Warnstreik bremst Tausende ZĂŒge aus - DB blickt auf Freitag
16.11.2023 - 11:51:08 | dpa.de
Nach dem Warnstreik der LokomotivfĂŒhrergewerkschaft GDL mit Tausenden ZugausfĂ€llen am Donnerstag setzt die Deutsche Bahn auf einen guten Start im Schienenverkehr am Freitag. «Unsere ganze PrioritĂ€t liegt darauf, morgen, an diesem wichtigen Freitag, den Verkehr wieder in Gang zu bringen», sagte der Bahn-Sprecher Achim StauĂ am Donnerstag am Berliner Hauptbahnhof.
Der Warnstreik fĂŒhrt seit Mittwochabend zu Tausenden von ZugausfĂ€llen. Im Fernverkehr ist die DB mit einem Notfahrplan unterwegs, der lediglich rund 20 Prozent der eigentlich geplanten Verbindungen enthĂ€lt.
Im Regionalverkehr waren die Auswirkungen des Warnstreiks unterschiedlich, in einigen Regionen fuhr am Donnerstagmorgen zunĂ€chst so gut wie kein Zug mehr. Gegen 10.45 Uhr teilte die Bahn dann mit, dass inzwischen bis auf sehr wenige regionale Ausnahmen Â«ĂŒberall ein zumindest eingeschrĂ€nktes Zugangebot» sichergestellt sei. «Zum Teil fĂ€hrt ein Busnotverkehr», hieĂ es.
Die GDL will mit dem frĂŒhen Arbeitskampf im noch jungen Tarifkonflikt eigenen Angaben zufolge dafĂŒr sorgen, dass DB-Personalvorstand Martin Seiler auch ĂŒber das Thema ArbeitszeitverkĂŒrzung verhandelt. Diese ist eine Kernforderung der Gewerkschaft: Die GDL will fĂŒr Schichtarbeiter eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn aushandeln. Zurzeit liegt die Wochenarbeitszeit bei 38 Stunden.
Weselsky: Lasse mir Eskalation nicht in die Schuhe schieben
Seiler lehnt Verhandlungen ĂŒber dieses Thema ab, weil er die Forderung auch angesichts des FachkrĂ€ftemangels fĂŒr nicht umsetzbar hĂ€lt. Dem Manager zufolge brauchte die Bahn dann deutlich mehr BeschĂ€ftigte, die kaum zu finden seien.
Weselsky kritisierte diese Haltung scharf, weil so kein Kompromiss zu erzielen sei. «Ich lasse mir nicht in die Schuhe schieben, dass wir eskalieren, wenn die andere Seite sagt: "Ich verhandele mit Ihnen nicht ĂŒber die Wochenarbeitszeit und ich verhandele mit Ihnen nicht ĂŒber TarifvertrĂ€ge fĂŒr Fahrdienstleiter"», sagte Weselsky dem Radiosender WDR5.
DB-Sprecher: Lösungen durch Verhandlungen finden
Wann weiterverhandelt wird, ist ungeklĂ€rt. Die eigentlich fĂŒr diesen Donnerstag und Freitag geplante zweite Verhandlungsrunde hat die Bahn abgesagt. «Entweder man streikt, oder man verhandelt. Beides gleichzeitig geht nicht», sagte Seiler am Mittwoch zur BegrĂŒndung. Die nĂ€chsten vereinbarten Termine sind der 23. und 24. November. Ob an diesen Tagen tatsĂ€chlich verhandelt wird, blieb aber zunĂ€chst offen.
Bahn-Sprecher StauĂ appellierte an die GDL, ohne Streiks zu verhandeln: «Der heutige Streik ist verantwortungslos, das ist eine Zumutung fĂŒr unsere FahrgĂ€ste. Wir mĂŒssen am Verhandlungstisch zu Lösungen kommen, nicht durch Streiks», sagte StauĂ.
Neben einer ArbeitszeitverkĂŒrzung fordert die GDL fĂŒr die BeschĂ€ftigten 555 Euro mehr pro Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten sowie die steuer- und abgabenfreie InflationsausgleichsprĂ€mie. Die Bahn hat bei der ersten Verhandlungsrunde vergangene Woche eine elfprozentige Entgelterhöhung bei 32 Monaten Laufzeit vorgeschlagen. Auch zur Zahlung der InflationsausgleichsprĂ€mie ist der Konzern bereit.
Notfahrplan gilt auch noch nach Warnstreik-Ende
Die mit der GDL ausgehandelten TarifvertrĂ€gen werden bei der Bahn nach Konzernangaben fĂŒr 10.000 BeschĂ€ftigte angewendet. Die LokfĂŒhrergewerkschaft ist bei der DB die kleinere von zwei Gewerkschaften. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hat im FrĂŒhjahr und Sommer bereits neue TarifvertrĂ€ge fĂŒr gut 180.000 BeschĂ€ftigte verhandelt. Unter anderem erreichte die EVG dabei eine Entgelterhöhung von 410 Euro in zwei Stufen bei 25 Monaten Laufzeit. Auch die Zahlung von 2850 Euro InflationsausgleichsprĂ€mie wurden vereinbart.
Der GDL-Warnstreik sollte am Donnerstagabend um 18.00 Uhr enden. DB-Sprecher StauĂ betonte, dass auch danach zunĂ€chst noch der Notfahrplan gelten werde. Die Bahn versucht so, die ZĂŒge an jene Orte zu fahren oder dort zu halten, wo sie am Freitagmorgen gebraucht werden. Der Freitag ist stets ein nachfragestarker Tag, viele Menschen reisen dann fĂŒr das Wochenende nach Hause.
Wann geht es weiter mit Verhandlungen?
Die FahrgĂ€ste, die am Donnerstag ihre Reise nicht antreten konnten, werden am Freitag teils zusĂ€tzlich in den ZĂŒgen sein - nach dem Warnstreik drohen also ĂŒberfĂŒllt ZĂŒge zum Ende der Woche.
Wann und wie nach dem Warnstreik beide Seiten wieder an den Verhandlungstisch kommen, ist aus Sicht des GDL-Chefs Claus Weselsky noch ungeklÀrt. «Das haben wir noch zu bewerten, das ist noch offen», sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Ich kann das nicht vorwegnehmen, ich weià nicht, was die Herren treibt», ergÀnzte Weselsky mit Verweis auf die Arbeitgeberseite. «Ich kann nur darauf verweisen, dass wir Verhandlungen vereinbart haben.»
Weitere Warnstreiks möglich
Der GDL-Chef Claus Weselsky schlieĂt weitere Warnstreiks bei der Deutschen Bahn nicht aus. «Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das nicht», sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Schwerin. Weselsky nahm dort an einer Kundgebung des Deutschen Beamtenbundes (dbb) teil, der fĂŒr den öffentlichen Dienst der LĂ€nder ebenfalls in Tarifverhandlungen steckt.
Auch Arbeitsniederlegungen rund um Weihnachten schloss der GDL-Chef nicht aus. Einen von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) vorgeschlagenen «Weihnachtsfrieden» lehne er ab. Bislang habe die GDL nie an Weihnachten gestreikt, «aber ich lasse mich da nicht auf einen Tag festlegen», stellte Weselsky klar.
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