Chinas, Außenhandel

Chinas Außenhandel schlĂ€gt Erwartungen - Fokus auf USA

09.05.2025 - 05:54:40

Der Zollstreit mit den USA scheint Chinas Außenhandel bislang nicht schwer getroffen zu haben. FĂŒr die Volksrepublik haben vor allem die Ausfuhren eine besondere Bedeutung. Wie geht es nun weiter?

  • Die deutsche Auslandshandelskammer sieht in China weiter Unsicherheiten fĂŒr Firmen aus Deutschland. (Archivbild)    - Foto: Johannes Neudecker/dpa

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  • Das VerhĂ€ltnis zwischen China und den USA ist durch die Zölle extrem angespannt. (Symbolbild) - Foto: Jeff Chiu/AP/dpa

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  • Die Container-Buchungen von China in die USA hatten zuletzt schon stark abgenommen. (Symbolbild)  - Foto: ---/XinHua/dpa

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Die deutsche Auslandshandelskammer sieht in China weiter Unsicherheiten fĂŒr Firmen aus Deutschland. (Archivbild)    - Foto: Johannes Neudecker/dpaDas VerhĂ€ltnis zwischen China und den USA ist durch die Zölle extrem angespannt. (Symbolbild) - Foto: Jeff Chiu/AP/dpaDie Container-Buchungen von China in die USA hatten zuletzt schon stark abgenommen. (Symbolbild)  - Foto: ---/XinHua/dpa

Überraschend sind Chinas Exporte trotz des laufenden Handelskonflikts mit Washington nicht unter die RĂ€der gekommen. Doch der Außenhandel mit Washington litt massiv, wie aus Daten der Zollbehörde in Peking hervorging. Nach Angaben in US-Dollar stiegen im April die Ausfuhren insgesamt um 8,1 Prozent verglichen mit dem gleichen Vorjahresmonat, die Importe sanken leicht um 0,2 Prozent. Der HandelsĂŒberschuss betrug rund 96 Milliarden US-Dollar (86 Mrd. Euro). 

Analysten hatten im Vorfeld mit einem deutlicheren RĂŒckgang bei den Importen und nur schwach steigenden Exporten gerechnet. Im MĂ€rz hatte die Volksrepublik noch einen enormen Anstieg bei den Ausfuhren von 12,4 Prozent verglichen zum Vorjahr verzeichnet. Experten vermuteten, dass Firmen vor den eintretenden Zöllen LagerbestĂ€nde aufgebaut hatten. 

Im April gelang es Chinas Exporteuren offenbar, mehr in sĂŒdostasiatische MĂ€rkte zu verschiffen. Ausfuhren nach Indonesien stiegen um 36,8 Prozent. Auch nach Vietnam (plus 22,5 Prozent) und Thailand (plus 27,9 Prozent) gingen deutlich mehr Waren. 

Wie der Handel mit den USA lief

Im Fokus stand der Handel mit den Vereinigten Staaten. US-PrĂ€sident Donald Trump hatte im April Zusatzzölle von 145 Prozent auf Waren aus China angeordnet. Peking konterte mit 125 Prozent auf Importe aus den USA und ExportbeschrĂ€nkungen wichtiger Rohstoffe. Trump will mit Zöllen Firmen dazu bringen, sich in den USA anzusiedeln und damit den Produktionsstandort stĂ€rken. Experten halten dies fĂŒr schwierig. 

Nach offiziellen Angaben brachen Chinas Exporte in die USA um 21 Prozent und die Importe um 13,8 Prozent ein. Der Handel zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Welt ist wegen der hohen AufschlĂ€ge mehr oder weniger zum Erliegen gekommen. Washington und Peking hatten Berichten zufolge im Technologie-Bereich bei wichtigen Produkten aus dem jeweils andern Land bereits Ausnahmen gemacht. 

Experte sieht Gefahr fĂŒr Deutschland

Peking habe sich in den letzten Jahren gut auf eine mögliche Eskalation mit den USA vorbereitet, sagt Max Zenglein, Ökonom beim Institut fĂŒr China-Studien Merics in Berlin. Die Eskalation im Handelsstreit berge jedoch «massive Gefahren» fĂŒr die Weltwirtschaft und damit auch fĂŒr Deutschland. «In einer zunehmend von geopolitischen RivalitĂ€ten geprĂ€gten Ära der Globalisierung laufen deutsche Unternehmen Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten», sagt Zenglein. 

Chinas Handel mit Deutschland entwickelte sich im April in extreme Richtungen. Die Ausfuhren schossen im Vergleich zum selben Vorjahresmonat um 20,4 Prozent in die Höhe. Die Importe gingen dagegen deutlich um 12,2 Prozent zurĂŒck. Auch Chinas Einfuhren aus der EU sanken merklich um 16,5 Prozent, wĂ€hrend die Ausfuhren dorthin um 8,3 Prozent stiegen. 

«Trotz besser als erwartet ausgefallener Handelszahlen verdunkelt der Handelskonflikt die wirtschaftlichen Aussichten fĂŒr deutsche Unternehmen in China», sagt Maximilian Butek, geschĂ€ftsfĂŒhrendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Ostchina. Chinas neue geldpolitische Maßnahmen und die geplante Förderung der Privatwirtschaft bauten die Unsicherheiten kaum ab. Viele deutsche Unternehmen in China verharrten im «Abwarte-Modus» und beobachteten die Lage, erklĂ€rt Butek. 

Wo Pekings Probleme liegen

Peking gab sich im Zollstreit bislang selbstbewusst und betonte immer wieder, wenn nötig, «bis zum Ende zu kÀmpfen». Die Auswirkungen der Zölle werden nun deutlicher. China kÀmpft bereits mit einer schwachen Nachfrage im Inland und einer hohen Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen. Das Vertrauen von Konsumenten ist als Folge einer langen Immobilienkrise geschwÀcht. 

Zudem sind Exporte ein wichtiger Antrieb fĂŒr den chinesischen Wirtschaftsmotor. Peking will in diesem Jahr wieder ein ambitioniertes Wachstumsziel von rund fĂŒnf Prozent erreichen. Die Stimmung in Chinas Industrie ist getrĂŒbt. Im produzierenden Gewerbe deutete sich zuletzt weniger AktivitĂ€t in den Fabriken an. Auch gingen die Bestellungen von Containern aus China mit Ziel USA merklich zurĂŒck. 

So reagiert China

Wenige Tage vor einem Treffen von Vertretern Chinas und der USA beschloss Peking Konjunkturmaßnahmen. Die FĂŒhrung wollte mit Zinssenkungen und mehr Geld fĂŒr Kredite in Bereichen wie Technologie oder Dienstleistungen Markterwartungen stabilisieren und der wirtschaftlichen Erholung helfen. 

Experten raten China schon lĂ€nger, den Fokus auf mehr Konsum im Inland statt auf eine von Subventionen getriebene Industriepolitik zu legen. Mit einem Programm, bei dem Menschen alte GerĂ€te oder Autos eintauschen und zu gĂŒnstigeren Preisen neue kaufen können, versucht die FĂŒhrung, die Nachfrage bereits zu unterstĂŒtzen. 

Lichtblick am Wochenende?

Gespannt blicken Beobachter auf das kommende Wochenende: US-Finanzminister Scott Bessent und der fĂŒr wirtschafts- und handelspolitische Fragen zustĂ€ndige Vize-MinisterprĂ€sident Chinas, He Lifeng, wollen in Genf in der Schweiz ĂŒber den Zollstreit sprechen. 

Laut Zenglein versucht China, die Disruptionen in der globalen Weltordnung derzeit auch auszunutzen, um sich anderen LĂ€ndern gegenĂŒber als der verlĂ€sslichere und bessere Partner zu prĂ€sentieren. 

WĂ€hrend die USA den Konflikt mit anderen LĂ€ndern suchten, wolle China die wirtschaftliche Kooperation stĂ€rken und Herausforderungen wie massive HandelsĂŒberschĂŒsse in den Hintergrund drĂ€ngen, sagt er. Zuletzt warb Staats- und Parteichef Xi Jinping etwa bei Besuchen in Russland, Vietnam oder Malaysia fĂŒr mehr Zusammenarbeit.

@ dpa.de