aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten stammt. (Symbolbild) - Foto: Marcus Brandt/dpa
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Die Einnahmen Deutschlands aus dem Verkauf von Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten haben 2024 eine Rekordhöhe erreicht. Sie summierten sich auf 18,5 Milliarden Euro und lagen damit rund 100 Millionen Euro höher als 2023, wie die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) in Berlin mitteilte. Die DEHSt gehört zum Umweltbundesamt (UBA).

Einnahmen fließen in Klima- und Transformationsfonds

Das Geld fließt vollstĂ€ndig in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), aus dem Energiewende- und Klimaschutz-Maßnahmen finanziert werden. Mit dem Geld wird etwa die energetische GebĂ€udesanierung gefördert, die Dekarbonisierung der Industrie, die Wasserstoffwirtschaft und der Ausbau der Ladeinfrastruktur fĂŒr Elektroautos. Konkret bezuschusst wird zum Beispiel der Kauf von Bussen mit alternativen Antrieben durch Verkehrsbetriebe.

Die Bepreisung von Treibhausgasen soll Wirtschaft und Verbrauchern einen Anreiz geben, weniger fossile Brennstoffe zu verwenden. Es gibt ein europĂ€isches und ein nationales Handelssystem. Kraftwerke, große Industrieanlagen, der innereuropĂ€ische Luftverkehr sowie 2024 erstmals der Seeverkehr benötigen die europĂ€ischen Berechtigungen. Pro Tonne ausgestoßenem CO2 mĂŒssen sie ein Zertifikat bei der Emissionshandelsstelle abgeben. Erwerben können sie diese Verschmutzungsrechte unter anderem bei Versteigerungen an der Energiebörse in Leipzig. 

Rund 5,5 Milliarden Euro wurden 2024 im europĂ€ischen Handel erlöst, das sind rund 28 Prozent weniger als 2023. Der durchschnittliche Preis der europĂ€ischen Emissionszertifikate ging von knapp 84 Euro auf 65 Euro je Tonne zurĂŒck. Als HauptgrĂŒnde fĂŒr den RĂŒckgang sieht die DEHSt etwa die gesunkene Nachfrage durch Kohlekraftwerksbetreiber sowie eine insgesamt «durchwachsene wirtschaftliche Entwicklung in der EU». Im europĂ€ischen Emissionshandel wird die Menge der zugeteilten Emissionsberechtigungen jĂ€hrlich gesenkt, um die Emissionen schrittweise immer stĂ€rker zu begrenzen.

Nationaler Emissionshandel brachte 13 Milliarden Euro

Die Einnahmen aus dem nationalen Emissionshandel fĂŒr WĂ€rme und Verkehr stiegen um 21 Prozent auf 13 Milliarden Euro. Die sogenannte CO2-Abgabe wird unter anderem auf Benzin, Diesel, Heizöl, FlĂŒssig- und Erdgas erhoben. Seit 2024 fĂ€llt sie auch bei der Verbrennung von AbfĂ€llen an. Bezahlen mĂŒssen sie etwa Gaslieferanten oder Unternehmen der Mineralölindustrie. Sie reichen sie dann an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiter. Im Unterschied zu den europĂ€ischen Zertifikaten werden die nationalen derzeit nicht verknappt.

Der CO2-Preis im nationalen Emissionshandel betrug im vorigen Jahr 45 Euro je Tonne. Zu Jahresbeginn 2025 wurde er auf 55 Euro angehoben. FĂŒr dieses Jahr geht die DEHSt entsprechend von höheren Erlösen im nationalen Handel aus.

Ab 2026 soll sich der nationale Preis zunÀchst in einem Korridor und dann frei am Markt bilden wie schon jetzt im europÀischen Handelssystem. Experten rechnen dann mit deutlich höheren CO2-Preisen als zurzeit. 

Die beiden Handelssysteme beziehen sich grundsĂ€tzlich auf unterschiedliche Sektoren. Einige Unternehmen werden allerdings aufgrund ihrer breiten Handlungsfelder von beiden Systemen erfasst. FĂŒr diesen Fall gibt es Mechanismen, die eine Doppelbelastung ausschließen.

UBA-PrĂ€sident fordert Klimageld als Ausgleich fĂŒr Haushalte

Die CO2-Bepreisung könne maßgebliche Impulse fĂŒr den klimaschonenden Umbau der Gesellschaft setzen, erklĂ€rte UBA-PrĂ€sident Dirk Messner. Dabei komme den Erlösen aus dem Emissionshandel eine entscheidende Rolle zu. Diese Mittel mĂŒssten zielgerichtet fĂŒr eine sozial- und wirtschaftspolitische Flankierung der klimaneutralen Transformation eingesetzt werden. «Um einen Ausgleich fĂŒr die privaten Haushalte auch bei weiter steigenden CO2-Preisen sicherzustellen, brauchen wir jetzt rasch ein Klimageld in Kombination mit Förderprogrammen fĂŒr besonders betroffene Bevölkerungsgruppen», fĂŒhrte Messner aus.

«2024 war ein gutes Jahr fĂŒr den Emissionshandel, aber es bleibt noch viel zu tun», sagte der Chef der Emissionshandelsstelle, Daniel Klingenfeld, der Deutschen Presse-Agentur dpa. So seien etwa deutlich mehr CO2-Einsparungen im Verkehrssektor nötig. Dies könne durch den Ausbau der ElektromobilitĂ€t, den Abbau des Dienstwagenprivilegs sowie anderer klimaschĂ€dlicher Subventionen geschehen, schlug er vor.

Bayern fordert Beteiligung der BundeslÀnder an Erlös

Aus Sicht von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber mĂŒssen die BundeslĂ€nder an den deutschen Einnahmen aus dem Verkauf von Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten beteiligt werden. Mindestens 25 Prozent der Erlöse mĂŒssten an die LĂ€nder gehen, sagte der Freie-WĂ€hler-Politiker in MĂŒnchen. «Die LĂ€nder mĂŒssen mit zusĂ€tzlichen finanziellen Mitteln ausgestattet werden, um Klimaschutzmaßnahmen vor Ort substanziell fördern zu können. Hier muss die neue Bundesregierung wichtige Weichen stellen.»

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